Es war knapp – aber es war auch ein klares Signal: Isabell Werth, Grande Dame der Dressurwelt, musste sich beim CHIO Aachen in der Kür erneut dem Belgier Justin Verboomen geschlagen geben. Mit starken 89,400 Prozent auf Zonik Plus setzte der 32-Jährige erneut die Bestmarke. Werth, mit ihrer elfjährigen Wendy, landete bei 88,440 Prozent – Platz zwei, aber eben nicht der erhoffte 16. Sieg im Großen Dressurpreis von Aachen.
Dass Werth den Rückschlag sportlich nimmt, ist nicht überraschend. „Das war sicherlich Wendys beste Leistung“, sagte sie – und meinte das auch so. Die erfahrene Reiterin lobte ihre Stute für die deutliche Leistungssteigerung im Verlauf der Turniertage. Und dennoch: Ein Verboomen in dieser Form ist schwer zu schlagen. Die Dressurwelt erlebt gerade einen Wachwechsel auf dem Viereck – und Werth weiß das.
Auch Frederic Wandres zeigte sich wieder stark. Der Olympia-Teamreiter aus Paris belegte mit Bluetooth den dritten Rang – eine Bestätigung seiner stabilen Form. Für Katharina Hemmer ging es mit Denoix leicht bergab: Platz neun in der Kür. Ihre Nominierung für die EM in Crozet steht aber, ebenso wie jene für Wandres, Werth und Ingrid Klimke.
Die Spannung im Hinblick auf das EM-Team war ohnehin vor dem Kür-Finale genommen worden. Bundestrainerin Monica Theodorescu hatte die Entscheidung bereits vorgezogen – ein deutliches Zeichen der Planbarkeit, aber auch der strategischen Sicherheit. Klimke überzeugte auf dem parallel stattfindenden Vier-Sterne-Turnier mit einem Sieg im Grand Prix Special auf Vayron.
Der CHIO Aachen, das Mekka des internationalen Pferdesports, lieferte auch in diesem Jahr große Momente – und eine klare Botschaft: Wer oben bleiben will, muss sich weiterentwickeln. Isabell Werth weiß das. Verboomen setzt die Messlatte – doch der deutsche Dressursport hat noch lange nicht abgedankt.
OZD
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