Mit seiner neuen Rolle als Siebenmeter-Schütze hatte Nils Lichtlein nicht gerechnet. „Er hat schon ein bisschen geschluckt, als ich gesagt habe: Er fängt mit den Siebenmetern an“, berichtete Bundestrainer Alfred Gislason nach dem Hauptrundensieg gegen Portugal schmunzelnd. Schließlich galt der Rückraumspieler der Füchse Berlin bislang nicht als Strafwurf-Spezialist.
In der Bundesliga hatte Lichtlein in sieben Spielzeiten nur acht Siebenmeter-Tore erzielt. Doch beim 32:30-Erfolg gegen Portugal trat er gleich viermal an – und verwandelte drei Versuche. Zuvor hatte das deutsche Team in der Vorrunde eine schwache Quote von 54 Prozent vom Punkt gezeigt, weshalb Gislason mehrere Kandidaten im Training testete.
„Ich saß in meiner Ecke und habe zugeschaut, was sie machen. Und aus meiner Sicht war Nils der Beste“, erklärte der Isländer. Lichtlein habe die Torhüter im Training mehrfach geärgert. Seine Treffer waren besonders in der Anfangsphase wichtig, als Deutschland mit vielen technischen Fehlern zu kämpfen hatte.
Nach einem Fehlwurf durfte später wieder der etatmäßige Schütze Lukas Zerbe ran, der mit einer perfekten Quote überzeugte und kurz vor Schluss den entscheidenden Siebenmeter verwandelte. Wer im nächsten Hauptrundenspiel gegen Norwegen antritt, ist offen. Für Gislason zählt vor allem eines: Selbstvertrauen.
OZD
OZD-Kommentar – Mut schlägt Statistik
Lichtleins Beförderung zum Siebenmeter-Schützen ist ein kleines
Lehrstück moderner Trainerführung. Gislason ignoriert Statistiken,
Hierarchien und Erwartungshaltungen – und entscheidet nach Leistung im
Training. Genau das braucht ein Team unter Druck: Mut, Flexibilität und
Vertrauen in den Moment. Lichtleins Geschichte zeigt, wie schnell sich
Rollen im Spitzensport ändern können – und wie wichtig mentale Stärke
ist.
Historischer Hintergrund
Im deutschen Handball waren Siebenmeter-Schützen traditionell klar
definiert, oft spezialisierte Außen oder Rückraumspieler mit langer
Erfahrung. Trainer wie Gislason brechen dieses Muster zunehmend auf und
setzen auf situative Entscheidungen basierend auf Training und
Spielgefühl.
Zukunftsprognose
Die flexible Siebenmeter-Rotation dürfte bleiben. Deutschland könnte
künftig mehrere sichere Schützen einsetzen, um Gegner zu verunsichern
und Drucksituationen besser zu verteilen. Lichtlein hat sich damit als
neue Option für entscheidende Momente ins Gespräch gebracht.
Gewinnspiel
Wie viele Siebenmeter verwandelte Nils Lichtlein im Spiel gegen Portugal?
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Wissensblock
Der Siebenmeter ist im Handball eine der mental schwierigsten
Spielsituationen, da der Werfer ohne Gegenspieler direkt gegen den
Torwart antritt – oft in entscheidenden Momenten.
OZD-Analyse
Trainerentscheidung
– a) Abkehr von festen Hierarchien
– b) Fokus auf Trainingsleistung
– c) Förderung mentaler Stärke
Spielerische Wirkung
– a) Stabilisierung in der Anfangsphase
– b) Entlastung des Stamm-Schützen
– c) Überraschungsmoment für Gegner
Turnierstrategie
– a) Mehr taktische Variabilität
– b) Reduzierung des Drucks auf Einzelspieler
– c) Flexiblere Rollenverteilung im Kader
Lernbox
Im Spitzensport kann mentale Stärke wichtiger sein als Statistik – Vertrauen des Trainers kann Karrieren in Minuten verändern.
Mini-Infobox
– Spieler: Nils Lichtlein
– Team: Deutschland
– Spiel: Deutschland – Portugal
– Siebenmeter-Treffer: 3
OZD-Extra
Lichtlein war zuvor in seiner gesamten Bundesliga-Karriere kaum vom
Siebenmeterpunkt aktiv – bei der EM wurde er binnen eines Spiels zum
Schlüsselspieler.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
