Zur Erklärung: Kommissar Toben war zu Mercedes in die Pathologie gekommen um Rat zu suchen und sich eventuell auch ein wenig auszuheulen, wobei er letzteres niemals zugeben würde. Die beiden haben durch gemeinsames Grübeln schon den ein oder anderen Fall in die richtige Richtung lenken können und so erhoffte er sich wohl auch dieses Mal den erfolgreichen Anstoß von Mercedes zu erhaschen. Nachdenklich kratzt diese sich am Hals unter ihrem regenbogenfarbenen Schal, mehr aus Gewohnheit als das es sie wirklich jucken würde. „Hmmm… verzwickte Sache Toben. Wirklich keinerlei Hinweise? Keine Spuren? Was soll man da machen?“ Der Kommissar sieht sie eindringlich an und stellt nun endgültig seine leere Tasse beiseite. Statt dessen fängt er an in Mercedes´ Reich auf und ab zu wandern. Glücklicherweise haben die Pathologin und ihre übernatürlichen Mitbewohner, die Dryade im Gummibaum und die Eisfee in den Kühlzellen, schon heraus gefunden das nur Mercedes sie sehen kann und deswegen merkt es Toben nicht einmal das eine Miniaturausgabe der Dryade auf dem Rand des großen Terrakottatopf des Gummibaums sitzt und ihrem Gespräch aufmerksam folgt. Warum Mercedes sie auf einmal sehen kann, diese Wesen und woher sie auf einmal kommen oder die noch erschreckendere Idee: ob sie schon immer da waren und Mercedes ihre Sichtweise sich verändert hat, hat sie bisher noch nicht heraus gefunden. „Nein Mercedes! Es ist zum Haare raufen! Es ist der Klassiker: Junge verliebt sich in Mädchen, es gibt erste Krisen, Junge ist genervt und fängt an zu trinken, Mädchen verschwindet und Junge ist es natürlich auf keinen Fall gewesen! Aber ich weiß es! Ich weiß das er es war! Ich sehe es dem Bastard an wenn ich ihm gegenüber stehe und ihm in die Augen sehe! Ich weiß einfach das er sie getötet hat und ich will ihn dran kriegen. Aber er hat es geschickt angestellt… Wir haben das ganze Haus der beiden auf den Kopf gestellt, es ist nichts Verdächtiges zu finden. Ihre Sachen sind da, nur eine Reisetasche und ihre Handtasche sind weg, als wollte sie verreisen. Seine Freunde behaupten alle er wäre mit ihnen unterwegs gewesen, also ist sein Alibi zwar nicht das Beste aber immerhin ist es eins. Wir haben den Garten umgegraben, die Umgebung abgesucht… Sie ist einfach weg, verschwunden…
Es bringt mich noch um den Verstand!“ Wütend haut Toben mit dem Tisch auf den Seziertisch, der zum Glück gerade nicht belegt war. Nein, Mercedes kann es eigentlich nicht zulassen das sein eh schon schütteres Haar noch weiter an Volumen verliert. Im Endeffekt bekommt Toben noch eine Glatze… Aber so sehr sie auch nachdenkt, es klingt wirklich nur nach einer Ehefrau die verreist ist und ihren Mann eventuell einfach verlassen hat. Tatsächlich spricht nicht viel für eine Straftat. Allerdings weiß sie auch das Toben ein herausragend guter Polizist ist und man sich auf seinen Spürsinn verlassen kann. Durch die vielen Jahre ist dieser nur geschult worden und dieser alte Polizeihund hat noch lange nicht alle Zähne verloren um sich in jemanden zu verbeißen. Die Pathologin glaubt ihm wenn er sagt er kenne den Mörder, aber nur ein geschulter Spürsinn und eine Ahnung haben vor Gericht keine Substanz, es braucht Fakten und Beweise… Und am besten eine Leiche. Nachdenklich schaut sie sich in ihrem Keller um und starrt eher Löcher in die Luft als etwas genau anzusehen, als ihr das verschmitzte Grinsen ihrer Dryade auffällt. Diese kichert leise vor sich hin, hat eine Augenbraue hochgezogen und beobachtet Toben