Die nordrhein-westfälische Flüchtlingsministerin Josefine Paul hat ihren Rücktritt erklärt. Eine Sprecherin ihres Ministeriums bestätigte am Dienstag in Düsseldorf entsprechende Angaben gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Grünen-Politikerin stand zuletzt massiv wegen ihrer Rolle bei der Aufarbeitung des islamistisch motivierten Messeranschlags auf das Stadtfest in Solingen unter Druck.
Bei dem Anschlag am 23. August 2024 waren drei Menschen getötet und mehrere weitere schwer verletzt worden. Bundesweit hatte die Tat Entsetzen ausgelöst und eine erneute Debatte über Migration, innere Sicherheit und staatliche Reaktionsfähigkeit angestoßen. Insbesondere die Opposition warf Paul eine zögerliche Kommunikation vor. Kritisiert wurde, dass sie zunächst nicht öffentlich auftrat und sich erst verspätet vor der Presse äußerte.
Der Vorwurf wog politisch schwer: In einer Phase höchster gesellschaftlicher Sensibilität habe das Ministerium zu langsam reagiert und Führung vermissen lassen. Die Kritik richtete sich dabei weniger gegen operative Versäumnisse als gegen das öffentliche Krisenmanagement nach der Tat.
Paul war seit Juni 2022 Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration im Kabinett von Ministerpräsident Hendrik Wüst. Der CDU-Politiker hatte sich in den vergangenen Wochen schützend vor seine Ministerin gestellt, zugleich aber eine umfassende Aufarbeitung angekündigt. Seit 2010 sitzt Paul für die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag.
OZD
OZD-Kommentar – Rücktritt als spätes SignalDer Rücktritt von Josefine Paul ist mehr als ein persönlicher Schritt – er ist ein politisches Eingeständnis. Nicht die Tat von Solingen selbst, sondern der Umgang danach brachte die Ministerin zu Fall. In Zeiten von Terror, Angst und gesellschaftlicher Polarisierung wird Führung nicht nur an Entscheidungen, sondern an Kommunikation gemessen. Paul wirkte in den entscheidenden Stunden abwesend, nicht präsent genug, nicht klar genug. Dass sie nun geht, mag spät kommen, ist aber konsequent. Vertrauen lässt sich nicht vertagen.
Historischer HintergrundDer Anschlag von Solingen reiht sich ein in eine Serie islamistisch motivierter Gewalttaten, die Deutschland in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Immer wieder führten solche Ereignisse zu intensiven politischen Debatten über Asylverfahren, Abschiebungen, Prävention und Zuständigkeiten der Länder. Nordrhein-Westfalen steht dabei besonders im Fokus, da es das bevölkerungsreichste Bundesland ist und eine zentrale Rolle in der deutschen Flüchtlingspolitik spielt. Ministerinnen und Minister in diesem Ressort agieren regelmäßig an der Schnittstelle zwischen Humanität, Sicherheit und politischem Druck.
ZukunftsprognoseDer Rücktritt dürfte die Debatte über Flüchtlingspolitik und innere Sicherheit in NRW weiter anheizen. Die Landesregierung steht nun vor der Aufgabe, schnell für Stabilität zu sorgen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Gleichzeitig ist mit einer Verschärfung des politischen Tons im Landtag zu rechnen. Wer Pauls Nachfolge antritt, wird sich nicht nur an Sachfragen messen lassen müssen, sondern an der Fähigkeit, in Krisen sichtbar, klar und führungsstark zu handeln.
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Mini-Infobox
– Rücktritt von Josefine Paul
– Kritik am Krisenmanagement
– Anschlag mit drei Todesopfern
– Debatte über Flüchtlingspolitik
– Kabinett Wüst unter Druck
1. Politische Verantwortung
a) Kommunikation als Führungsaufgabe
b) Erwartung an schnelle Präsenz
c) Vertrauensverlust durch Verzögerung
2. Auswirkungen auf die Landesregierung
a) Druck auf Ministerpräsident Wüst
b) Koalitionsinterne Spannungen möglich
c) Neuordnung des Ressorts notwendig
3. Gesellschaftliche Dimension
a) Verunsicherung nach Terroranschlägen
b) Polarisierung der Migrationsdebatte
c) Hohe Erwartungen an staatliches Handeln
Wer ist Josefine Paul?
Josefine Paul ist eine Grünen-Politikerin aus Nordrhein-Westfalen. Sie war seit 2022 Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und gehört dem Landtag seit 2010 an.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
In NRW ist das Ressort für
Flucht und Integration eines der politisch sensibelsten Ministerien –
Rücktritte dort haben regelmäßig bundesweite Signalwirkung.
