Kurz vor einem Krisentreffen im Weißen Haus zu Grönland hat US-Präsident Donald Trump seine Pläne zur Übernahme der Arktis-Insel bekräftigt. Für den Aufbau des geplanten US-Raketenabwehrschirms „Golden Dome“ sei es von entscheidender Bedeutung, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über Grönland übernehmen, erklärte Trump am Mittwoch. „Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Alles andere sei „inakzeptabel“.
Der „Golden Dome“ soll nach dem Vorbild des israelischen „Iron Dome“ einen umfassenden Schutz vor Raketenangriffen bieten – auch vor Bedrohungen aus dem Weltraum. Grönlands strategische Lage mache die Insel aus Sicht Washingtons zu einem zentralen Baustein dieses Projekts.
Parallel zu Trumps Vorstoß trafen sich am Mittwoch im Weißen Haus Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio. Ziel der Gespräche sei es, „Missverständnisse auszuräumen“, wie Rasmussen erklärte.
Dänemark reagierte zugleich mit klaren sicherheitspolitischen Signalen. Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen kündigte einen Ausbau der militärischen Präsenz auf Grönland sowie verstärkte Nato-Aktivitäten in der Arktis an. Man wolle gemeinsam mit Verbündeten neue Übungen und eine stärkere Präsenz ab 2026 etablieren.
Die dänische und die grönländische Regierung wiesen Trumps Pläne erneut entschieden zurück. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen betonte: „Grönland will nicht Teil der USA sein.“ Auch Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von „inakzeptablem Druck“ durch den engsten Verbündeten.
Unterstützung kam aus Brüssel und Berlin. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte klar, Grönland gehöre seinem Volk. Bundesaußenminister Johann Wadephul plädierte für eine Lösung im Nato-Rahmen. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte vor Alleingängen, die den Zusammenhalt der Allianz gefährden könnten. OZD
OZD-Kommentar – Arktis als Zündschnur der Weltpolitik
Trumps Vorstoß ist mehr als ein geopolitisches Muskelspiel – er ist ein
Angriff auf das Fundament westlicher Bündnisse. Wer territoriale
Souveränität von Nato-Partnern infrage stellt, riskiert eine gefährliche
Erosion der Nachkriegsordnung. Die Arktis wird damit nicht nur zum
strategischen, sondern auch zum moralischen Prüfstein für den Westen.

Lernbox
– Grönland ist autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark
– Die Insel besitzt enorme strategische Bedeutung in der Arktis
– Die USA betreiben bereits Militäranlagen auf Grönland
– Russland und China verstärken ihre Aktivitäten in der Arktis
Historischer Hintergrund
Grönland war bis 1953 eine dänische Kolonie und erhielt später
weitreichende Autonomierechte. Aufgrund seiner Lage zwischen Nordamerika
und Europa spielt die Insel seit dem Kalten Krieg eine zentrale Rolle
in der Militärstrategie der USA und der Nato.

Zukunftsprognose
Die Spannungen um Grönland dürften weiter zunehmen. Wahrscheinlich ist
eine stärkere Militarisierung der Arktis unter Nato-Führung, um
US-Sicherheitsinteressen einzubinden, ohne die Souveränität Dänemarks zu
verletzen. Ein direkter US-Zugriff auf die Insel bleibt politisch
hochriskant – und könnte die Nato vor ihre größte Bewährungsprobe seit
Jahrzehnten stellen.

Quizfrage
Mit welchem Raketenabwehrprojekt begründet Donald Trump den Anspruch auf Grönland?
OZD-Extras
Richtige Antwort: Mit dem Raketenabwehrschirm „Golden Dome“.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.