sehr genau bei dem Versuch Mercedes Rally – Rillen in ihren Kellerboden zu laufen bei seinen ewig gleichen, nachdenklichen Kreisen die er zieht. Sie weiß doch etwas! Verdammtes Biest! Sitzt da und grinst, kommt aber nicht auf die Idee der Pathologin irgendwie verständlich zu machen das sie helfen kann. Miststück! Also versucht Mercedes ihr Bestes Toben fürs Erste hinaus zu komplimentieren. „Hör mal, wenn du mir hier Bahnen rennst kommen wir doch auch nicht weiter. Ich werde über den Fall nachdenken, ich verspreche es dir. Vielleicht redest du noch einmal mit den Nachbarn? Nach einer Weile des Nachdenkens können sie dir vielleicht doch noch erläutern ob die beiden ein glückliches Pärchen waren oder ob es Streit gab? Der eine Nachbar war doch auch am Tag der Befragung nicht zu Hause… Sicher erwischst du ihn jetzt.“ Toben schaut sie einen Moment lang an und dann nickt er, leicht muss er lächeln. „Ja, das klingt gut. Denk mit nach, ich werde sehen was ich herausfinden kann!“ Damit verschwindet er durch die Tür, bleibt aber noch einen Augenblick stehen als er bemerkt wie Mercedes eilig zu ihrem Gummibaum rennt und auf diesen einredet. Okay, das ist seltsam, selbst in ihrem Arbeitsbereich… Was zum Geier macht sie da? Dann sieht Mercedes aber kurz auf und Toben verschwindet endgültig durch die Tür bevor sie ihn sehen kann beim Spitzeln. Sie ist eine gute Freundin und Vertraute und die Arbeitszeiten lang und hart… Wird schon in Ordnung sein, ihr scharfer Verstand hat ihn schon oft auf die zündende Idee gebracht also wird er sie jetzt nicht in Frage stellen… Auch wenn das schon recht kurios ist mit der Büropflanze zu reden die in letzter Zeit auch viel gesünder aussieht… Egal, auf zur Befragung!
Währenddessen steht Mercedes mit in die Hüften gestemmten Armen vor der Pflanze samt übernatürlichem Bewohner. Diese schaut sie unschuldig in ihrer Miniaturversion an und wippt leicht mit ihren über den Topf baumelnden Füßchen, so als wüsste sie von gar nichts. Mercedes glaubt ihr diese Show kein Stück. „Spucks aus! Was weißt du?“ Ein wenig gekränkt und eindeutig gekünstelt schockiert starrt die Dryade sie an. „Ich? Was weiß ich denn von Kriminalfällen? Nein, nein meine Liebe, das ist dein Job. Ich habe keine Ahnung was du meinst.“ Die Doktorin wechselt kurz einen zweifelnden Blick mit der Eisfee die nach Tobens Verschwinden aus ihren Kühlzellen geschwebt kam und diese schüttelt auch energisch ihr Köpfchen. Dann wendet sich Mercedes wieder der Dryade zu. „Hör mal, ich weiß das du gerade auf Tobens Geschichte reagiert hast. Irgend etwas weißt du doch. Was kann ich tun das du mir hilfst?“ Da leuchten die Augen der Miniatur hell auf und sie schaut beiläufig, fast als hätte sie gar kein Interesse an der Konversation, ihre Fingernägel an. „Naja, wissen kann man das nicht nennen… Aber ich könnte meine Hilfe anbieten, nicht umsonst versteht sich…. Im Auffinden verborgener Dinge bin ich gut weißt du? Und eine Ahnung habe ich auch bereits wo sie zu finden ist….“ Mercedes verschlägt es fast den Atem, so ein berechnendes Wesen. Verdammt, eigentlich will sie sich nicht darauf einlassen… Wer weiß was die Dryade verlangt für ihre Hilfe und ehrlich gesagt traut Mercedes ihr nicht wirklich über den Weg, tut sie doch stets nur das was ihr gefällt und zu ihren Konditionen. Sie bringt ja auch mehrere Männer um wegen dem falschen Dünger. Ein schwieriges Geschöpf, ihre Eisfee ist bei weitem einfacher in der Handhabung… Aber Mercedes würde dem Kommissar schon gerne helfen und auch wenn es ein Drahtseilakt ist, vielleicht kann sie ja wirklich die Frau finden? „Okay, was willst du haben? Wenn du mir wirklich hilfreiche Hinweise geben kannst oder zur Lösung des Problems beitragen kannst, sollst du bekommen was du gerne hättest.