Nach tagelangem Warten sind erste Urlauber aus der Golfregion nach Deutschland zurückgekehrt. In Frankfurt am Main landete am Mittag ein Flugzeug aus Dubai, eine weitere Maschine startete am späten Vormittag mitteleuropäischer Zeit in Abu Dhabi. Am frühen Nachmittag hob ein Flug von Dubai nach München ab.
Seit Beginn des Iran-Kriegs am Samstag waren laut dem Flugdatendienst Cirium bis Montagabend 12.903 Flüge in der Golfregion annulliert worden. Pro Tag waren rund 900.000 Sitzplätze betroffen, insgesamt also mehr als eine Million Passagiere. Am Sonntag wurden demnach nahezu 100 Prozent aller Flüge gestrichen, am Montag 93,5 Prozent.
Allein aus Deutschland sitzen rund 30.000 Pauschalurlauber in der Region fest, hinzu kommt eine unbekannte Zahl an Individualreisenden. Am internationalen Flughafen von Dubai zeigte die Anzeigetafel auch am Dienstag überwiegend Annullierungen. Vereinzelt hoben Maschinen von Airlines wie Emirates, Aeroflot oder FlyDubai ab.
In Saudi-Arabien und Oman starteten dagegen wieder zahlreiche Flüge Richtung Europa, Amerika, Asien und Australien. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte an, Charterflüge in diese Länder zu schicken, um gestrandete deutsche Reisende auszufliegen. Zunächst sollten „vulnerable Gruppen“ wie Schwangere, Kinder und ältere Menschen berücksichtigt werden. Ein erster Flug sei für Mittwoch von Maskat im Oman geplant, sagte Wadephul dem Sender Welt TV.
Auch der Reisekonzern TUI bereitet Rückholaktionen vor. Vorstandschef Sebastian Ebel erklärte den Sendern RTL und ntv, man arbeite mit Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways zusammen. Die eigene Airline Tuifly halte ebenfalls Maschinen bereit, um „sobald wir die Erlaubnis bekommen“ starten zu können. Der erste TUI-Flug ging nach München.
Von den etwa 30.000 deutschen Pauschaltouristen seien rund 10.000 Kunden von TUI, darunter 5000 auf Kreuzfahrtschiffen, sagte Ebel. Die Rückholaktion werde „einige Tage dauern“. Voraussetzung seien sichere Luftkorridore. Die Lage bleibt angespannt: Katar meldete am Dienstag, iranische Angriffe auf den Flughafen in Doha abgewehrt zu haben.
Kritik kommt aus dem Bundestag. Die Grünen-Außenexpertin Luise Amtsberg sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es sei erschütternd, dass die Bundesregierung in der akuten Gefährdungslage unvorbereitet wirke. „Erst an Tag drei nach Ausbruch des Krieges anzukündigen, einzelne vulnerable Personengruppen aus der Region evakuieren zu wollen, reicht nicht aus.“ Auch die außenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Cansu Özdemir, kritisierte die Krisenkommunikation als mangelhaft.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Krisenreaktion mit Verzögerung
Tausende Deutsche saßen fest, während fast der gesamte Flugverkehr kollabierte. Dass Evakuierungsflüge erst Tage nach Kriegsbeginn angekündigt werden, wirft Fragen auf. In einer global vernetzten Welt muss Krisenvorsorge schneller greifen. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, wird sich zeigen, ob die Bundesregierung aus dieser Situation die nötigen Lehren zieht – oder erneut hinterherläuft.
Mini-Infobox
– 12.903 Flüge bis Montagabend annulliert
– Rund 30.000 deutsche Pauschalurlauber betroffen
– Erste Rückflüge nach Frankfurt und München
– Charterflug aus Maskat für Mittwoch geplant
OZD-Analyse
Lage im Luftraum
a) Nahezu vollständiger Flugstopp am Sonntag.
b) Nur schrittweise Wiederaufnahme einzelner Verbindungen.
c) Anhaltende Sicherheitsrisiken durch militärische Eskalation.
Rückholmaßnahmen
a) Priorisierung vulnerabler Gruppen.
b) Kooperation mit internationalen Airlines.
c) Abhängigkeit von sicheren Luftkorridoren.
Politische Bewertung
a) Kritik an Krisenmanagement und Kommunikation.
b) Forderung nach schnellerer Reaktion.
c) Mögliche Debatte über Evakuierungspläne für künftige Konflikte.
Erklärungen – Was ist ein Charterflug?
Ein Charterflug ist ein eigens angemieteter Flug, der außerhalb des regulären Linienverkehrs organisiert wird. Regierungen oder Reiseveranstalter setzen solche Flüge häufig bei Evakuierungen oder in Krisensituationen ein.
Historischer Hintergrund
Bereits während früherer Konflikte im Nahen Osten kam es zu massiven Einschränkungen des zivilen Flugverkehrs. Auch während der Corona-Pandemie organisierte die Bundesregierung großangelegte Rückholaktionen für im Ausland gestrandete Deutsche.
Prognose
Die Rückführung der Urlauber dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen. Sollte sich der Iran-Krieg ausweiten, könnten weitere Flugausfälle folgen. Die Bundesregierung steht unter Druck, schnelle und koordinierte Lösungen zu präsentieren, um das Vertrauen der Reisenden zu sichern.
Gewinnspiel
Wie viele deutsche Pauschalurlauber sitzen laut Bericht in der Region fest?
A) 10.000
B) 20.000
C) 30.000
D) 50.000
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OZD-Extra – Flugverkehr fast komplett gestoppt
Am Sonntag wurden laut Daten nahezu 100 Prozent aller Flüge in der Golfregion gestrichen – ein historischer Einbruch im internationalen Luftverkehr.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP