Fakten im Überblick
Frankfurt war nach den GenZ-Protesten Schauplatz massiver Gewalt.
Die Polizei nahm 54 Verdächtige fest, über zehn Beamte wurden verletzt.
Weitere Ausschreitungen und Verletzte wurden aus Köln, Hamburg und Berlin gemeldet.
In Frankfurt am Main kam es in der Nacht nach den "GenZ-Protesten" zu massiven Angriffen auf Einsatzkräfte und Plünderungen. Der hessische Innenminister Roman Poseck verwies auf eine Tätergruppe, die "überwiegend migrantisch geprägt" gewesen sei, und erklärte: "Es darf hier keine falschen Tabus geben". Laut Behörden wurden rund um die Einkaufsmeile Zeil 17 Geschäfte beschädigt und fünf davon geplündert. Im Einsatz waren rund 1300 Polizeibeamte, die 54 Verdächtige im Alter von 13 bis 29 Jahren festnahmen. Über zehn Polizisten wurden nach offiziellen Angaben verletzt.
Die Polizei hatte eigenen Angaben zufolge mit bis zu 1500 gewaltbereiten Störern zu tun und wurde aus Hinterhalten, auch mit Molotowcocktails und Abschussvorrichtungen für Pyrotechnik, attackiert. Frankfurts Polizeipräsident Stefan Müller bezeichnete den Abend als "Zäsur" für die Polizei. Nachdem auch ein Waffengeschäft geplündert worden war, kamen Spezialeinsatzkräfte zum Einsatz.
Auch in Köln und Hamburg kam es nach Angaben der Polizei zu Ausschreitungen. In Köln warfen Vermummte Steine und Feuerwerk auf Beamte, bauten Barrikaden aus E-Scootern und griffen ein Geschäft an. 23 Polizisten wurden verletzt. Die Polizei sprach von "größere randalierende Personengruppen von Jugendlichen und jungen Männern". In einem Rucksack wurden Molotowcocktails und Stichwaffen gefunden. Die Beamten erklärten, sichergestellte Vermummung und Bewaffnung seien Zeichen für "ein gezieltes und offenbar vorbereitetes Vorgehen".
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nannte in der "Bild" als Verantwortliche "gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu". Sein Lob galt der Polizei: "Das Einsatzkonzept der Polizei mit massiver Präsenz und dezentraler Kräfteaufstellung ist aufgegangen". Bereits im Vorfeld hatten Politiker und Sicherheitsbehörden vor einer möglichen Instrumentalisierung der "GenZ-Protesten" durch extremistische und gewaltbereite Kräfte gewarnt, nachdem es zuletzt auch in Frankreich am Rande von Protesten zu Krawallen gekommen war.
Die bundesweiten Proteste der Gruppierung "GenZ regelt" verliefen tagsüber laut Behörden größtenteils friedlich; die Initiative sprach von 120.000 Teilnehmern. Die Jugendlichen demonstrierten unter anderem für bessere Bildung und gegen hohe Lebenshaltungskosten. In Frankfurt und Köln kam es aber bereits während der Demonstrationen zu Ausschreitungen, die Versammlung in Frankfurt wurde aufgelöst. In Berlin wurden 56 Festnahmen und 27 leicht verletzte Polizeibeamte nach einem Aufzug im Bezirk Mitte gemeldet, dazu "zahlreiche Straftaten". In Leipzig berichtete die Polizei von Pyrotechnik, beschädigten Haltestellen und errichteten Barrikaden.
Zahlreiche Politiker forderten ein hartes Durchgreifen gegen die Täter, mahnten aber zugleich, dass die friedlichen Proteste der Jugend nicht diskreditiert werden dürften. Dirk Wiese von der SPD sagte der "Rheinischen Post": "Die Sorgen vor der eigenen Zukunft sind ernst zu nehmen". Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner forderte, die Bundesregierung müsse auf die Botschaft der jungen Menschen "antworten". Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, äußerte in der "Augsburger Allgemeine": "Die Politik vernachlässigt die junge Generation" und forderte, die Reformen müssten "generationengerecht" ausgestaltet werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Klare Trennlinien zwischen Protest und Gewalt nötig
Die Ereignisse nach den "GenZ-Protesten" zeigen auf dramatische Weise, wie schnell gesellschaftlicher Protest von Gewalt überschattet werden kann. Die Polizei stand in Frankfurt, Köln, Hamburg und anderen Städten vor einer bewaffnet und organisiert auftretenden Minderheit, während das Gros der Jugendlichen friedlich demonstrierte. Innenpolitische Konfliktlinien werden in der Debatte um Tätergruppen, Polizeikonzepte und politische Verantwortung erkennbar. Klar ist: Die Forderungen der friedlichen Jugend sind berechtigt und müssen gehört werden; gleichzeitig darf Gewalt keinen Platz haben. Auch in Zukunft wird die Gesellschaft darauf angewiesen sein, entschlossen zwischen legitimer Meinungsäußerung und strafbaren Ausschreitungen zu unterscheiden. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Spannungen steigt, wenn soziale Anliegen unbeantwortet bleiben.
Historischer Hintergrund
Die "GenZ-Protesten" stehen in einer Reihe von Jugendprotesten in Europa. In mehreren Ländern hatten junge Menschen zuletzt für bessere Bildung und gegen steigende Lebenshaltungskosten demonstriert. In Frankreich war es dabei zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die deutschen Behörden verstärkten daraufhin vorsorglich die Polizeipräsenz rund um die geplanten Proteste, um eine mögliche Instrumentalisierung durch extremistische oder gewaltbereite Gruppen zu verhindern.
Zukunftsprognose
Die jüngsten Ausschreitungen werden aller Voraussicht nach zu verstärkten Überwachungsmaßnahmen und einer konsequenten Linie der Sicherheitsbehörden bei künftigen Protesten führen. Gelingt es der Politik nicht, die Anliegen der friedlichen Mehrheit der Jugend ernsthaft aufzugreifen, dürfte die Protestbereitschaft weiter steigen. Städte könnten vor wirtschaftlichen Herausforderungen durch Sachschäden und ein geschwächtes Sicherheitsgefühl stehen. Eine Übertragung auf andere europäische Länder scheint möglich, sollte das soziale Klima weiter angespannt bleiben.
Erklärungen
Was sind GenZ-Protesten
Mit "GenZ-Protesten" werden Demonstrationen bezeichnet, die in der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis Ende 20 organisiert werden und sich für ihre Interessen einsetzen.
Wie verlaufen Plünderungen bei Protesten
Plünderungen sind gewaltsame Überfälle auf Geschäfte während Unruhen, bei denen Waren entwendet werden. Sie sind in Deutschland strafbar.
OZD-Extras
Die "GenZ-Protesten" und die damit verbundenen Ausschreitungen finden auch im Ausland Beachtung. Für den Einzelhandel sind erhebliche Sachschäden entstanden. Wirtschaftliche und börsentechnische Folgen erscheinen trotz der Ausschreitungen bislang auf regional begrenzt, akute Kurseinbrüche wurden nicht bekannt.
Gewinnspiel
Wie viele Geschäfte wurden laut Behörden in Frankfurt geplündert?
A) Fünf
B) Siebzehn
C) Acht
D) Zwölf
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.