Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Jugendproteste in Frankreich legen Unis und Schulen lahm

Frankreichs Schüler und Studierende setzen ihren Protest fort. Sie verlangen bessere Bedingungen und kritisieren die Reformen der Regierung.

Fakten im Überblick

Mehrere Unis und Schulen in Frankreich wurden aus Protest geschlossen.

Schüler, Studierende und Lehrkräfte fordern bessere Bedingungen an Schulen.

Regierungsmaßnahmen werden von Verbänden weiterhin als unzureichend bewertet.

Die Proteste junger Menschen gegen Missstände im Bildungswesen in Frankreich reißen auch nach den Herbstferien nicht ab. Am Dienstag blieben mehrere Universitäten geschlossen, Schülerinnen und Schüler blockierten laut Regierung 48 Oberschulen. Ein Schülerverband sprach sogar von 500 blockierten Schulen. In Paris versammelten sich mehrere Tausend junge Menschen zu einer nicht genehmigten Demonstration. "Wir wollen der Regierung zeigen, dass die Universitäten immer noch mobilisiert sind, und dass wir konkrete Antworten erwarten", erklärte Suzanne Nijdam, Vorsitzende des größten Studierendenverbands.

In Städten wie Paris, Rennes und Toulouse waren zahlreiche Gymnasien betroffen. Vor der Eliteschule Louis Grand in Paris blockierten Jugendliche den Eingang mit Mülltonnen. Die 16-jährige Schülerin Soline aus Toulouse sagte: "Man verspricht uns Reformen, damit die Bewegung sich auflöst, aber bislang haben wir nur Krümel erhalten". Auch Lehrer schlossen sich den Protesten an. "Wir haben genau dieselben Forderungen", betonte der Mathematiklehrer Raphaël Gironimi und ergänzte: "Wir haben 35 Schüler pro Klasse, und die Schule ist weder an Hitzewellen noch an Winterkälte angepasst."

Die Regierung hatte angesichts der seit Mitte September anhaltenden Proteste zugesagt, das umstrittene Bewerbungsverfahren für Hochschulen zu reformieren, 500 zusätzliche Lehrerstellen sowie 15.000 Hochschul- und Ausbildungsplätze zu schaffen. In der zehnten Jahrgangsstufe sollen maximal 28 Schülerinnen und Schüler pro Klasse sitzen. Schülerverbände bezeichneten die Maßnahmen als nicht ausreichend.

Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin gab bekannt, dass seit Mitte Oktober knapp 5000 Menschen im Zusammenhang mit Gewalttaten am Rande der Demonstrationen in Polizeigewahrsam kamen, davon 30 Prozent Minderjährige. Rund 330 Menschen wurden inhaftiert. Am Dienstag wurden zudem drei Minderjährige festgenommen, die für den Brand der Eingangshalle ihrer Schule in Nantes verantwortlich gemacht werden. Die Schule zeichnet sich durch eine breite internationale und künstlerische Ausrichtung aus.

Für Donnerstag riefen zahlreiche Gewerkschaften zu Streiks und Demonstrationen auf, die Schulen und zahlreiche Branchen betreffen könnten. Die französische Bahn SNCF kündigte bereits "leichte Störungen" im Fernverkehr und größere Störungen im Regionalverkehr an. Ursprünglich war der Termin seit längerem geplant, doch im Lichte der anhaltenden Jugendproteste erhält er neue Bedeutung. Seit Mitte September protestieren Frankreichs Oberstufenschüler gegen Missstände und das undurchsichtige zentrale Online-Bewerbungsverfahren, begleitet von wachsender Unzufriedenheit über gestiegene Lebenshaltungskosten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Frankreichs Jugend erwartet mehr als Reformkrümel

Die Proteste an Frankreichs Schulen und Universitäten machen deutlich: Für viele junge Menschen reichen symbolische Reformschritte nicht aus. Wenn Schülerinnen wie Soline betonen, sie erhielten bislang nur Krümel, ist das Ausdruck echten Frusts und eines zentraleuropäischen Generationenkonflikts. Bemerkenswert ist das gemeinsame Vorgehen mit Lehrkräften, die ähnlich belastet werden. Die Regierung steht nun unter Zugzwang, denn die steigende Zahl an Protesten und Festnahmen zeigt, wie ernst die Lage ist. Ohne einen echten Dialog über die Forderungen der Jugend dürfte der Widerstand anhalten. Wahrscheinlich werden die Proteste weitere Kreise ziehen und die Bildungs- und Sozialpolitik Frankreichs noch länger prägen.

Historischer Hintergrund

Frankreich blickt auf eine lange Geschichte jugendlicher Protestbewegungen zurück. Häufig führten Unzufriedenheit mit Bildungs- oder Sozialpolitik zu Streiks und Blockaden. Die aktuelle Bewegung begann Mitte September, ausgelöst durch Kritik am zentralen Online-Bewerbungsverfahren für Studienplätze und Missstände an Schulen. Hinzu kommt die wachsende Belastung durch gestiegene Lebenshaltungskosten.

Zukunftsprognose

Eine rasche Einigung wirkt derzeit unwahrscheinlich. Längere Proteste und Streiks könnten politische und wirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Möglicherweise wird die Regierung bald gezwungen, weitergehende Reformen auf den Weg zu bringen. Die Entwicklung wird auch international aufmerksam beobachtet, da sie Stimmungen in anderen europäischen Ländern beeinflussen könnte.

Erklärungen

Was fordern Frankreichs Schüler und Studierende?

Kleinere Klassen, modernere Schulgebäude, mehr Lehrkräfte, ein transparenteres Bewerbungsverfahren für Hochschulen und bessere Lernbedingungen stehen im Mittelpunkt der Forderungen.

OZD-Extras

Bemerkenswert an den Protesten ist die geschlossene Beteiligung von Schülern und Lehrern. Die angekündigten Bahnstreiks können kurzfristig Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Bisher zeigen sich Märkte und Währung stabil, könnten aber bei einer weiteren Eskalation beeinflusst werden.

Gewinnspiel

Wie viele zusätzliche Lehrerstellen hat die Regierung zugesagt?

A) 250

B) 500

C) 1500

D) 5000

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.