Alfred Gislason stand im Stau – und nahm es mit Gelassenheit. Der Bundestrainer musste warten, weil sich der Mann des Abends den Fragen stellte. „Juri hat einen phänomenalen Tag gehabt, uns wirklich großartig geholfen“, sagte Gislason nach der Zehn-Tore-Gala seines Spielmachers im Hauptrunden-Finale gegen Frankreich und adelte Knorrs Auftritt als „die beste Leistung, die ich je von ihm gesehen habe“.
Knorr selbst wirkte noch immer überwältigt. Er redete, erklärte, lachte – und versuchte, den Moment zu begreifen. „Ich wollte einfach den Moment genießen. Dann freuen wir uns auf das Halbfinale“, sagte er und fügte fast ungläubig hinzu: „Hätte mir das jemand vor zwei Tagen gesagt, hätte ich ihm den Vogel gezeigt.“ Nach den Rückschlägen der vergangenen Tage sei das Erreichen der Vorschlussrunde kaum vorstellbar gewesen.
Dabei lagen schwere Momente hinter der Mannschaft – und besonders hinter Knorr. Nach der Vorrunden-Niederlage gegen Serbien und dem Dämpfer gegen Dänemark in der Hauptrunde schien das Turnier zeitweise zu kippen. Doch am Mittwochabend gegen Frankreich zeigte sich ein anderes Bild. Knorr übernahm Verantwortung, führte das Spiel und trug Deutschland mit seiner Leistung zum 38:34-Sieg.
Emotional wurde es bei der Ehrung zum Man of the Match. Es sei „fast ein bisschen kitschig“ gewesen, sagte Knorr, weil sein Vater direkt vor ihm gestanden habe. Auch seine Freundin Friederike habe er „zwischendurch irgendwo auf dem Videowürfel gesehen“. Nach Tagen der Selbstzweifel wirkte der 25-Jährige befreit – und nicht nur er.
Nun wartet im Halbfinale Vizeweltmeister Kroatien. Mit einem Sieg wäre Deutschland sicher in den Medaillenspielen, bei einem Finaleinzug winkt sogar der erste Titel seit dem EM-Triumph vor zehn Jahren. Für Knorr ist klar, was dieses Turnier ausmacht: „Das ist so viel Gutmütigkeit, so viel Wohlwollen für den Nebenmann in der Mannschaft.“ Egal, wer gerade im Fokus stehe – das Team trage sich gegenseitig.
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OZD-Kommentar – Erlösung im richtigen Moment
Juri Knorrs Gala kam nicht einfach zur rechten Zeit, sie kam zur letzten möglichen. Nach schwankenden Auftritten und wachsender Kritik hätte das Turnier für ihn leicht zum persönlichen Rückschlag werden können. Stattdessen zeigte er, wie eng im Spitzensport Zweifel und Befreiung beieinanderliegen. Doch diese Geschichte trägt auch eine Warnung: Ein einzelnes Spiel darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie schmal der Grat bleibt. Wer dauerhaft um Titel spielen will, braucht solche Leistungen nicht als Ausnahme, sondern als neuen Maßstab.
Historischer Hintergrund
Juri Knorr gilt seit Jahren als einer der Hoffnungsträger des deutschen Handballs. Bei großen Turnieren wechselten sich starke Auftritte und schwierige Phasen jedoch mehrfach ab. Die aktuelle Europameisterschaft war geprägt von einem wechselhaften Turnierverlauf der deutschen Mannschaft, die sich erst spät Stabilität und Selbstvertrauen erarbeitete.
Wer ist Juri Knorr?
Juri Knorr ist Spielmacher der deutschen Handballnationalmannschaft und zählt zu den kreativsten Rückraumspielern seiner Generation.
Wer ist Alfred Gislason?
Alfred Gislason ist Bundestrainer der deutschen Handballnationalmannschaft und führte das Team durch einen personellen und spielerischen Umbruch.
OZD-Analyse
Sportliche Bedeutung der Leistung
a) Zehn Tore gegen Frankreich als Schlüssel zum Sieg
b) Übernahme von Verantwortung in Drucksituationen
c) Signalwirkung für das gesamte Team
Psychologische Komponente
a) Überwindung von Selbstzweifeln
b) Befreiung nach schwierigen Turnierphasen
c) Stärkung des Selbstvertrauens vor dem Halbfinale
Auswirkungen auf den Turnierverlauf
a) Halbfinaleinzug gesichert
b) Neue Rollenverteilung im Team
c) Erhöhte Erwartungen an Knorrs Konstanz
Mini-Infobox:
Ergebnis: Deutschland – Frankreich 38:34
Juri Knorr: 10 Tore
Auszeichnung: Man of the Match
Nächstes Spiel: Halbfinale gegen Kroatien
OZD-Extras
Knorr ist erst der zweite deutsche Spieler bei dieser EM, der im Hauptrundenfinale zweistellig trifft.
Alle Angaben ohne Gewähr.
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