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Virtuelle Tatorte abgeschaltet: Polizei trifft organisiertes Cybernetzwerk

Ermittler haben in Deutschland rund 70 Server eines mutmaßlichen Cybercrime-Dienstleisters abgeschaltet und umfangreiche Daten sichergestellt.

Ermittler haben zahlreiche Server eines mutmaßlichen Dienstleisters im Bereich der Cyberkriminalität abgeschaltet. Wie das Brandenburger Polizeipräsidium in Potsdam und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Mittwoch gemeinsam mitteilten, wurden am Dienstag knapp 70 Server in Deutschland beschlagnahmt. Auf ihnen betrieb der Anbieter RedVDS seine zentrale Infrastruktur sowie mehr als 650 virtuelle Server. In Frankfurt am Main ist die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität angesiedelt, die die Ermittlungen koordiniert.

Nach Angaben der Behörden bot RedVDS seinen Kunden gegen eine monatliche Gebühr sogenannte virtuelle Desktops an. Dieses Angebot sei gezielt auf Cyberkriminelle zugeschnitten gewesen, die darüber weitgehend anonym Straftaten begehen konnten. Über die Plattform sollen mehr als 13.000 Nutzer professionell organisierte Betrugsdelikte und Hackerangriffe verübt haben.

Die Angriffe erfolgten häufig mittels gefälschter oder kompromittierter E-Mail-Kommunikation und richteten sich gegen zahlreiche Unternehmen in Deutschland, unter anderem in Brandenburg und Hessen. Gegen die Betreiber von RedVDS wird wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betreibens einer kriminellen Handelsplattform im Internet ermittelt.

Durch die Auswertung der beschlagnahmten Serverdaten, darunter die Kundendatenbank sowie Zahlungsinformationen, erhoffen sich die Ermittler die Aufklärung zahlreicher weiterer Cyberstraftaten. "Die Beschlagnahme dieser kriminellen Serverinfrastruktur ist ein bedeutender Schlag im Kampf gegen hochorganisierte Cyberkriminalität", erklärte der Präsident des Polizeipräsidiums des Landes Brandenburg, Oliver Stepien. Es sei gelungen, einen "zentralen Knotenpunkt" eines betrügerischen Netzwerks zu zerschlagen und viele potenzielle Opfer vor erheblichem Schaden zu bewahren.


OZD-Kommentar
Der Zugriff auf die Server von RedVDS zeigt, dass der Staat technisch und juristisch zunehmend in der Lage ist, auch komplexe digitale Täterstrukturen anzugreifen. Dennoch bleibt der Erfolg fragil, solange neue Plattformen schnell nachrücken können. Cyberkriminalität ist längst ein industrielles Geschäftsmodell, das nur durch konsequente internationale Zusammenarbeit und harte Strafverfolgung wirksam eingedämmt werden kann. Gelingt das nicht, droht die digitale Schattenwirtschaft weiterzuwachsen und reale Volkswirtschaften massiv zu schädigen.


Historischer Hintergrund 
Mit der fortschreitenden Digitalisierung entstanden in den vergangenen Jahren spezialisierte Dienstleister, die technische Infrastruktur für kriminelle Zwecke bereitstellen. Virtuelle Server, anonyme Zahlungswege und verschlüsselte Kommunikation erleichterten Betrug, Erpressung und Hackerangriffe erheblich. Strafverfolgungsbehörden reagierten mit dem Aufbau spezialisierter Einheiten zur Internetkriminalität. Der aktuelle Zugriff reiht sich in eine Serie zunehmender Maßnahmen gegen sogenannte Crime-as-a-Service-Strukturen ein, die heute als Rückgrat der organisierten Cyberkriminalität gelten.


Was ist das Polizeipräsidium des Landes Brandenburg?
Das Polizeipräsidium des Landes Brandenburg ist die zentrale Führungsbehörde der Landespolizei und unter anderem für die Bekämpfung schwerer und organisierter Kriminalität zuständig.

Was ist die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main?
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main koordiniert bedeutende Strafverfahren in Hessen und beherbergt die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität.

Was ist RedVDS?
RedVDS ist ein mutmaßlicher Anbieter virtueller Serverdienste, der laut Ermittlern gezielt Infrastruktur für Cyberkriminalität zur Verfügung gestellt haben soll.


OZD-Analyse

Ermittlungsansatz

a) Beschlagnahme zentraler Serverstrukturen

b) Zugriff auf Kundendaten und Zahlungsströme

c) Zerschlagung logistischer Grundlagen der Täter

Bedeutung für die Cyberabwehr

a) Schwächung professioneller Betrugsnetzwerke

b) Erhöhung des Entdeckungsrisikos für Nutzer

c) Signalwirkung für ähnliche Plattformen

Offene Herausforderungen

a) Internationale Verlagerung krimineller Infrastruktur

b) Hohe technische Anpassungsfähigkeit der Täter

c) Langwierige Auswertung großer Datenmengen


Mini-Infobox:

Rund 70 Server beschlagnahmt

Mehr als 650 virtuelle Server betroffen

Über 13.000 mutmaßliche Nutzer

Ermittlungen wegen bandenmäßiger Cyberkriminalität


OZD-Extras
Virtuelle Serverdienste gelten in der Cybercrime-Szene als besonders attraktiv, da sie schnell eingerichtet, flexibel genutzt und häufig international verlagert werden können.


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD / ©AFP.