Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will erneut das Gespräch mit Russland aufnehmen. „Es muss möglich sein, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen“, sagte Macron in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit mehreren europäischen Zeitungen, darunter die Süddeutsche Zeitung. Voraussetzung dafür sei ein „gut organisierter europäischer Ansatz“ – allerdings mit klaren Strukturen und „nicht zu vielen Gesprächspartnern“.
Macron betonte, Europa dürfe zentrale sicherheitspolitische Fragen nicht an andere Akteure delegieren. Mit Blick auf die USA erklärte er, es sei nicht akzeptabel, dass amerikanische Gesandte im Namen Europas über zentrale Zukunftsfragen wie einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine verhandelten. „Das ist eine Frage des Selbstwertgefühls“, sagte der französische Präsident.
In dem Interview sprach Macron zugleich von einem „Grönland-Moment“ für Europa – ausgelöst durch den von US-Präsident Donald Trump geäußerten Anspruch auf die Arktisinsel. Dieser Moment habe den Europäern schmerzhaft vor Augen geführt, dass der Kontinent verwundbar sei. Europa leide an einem Trauma, viele Menschen zweifelten daran, wie weit die USA im Ernstfall wirklich gehen würden.
Nach jeder kurzfristigen Entspannung folge eine „feige Erleichterung“, warnte Macron. Doch die Spannungen seien keineswegs beendet. Neue Drohungen würden in immer kürzeren Abständen folgen. „Jeder muss sich bewusst werden, dass diese Krise einen tiefgreifenden geopolitischen Bruch darstellt“, sagte er. Europa müsse sich entscheiden, ob es Zuschauer bleiben oder endlich selbst zum Akteur werden wolle. „Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt“, warnte Macron. OZD
OZD-Kommentar – Europas Stunde der Wahrheit
Macrons Worte sind unbequem, aber notwendig. Europa steht an einem Scheideweg: Entweder es übernimmt Verantwortung für seine eigene Sicherheit – oder es akzeptiert die Rolle des geopolitischen Statisten. Der Ruf nach Dialog mit Russland ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der Versuch, europäische Interessen wieder selbst zu definieren. Wer außenpolitisch nicht spricht, wird übergangen.
Historischer Hintergrund
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat Europa große Teile seiner Sicherheitsarchitektur an die USA delegiert. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und neue Spannungen mit Washington stellen dieses Modell grundlegend infrage.
Zukunftsprognose
Sollte Europa Macrons Forderung folgen, könnten neue diplomatische Formate entstehen – mit direkter europäischer Führung. Andernfalls droht eine dauerhafte strategische Abhängigkeit von externen Mächten, insbesondere den USA.
OZD-Gewinnspiel
Frage:
Was fordert Emmanuel Macron im Umgang mit Russland?
A) Einen vollständigen Abbruch aller Kontakte
B) Einen rein amerikanisch geführten Dialog
C) Einen eigenständigen europäischen Dialog
D) Neue Wirtschaftssanktionen ohne Gespräche
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Mini-Infobox
– Präsident: Emmanuel Macron
– Thema: Russland-Dialog & Europas Rolle
– Schlüsselbegriff: „Grönland-Moment“
– Kernforderung: Europäische Eigenständigkeit
– Warnung: Geopolitischer Bedeutungsverlust
OZD-Analyse
Macrons Kernbotschaft
a) Dialogfähigkeit bewahren
b) Eigenständige Diplomatie
c) Selbstwert Europas
Kritik an bisherigen Strukturen
a) Abhängigkeit von den USA
b) Zu viele europäische Akteure
c) Fehlende strategische Linie
Konsequenzen bei Untätigkeit
a) Machtverlust
b) Fremdbestimmung
c) Politische Marginalisierung
Erklärung
Was bedeutet „geopolitische Minderjährigkeit“?
Der Begriff beschreibt die Abhängigkeit eines Staates oder Staatenbundes
von fremden Mächten bei sicherheits- und außenpolitischen
Entscheidungen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
Deutlich: Macron spricht so offen wie selten über Europas Angst, Abhängigkeit und drohenden Machtverlust.

