Der Umsatz im deutschen Einzelhandel ist im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als zunächst angenommen. Das Statistisches Bundesamt in Wiesbaden korrigierte am Montag seine vorläufigen Zahlen von Anfang Januar um 0,3 Prozentpunkte nach oben. Preisbereinigt legte der Einzelhandelsumsatz demnach um 2,7 Prozent zu. Nominal, also ohne Berücksichtigung der Inflation, betrug das Plus 3,8 Prozent.
Damit fiel das Umsatzwachstum deutlich höher aus als im Jahr zuvor. Allerdings geht ein Teil dieses Anstiegs auf einen Sondereffekt zurück. Durch eine Umstrukturierung wurden Umsätze eines Onlinehandelsunternehmens erstmals dem deutschen Einzelhandel zugerechnet, die zuvor statistisch nicht in Deutschland erfasst worden waren.
Dieser Effekt machte sich vor allem im ersten Halbjahr bemerkbar. In den ersten sechs Monaten stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum preisbereinigt um 3,8 Prozent. Im zweiten Halbjahr schwächte sich das Wachstum deutlich ab und lag nur noch bei 1,7 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 war der preisbereinigte Jahresumsatz insgesamt lediglich um 1,1 Prozent gestiegen.
Trotz des Zuwachses blieb das Umsatzniveau 2025 noch unter dem Rekordjahr 2021. Besonders deutlich zeigte sich dies im Weihnachtsgeschäft. Zwar legten die Umsätze im Dezember 2025 nach vorläufigen Angaben preisbereinigt um 3,2 Prozent zu, lagen damit jedoch rund vier Prozent unter dem Niveau des Dezembers 2021.
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OZD-Kommentar – Wachstum mit angezogener Handbremse
Die nach oben korrigierten Zahlen klingen zunächst erfreulich, doch sie dürfen nicht überbewertet werden. Ein statistischer Sondereffekt kaschiert, dass der Konsum weiterhin fragil bleibt. Solange reale Kaufkraftverluste, hohe Preise und Unsicherheit dominieren, wird der Einzelhandel nur mühsam wachsen. Ohne nachhaltige Impulse droht das aktuelle Plus schnell wieder zu schrumpfen.
Mini-Infobox:
Preisbereinigtes Umsatzplus: 2,7 Prozent
Nominales Wachstum: 3,8 Prozent
Sondereffekt: Onlinehandel-Umstrukturierung
Vergleichsjahr Rekord: 2021
OZD-Analyse
Entwicklung des Einzelhandels
a) Nachträgliche Korrektur nach oben
b) Stärkeres Wachstum als 2024
c) Abschwächung im Jahresverlauf
– ungleichmäßige Dynamik
– frühe Impulse, späteres Abflauen
– begrenzte Nachhaltigkeit
Rolle des Sondereffekts
a) Neue statistische Zuordnung
b) Verzerrung des realen Wachstums
c) Besonders wirksam im ersten Halbjahr
– eingeschränkte Vergleichbarkeit
– einmaliger Effekt
– kein struktureller Boom
Konsumklima und Perspektive
a) Umsatz unter Rekordniveau
b) Schwaches Weihnachtsgeschäft
c) Kaufzurückhaltung der Verbraucher
– Unsicherheit bleibt
– Preise belasten Nachfrage
– verhaltener Ausblick
Was ist das Statistische Bundesamt?
Das Statistische Bundesamt ist die zentrale Behörde für amtliche Statistik in Deutschland und erhebt unter anderem Daten zu Wirtschaft, Bevölkerung und Konsum.
Historischer Hintergrund:
Nach dem pandemiebedingten Konsumhoch im Jahr 2021 schwächte sich der Einzelhandel in den Folgejahren deutlich ab. Inflation, steigende Energiepreise und Unsicherheit prägten das Kaufverhalten der Verbraucher.
Prognose:
Für 2026 ist mit einem moderaten Wachstum zu rechnen, sofern sich Inflation und Konsumklima stabilisieren. Ohne reale Einkommenszuwächse dürfte der Einzelhandel jedoch weiterhin unter seinem früheren Rekordniveau bleiben.
Gewinnspiel:
Wie stark stieg der preisbereinigte Einzelhandelsumsatz 2025 laut Statistischem Bundesamt?
A) 1,1 Prozent
B) 2,0 Prozent
C) 2,7 Prozent
D) 3,8 Prozent
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Weihnachten bleibt schwach
Trotz Jahresplus lagen die Dezember-Umsätze weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2021.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.