Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs gedrängt. Der Konflikt solle „so bald wie möglich“ beendet werden, sagte Merz am Dienstag im Oval Office. Der Krieg schade der Wirtschaft, betonte der Kanzler, und verwies auf gestiegene Öl- und Gaspreise.
Merz dankte für die Einladung „in diesen herausfordernden Zeiten“. Deutschland und die USA stünden „auf derselben Seite mit Bezug auf dieses schreckliche Regime im Iran“. Die Bundesregierung hoffe, dass die USA und Israel eine neue iranische Regierung an die Macht brächten, „die wieder für Frieden und Freiheit eintrete“.
Trump zeigte sich zufrieden mit der bisherigen Unterstützung aus Berlin. „Sie lassen uns in gewissen Gebieten landen“, sagte der Präsident mit Blick auf bestehende Verträge zur Nutzung von Luftwaffenbasen in Deutschland. Zugleich stellte er klar, er erwarte keine Entsendung deutscher Bodentruppen. Deutschland sei ein „respektiertes Land“, mit dem ihn eine „sehr gute Beziehung“ verbinde.
Deutlich schärfer äußerte sich Trump hingegen über Spanien und Großbritannien, die er in militärischen Fragen als „sehr unkooperativ“ bezeichnete. Merz ist der erste europäische Regierungschef, der seit Beginn des Iran-Kriegs am Samstag persönlich mit Trump zusammentraf.
Auch wirtschaftspolitische Fragen spielten eine zentrale Rolle. Merz bekräftigte, er wolle über das EU-Handelsabkommen mit den USA sprechen, das er gerne „so schnell wie möglich umgesetzt“ sähe. Trump erklärte, die Handelspartner der USA wollten „alle in ihrem Deal bleiben, und deshalb werden wir das wahrscheinlich ziemlich leicht hinbekommen“. Die Europäische Union erwähnte er dabei nicht ausdrücklich.
Die Bundesregierung hatte vor dem Treffen auf „Klarheit“ in der US-Zollpolitik gedrängt, nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten zentrale Teile von Trumps bisherigen Zollaufschlägen für unzulässig erklärt hatte. Trump reagierte darauf mit einem neuen internationalen Sonderzoll von zehn Prozent, den er nun auf 15 Prozent anheben will.
Zu Beginn des Treffens lobte Trump die engen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Er bezeichnete Merz als „Freund“, den er „in sehr interessanten Zeiten“ treffe. An das rund 40-minütige Gespräch im Oval Office schloss sich ein Mittagessen im Cabinet Room an. Dort sollten auch US-Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent teilnehmen. Merz kündigte an, auch die Lage in der Ukraine zur Sprache bringen zu wollen.
Es war bereits der dritte Besuch des Kanzlers in Washington. Wie schon bei seinem Antrittsbesuch im Juni kam Merz auch diesmal nur gelegentlich selbst ausführlich zu Wort.
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OZD-Kommentar – Balanceakt zwischen Loyalität und Eigeninteresse
Merz setzt auf Nähe zu Trump – doch der Preis könnte hoch sein. Die klare Positionierung gegen Teheran stärkt zwar das transatlantische Bündnis, birgt aber wirtschaftliche Risiken durch steigende Energiepreise und mögliche neue US-Zölle. Sollte sich der Iran-Krieg ausweiten, gerät Deutschland noch stärker zwischen geopolitische Fronten und wirtschaftliche Abhängigkeiten.
Mini-Infobox
– Merz fordert rasches Ende des Iran-Kriegs
– Trump lobt deutsche Unterstützung
– Neuer US-Sonderzoll von zehn Prozent geplant
– Treffen dauerte rund 40 Minuten
OZD-Analyse
Außenpolitische Dimension
a) Deutschland signalisiert klare Unterstützung der USA.
b) Keine deutschen Bodentruppen vorgesehen.
c) Gemeinsame Haltung gegenüber dem iranischen Regime.
Wirtschaftliche Aspekte
a) Krieg treibt Öl- und Gaspreise nach oben.
b) Unsicherheit durch US-Zollpolitik.
c) Sonderzoll könnte auf 15 Prozent steigen.
Strategische Bedeutung
a) Erstes Treffen Trumps mit europäischem Regierungschef seit Kriegsbeginn.
b) Signal an andere EU-Staaten.
c) Enge Abstimmung auch mit Blick auf die Ukraine.
Erklärungen – Was ist der Cabinet Room?
Der Cabinet Room ist der Konferenzraum der US-Regierung im Weißen Haus. Dort treffen sich der Präsident und die Mitglieder seines Kabinetts zu Beratungen. Auch hochrangige ausländische Gäste nehmen dort an Arbeitsessen und Gesprächen teil.
Historischer Hintergrund
Deutschland und die USA sind seit Jahrzehnten enge Partner innerhalb der Nato. In internationalen Konflikten stimmen sich beide Länder regelmäßig ab. Differenzen gab es zuletzt vor allem in Handelsfragen und bei der Ausgestaltung von Sanktionen.
Prognose
Sollte der Iran-Krieg andauern, dürften die Energiepreise weiter steigen und die politische Abstimmung zwischen Washington und Berlin intensiver werden. Zugleich könnten neue US-Zölle zusätzlichen wirtschaftlichen Druck erzeugen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Diplomatie oder Eskalation überwiegt.
Gewinnspiel
Wie hoch ist der neue internationale Sonderzoll, den Trump zunächst erlassen hat?
A) Fünf Prozent
B) Zehn Prozent
C) 15 Prozent
D) 20 Prozent
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OZD-Extra – Dritter Besuch in Washington
Für Friedrich Merz war es bereits das dritte Treffen in der US-Hauptstadt seit seinem Amtsantritt – ein Zeichen für die hohe Bedeutung der transatlantischen Beziehungen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP