Nach dem spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen hat die Polizei eine mögliche neue Spur gesichert. Zwei gefälschte Autokennzeichen, die mutmaßlich an einem der Fluchtfahrzeuge angebracht waren, wurden beschlagnahmt, wie die Polizei am Montag mitteilte. Ein 27-jähriger Zeuge hatte die Kennzeichen am frühen Sonntagnachmittag in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs entdeckt und an der dortigen Bundespolizeiwache abgegeben.
Zuvor hatte die Polizei Überwachungsbilder der beiden Fluchtfahrzeuge veröffentlicht, die mit gefälschten Kennzeichen unterwegs gewesen sein sollen. Auf den qualitativ schlechten Aufnahmen einer Überwachungskamera vom 29. Dezember sind zudem drei vermummte Männer zu erkennen, die im Zusammenhang mit dem Einbruch stehen könnten.
Nach Angaben der Ermittler lagen die Kennzeichen nahe dem Hauptbahnhof auf dem Boden. Beamte der Polizei Gelsenkirchen stellten sie später „spurenschonend“ sicher. Nun werden mögliche DNA- oder Faserspuren ausgewertet. Gleichzeitig sucht die Polizei Zeugen, die im Bereich des Fundorts verdächtige Beobachtungen gemacht haben.
Die Täter waren bei dem Einbruch besonders professionell vorgegangen. Von einem Parkhaus aus bohrten sie ein Loch in den Tresorraum der Bank und brachen dort rund 3200 Schließfächer auf. Gestohlen wurden Bargeld, Schmuck und Gold. Bei einer Versicherungssumme von jeweils gut zehntausend Euro pro Schließfach ergibt sich eine geschätzte Schadenshöhe von mehr als 30 Millionen Euro. OZD
OZD-Kommentar – Ein Detail, das alles verändern kann
Es sind oft die kleinen Dinge, die große Verbrechen zu Fall bringen. Zwei weggeworfene Kennzeichen wirken banal – können aber zum Wendepunkt eines der größten Bankeinbrüche der vergangenen Jahre werden. Der Coup von Gelsenkirchen zeugt von akribischer Planung, doch auch perfekte Täter machen Fehler. Ob diese Spur reicht, wird sich zeigen. Klar ist: Der Druck auf die Ermittler ist enorm – und die Öffentlichkeit erwartet Antworten.

Tatort: Sparkasse Gelsenkirchen
Beute: Geld, Schmuck, Gold
Schließfächer: rund 3200
Geschätzter Schaden: über 30 Mio. Euro
Neue Spur: gefälschte Kennzeichen
OZD-Analyse1. Ermittlungsstand
– Sicherstellung mutmaßlicher Fluchtkennzeichen
– Auswertung von Überwachungsbildern
2. Bedeutung des Fundes
a) Möglichkeit von DNA- oder Faserspuren
b) Rückschlüsse auf Fluchtwege
c) Ansatzpunkt für weitere Zeugen
3. Dimension des Verbrechens
– Einer der größten bekannten Bankeinbrüche in NRW
– Hoher organisatorischer und logistischer Aufwand

Die Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Kreditinstitute in Deutschland. Sie betreiben unter anderem Schließfachanlagen, die von Kunden zur Verwahrung von Wertsachen genutzt werden.
Was bedeutet „spurenschonende Sicherstellung“?Dabei handelt es sich um polizeiliche Maßnahmen, bei denen Beweisstücke so gesichert werden, dass mögliche Fingerabdrücke, DNA- oder andere Spuren nicht beschädigt werden.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras: Bei einer vollständigen Entschädigung aller Schließfachkunden könnte der Schaden für Versicherer zu den höchsten jemals bei einem einzelnen Bankeinbruch zählen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.