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„Großer Gegenschlag“: Trump verschärft Ton gegenüber EU-Staaten

Donald Trump droht Europa mit massiven Vergeltungsmaßnahmen, falls US-Staatsanleihen abgestoßen werden. Der Ton verschärft sich – trotz Entspannung im Grönland-Streit.

US-Präsident Donald Trump hat Europa mit scharfen Vergeltungsmaßnahmen gedroht, falls europäische Staaten in großem Stil US-Staatsanleihen abstoßen sollten. In einem Interview mit dem US-Sender Fox Business sagte Trump am Donnerstag am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos, die USA würden in diesem Fall mit einem „großen Gegenschlag“ reagieren. „Und wir haben alle Karten in der Hand“, fügte der US-Präsident hinzu.

Hintergrund der Drohung sind Überlegungen in Europa, US-Staatsanleihen als politisches Druckmittel einzusetzen. Diese Diskussion war im Zuge des eskalierten Streits um Grönland aufgekommen, nachdem Trump wiederholt eine Übernahme der zum Nato- und EU-Mitgliedstaat Dänemark gehörenden Arktis-Insel gefordert hatte. Zwischenzeitlich hatten Experten in mehreren europäischen Ländern erwogen, durch einen koordinierten Abverkauf von US-Staatsanleihen wirtschaftlichen Druck auf Washington auszuüben.

Inzwischen hat sich der Grönland-Konflikt jedoch entschärft. Trump schloss am Mittwoch in Davos erstmals ausdrücklich militärische Gewalt zur Übernahme Grönlands aus und verkündete wenig später eine vorläufige Einigung mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Die zuvor angedrohten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder wurden daraufhin zurückgenommen.

Dennoch bleibt die finanzpolitische Drohkulisse bestehen. Ausländer halten rund ein Drittel aller gehandelten US-Staatsanleihen, wobei Japan der größte Einzelhalter ist. In Europa zählen unter anderem Belgien, Frankreich, Großbritannien und Kanada zu den wichtigsten Gläubigern. Ein koordinierter Abverkauf hätte spürbare Folgen: Die langfristigen Renditen würden steigen, und die US-Regierung müsste höhere Zinsen zahlen, um sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.

Trump machte jedoch deutlich, dass Washington ein solches Szenario nicht unbeantwortet lassen würde. Welche konkreten Maßnahmen ein „großer Gegenschlag“ umfassen könnte, ließ er offen. Beobachter werten die Äußerungen als klare Warnung an Europa, finanzpolitische Instrumente nicht als Druckmittel einzusetzen.

OZD


OZD-Kommentar – Eskalation auf dem Finanzparkett

Trump denkt Machtpolitik längst nicht mehr nur militärisch oder handelspolitisch, sondern finanzstrategisch. Die Drohung gegen Europa ist ein Signal: Wer am Fundament des US-Finanzsystems rüttelt, wird zur Zielscheibe. Dass der Präsident dabei bewusst vage bleibt, ist Teil der Strategie. Einschüchterung statt Diplomatie. Europa muss sich fragen, ob es dieser Eskalationslogik etwas entgegensetzen kann – oder ob es weiter reagiert, statt zu agieren. Klar ist: Die Finanzmärkte sind längst Teil der geopolitischen Frontlinie.


Historischer Hintergrund

Die Diskussion über den Einsatz von US-Staatsanleihen als politisches Druckmittel ist nicht neu. Bereits während der ersten Präsidentschaft von Donald Trump ab 2017 sorgten Handelskonflikte zwischen den Vereinigte Staaten und der Europäische Union für Spannungen an den Finanzmärkten.

Damals standen Strafzölle auf Stahl, Aluminium und Autos im Mittelpunkt, während finanzielle Gegenmaßnahmen bewusst vermieden wurden, um eine Eskalation an den Kapitalmärkten zu verhindern. US-Staatsanleihen gelten seit Jahrzehnten als sicherster Anlagehafen der Welt und sind ein zentrales Machtinstrument Washingtons. Ein gezielter Abverkauf durch Verbündete wurde bisher stets als „rote Linie“ betrachtet, da er das Vertrauen in das globale Finanzsystem erschüttern könnte.


Zukunftsprognose

Kurzfristig ist nicht mit einem koordinierten Abverkauf von US-Staatsanleihen durch europäische Staaten zu rechnen. Die wirtschaftlichen Risiken für Europa wären hoch, während die politischen Gewinne begrenzt blieben. Wahrscheinlicher ist, dass die Debatte als Druckkulisse bestehen bleibt.

Mittelfristig jedoch könnte Trumps aggressive Rhetorik dazu führen, dass Europa seine Abhängigkeit vom US-Finanzsystem strategisch überprüft. Experten erwarten eine schrittweise Diversifizierung von Währungsreserven sowie eine stärkere Rolle des Euro als geopolitisches Instrument.

Langfristig droht bei weiteren Eskalationen eine Fragmentierung der globalen Finanzordnung. Sollte Finanzpolitik dauerhaft zur Waffe werden, könnte dies das Vertrauen in bestehende Strukturen untergraben – mit Folgen, die weit über den aktuellen Konflikt hinausreichen.



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OZD-Gewinnspiel – Eine Frage, eine richtige Antwort

Was droht Donald Trump Europa an, falls US-Staatsanleihen in großem Stil abgestoßen werden?

a) Neue Sanktionen gegen China
b) Einen sofortigen Truppenabzug aus Europa
c) Einen „großen Gegenschlag“ der USA
d) Den Austritt aus der Nato

Teilnahme unter:
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Wissensblock OZD-Analyse

Finanzielle Machtinstrumente
– US-Staatsanleihen gelten als Rückgrat des globalen Finanzsystems
– Ein Abverkauf könnte Zinsen erhöhen und Märkte destabilisieren

Geopolitische Dimension
– Finanzpolitik wird zunehmend als politisches Druckmittel genutzt
– Die USA signalisieren Null-Toleranz gegenüber solchen Strategien

Risiko für Europa
– Gemeinsames Vorgehen erfordert politische Einigkeit
– Gegenmaßnahmen könnten massive wirtschaftliche Gegenreaktionen auslösen

Mini-Lernbox

– US-Staatsanleihen finanzieren den amerikanischen Staat
– Steigende Renditen bedeuten höhere Zinslasten für die USA
– Finanzmärkte reagieren sensibel auf politische Eskalationen

Mini-Infobox

– Anteil ausländischer Gläubiger: rund 33 Prozent
– Größter Halter: Japan
– Wichtige europäische Halter: Frankreich, Belgien, Großbritannien

OZD-Extra

Wusstest Du das?
Noch nie zuvor hat ein US-Präsident europäischen Staaten offen mit finanziellen Vergeltungsschlägen gedroht, falls sie US-Staatsanleihen abstoßen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.