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Die Epstein-Spur führt nach Oslo: Razzia bei Ex-Regierungschef Jagland

Die Epstein-Affäre erreicht Norwegens politische Elite: Ermittler durchsuchen Immobilien des früheren Regierungschefs Thorbjörn Jagland. Es geht um mutmaßlich übernommene Luxusreisen – und mögliche Korruption.

Im Zuge der internationalen Ermittlungen rund um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat die norwegische Polizei Immobilien des früheren Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland durchsucht. Wie sein Anwalt Anders Brosveet mitteilte, stehen die Maßnahmen im Zusammenhang mit einem Korruptionsverdacht.

Die für Wirtschaftskriminalität zuständige Behörde Økokrim bestätigte Durchsuchungen in Jaglands Wohnung in Oslo sowie in zwei weiteren Immobilien im Süden Norwegens. Fernsehsender zeigten am Morgen, wie Kartons aus der Wohnung getragen wurden. Jagland verließ das Gebäude lächelnd an der Seite seines Anwalts.

Nach Angaben der Ermittler sollen Jagland und/oder Mitglieder seiner Familie zwischen 2011 und 2018 mehrfach Epsteins Wohnungen in Paris und New York genutzt sowie sich in dessen Anwesen in Palm Beach aufgehalten haben. Mindestens eine Reise für sechs Erwachsene soll von Epstein bezahlt worden sein. In einem weiteren Fall habe Epstein angeboten, Reise- und Hotelkosten für einen Karibik-Urlaub zu übernehmen – Jagland habe dies angenommen, die Reise sei später abgesagt worden.

Laut der Zeitung „Verdens Gang“ zeigen E-Mails zudem, dass Epstein Jagland mehrfach gedrängt haben soll, ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu arrangieren.

Der heute 75-Jährige war von 1996 bis 1997 norwegischer Ministerpräsident, später Vorsitzender des Nobelkomitees und Generalsekretär des in Straßburg ansässigen Europarat. Als dessen Generalsekretär genoss er diplomatische Immunität – auch nach Amtsende für dienstbezogene Handlungen. Nach den jüngsten Enthüllungen hob der Europarat diese Immunität auf, sodass die Ermittlungen fortgeführt werden konnten.

Jagland erklärte über seinen Anwalt, er wolle „dazu beitragen, dass der Fall vollständig aufgeklärt wird“. Eine Befragung durch Økokrim sei der nächste Schritt. In der Vergangenheit hatte er seine Kontakte zu Epstein als „normale diplomatische Aktivitäten“ bezeichnet, räumte jedoch im Januar eine „Fehleinschätzung“ ein.

Die Ermittlungen betreffen auch weitere norwegische Persönlichkeiten, darunter die Diplomatin Mona Juul. Zudem enthalten die veröffentlichten Epstein-Dokumente E-Mails zwischen Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit und Epstein.

Epstein, der 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle tot aufgefunden wurde, soll gemeinsam mit seiner früheren Partnerin Ghislaine Maxwell über Jahre hinweg Minderjährige missbraucht und Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten gepflegt haben. Die jüngsten Dokumentenveröffentlichungen des US-Justizministeriums bringen nun auch in Europa neue Fälle ins Rollen.

OZD



OZD-Kommentar – Der Schatten Epsteins wird länger

Die Epstein-Affäre ist längst kein amerikanisches Kapitel mehr. Wenn ein ehemaliger Ministerpräsident und Nobelkomitee-Vorsitzender ins Visier gerät, erschüttert das das Vertrauen in politische Eliten.

Noch gilt die Unschuldsvermutung. Doch die Frage bleibt: Wie eng dürfen Kontakte zu einem Mann gewesen sein, dessen Ruf schon lange vor 2019 schwer beschädigt war? Diplomatie mag Grauzonen kennen – aber moralische Maßstäbe verschwimmen nicht folgenlos.

Norwegen steht nun vor einer Bewährungsprobe. Transparenz wird entscheidend sein, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Historischer Hintergrund

Jeffrey Epstein war ein US-Finanzinvestor mit engen Verbindungen zu Politik, Wirtschaft und Hochadel. 2008 wurde er wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt. 2019 wurde er erneut festgenommen und kurz darauf tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

Zukunftsprognose

Die Aufhebung der Immunität Jaglands könnte Signalwirkung haben. Sollten sich Korruptionsvorwürfe erhärten, drohen politische und juristische Konsequenzen. Die Epstein-Dokumente könnten auch in weiteren europäischen Ländern Ermittlungen auslösen.


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Mini-Infobox

Ermittlungsgrund: Verdacht auf schwere Korruption

Behörde: Økokrim

Zeitraum der Kontakte: 2011–2018

Besonderheit: Aufhebung diplomatischer Immunität

Kontext: Neue Veröffentlichungen zu Epstein

OZD-Analyse

Juristische Dimension
a) Aufhebung der Immunität –
b) Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts –
c) Hausdurchsuchungen als Standardmaßnahme –

Politische Tragweite
a) Ex-Ministerpräsident betroffen –
b) Nobelkomitee-Vergangenheit –
c) Vertrauensfrage in politische Eliten –

Internationale Folgen
a) Neue Epstein-Dokumente –
b) Ermittlungen auch gegen weitere Persönlichkeiten –
c) Europäische Dimension des Skandals –

Wer ist Thorbjörn Jagland?

Thorbjörn Jagland war von 1996 bis 1997 norwegischer Ministerpräsident. Später leitete er das Nobelkomitee und war von 2009 bis 2015 Generalsekretär des Europarats. Er gilt als langjähriger sozialdemokratischer Spitzenpolitiker Norwegens.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras

Der Europarat ist nicht mit der Europäischen Union zu verwechseln. Er wurde 1949 gegründet und setzt sich für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa ein.