“ Das Grinsen im Gesicht der Dryade wird immer breiter und fast hat Mercedes Sorge einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein. „Erstmal möchte ich Honig haben, aber nicht diesen billigen Ramsch den du dir manchmal kaufst! Guten Honig, verstanden? Dazu hätte ich gerne Dünger und da genau den mit diesen Inhaltsstoffen…“ sie gibt der Pathologin eine Liste an. “nichts anderes! Nur diese Stoffe! Dafür sollst du die Frau bekommen, ich weiß wo sie ist.“ Nach einem Blick über die Liste und einer kurzen Onlinesuche was ein wirklich guter Honig wert ist sieht Mercedes bald Sterne vor den Augen. Verdammt das sind verdammt lange Zahlen… Das bedeutet wohl erstmal Tütensuppe in Massen für die nächste Zeit. „Gut, bekommst du. Nun sag mir was ich wissen will.“ „Sicher meine Liebe, nimm deine Jacke, dann gehen wir los.“
Das sie heute noch mitten im Wäldchen der Reichensiedlung landen würde, das hätte sie auch nicht gedacht. Es ist eines dieser winzigen 3x3 Bäume Wäldchen durch die man eine kurze Gassirunde mit dem Hund gehen kann aber sich nicht weiter anstrengen muss um einmal durch zu gehen. Mercedes kann sich kaum vorstellen das hier eine Spur sein sollte… Wirklich versteckt ist es hier nicht, zwar durch die Bäume nicht sofort einsehbar aber auch nicht gerade Dschungeldickicht. Die Dryade ist in ihrer winzigen Miniaturform geblieben und gibt von der Brusttasche des Mantels Anweisungen. Auf Mercedes´ Nachfrage hin hat sie nur verlauten lassen, das es halt die energiesparendere Form ist und bequemer. Keine weiteren Nachfragen. An einer leicht mit Gebüschen zugewucherten Stelle soll Mercedes stoppen. „Hier ist es, grab los!“ Ein wenig entgeistert schaut die Pathologin auf ihre Manteltasche hinunter. „Bitte? Graben? Du hast nicht erwähnt das wir graben müssen!“ Die Dryade rollt genervt mit den Augen. „Du hast auch nicht gefragt! Soll ich dir alles vorkauen? Ich sollte dir helfen, nicht deinen Job machen.“ Den Kommentar das ihr Job als Pathologin auch nicht beinhaltet das sie Leichen ausgräbt verkneift sich Mercedes und schaut sich nach etwas um was man eventuell als Schaufel missbrauchen kann. Die Dryade stöhnt auf und schließt die Augen. Kurz darauf kommen einige Kaninchen aus den umliegenden Gebüschen, die Nasen neugierig in die Luft gestreckt. Mercedes will gerade nachfragen was hier vor sich geht, als die Nagetiere bereits anfangen an jener Stelle zu graben. „Bis du etwas gefunden hast sind wir hier festgewachsen.“, kommt die schnippische Antwort aus der Manteltasche. Schneller als die Pathologin auf diesen Kommentar reagieren kann und sich über die Fähigkeiten des Wesens in ihrer Tasche wundern kann, liegt eine weite Kuhle vor ihr offen und eine schwere Metalltonne kommt zum Vorschein. Neugierig schaut Mercedes sie sich genauer an und erkennt schon auf den ersten Blick Rußablagerungen am oberen Rand der Tonne. Eindeutig hat sie gebrannt und der Deckel soll nur drin festhalten was sich darin befindet. Als die Kaninchen weiter graben gerät die Tonne leicht ins Kippen und darunter kommt eine Handtasche zum Vorschein von der Art wie Toben sie ihr beschrieben hatte. Wird wohl Zeit einen Anruf zu tätigen.
Er hat sie verbrannt. In der Tonne zu Asche verbrennen lassen und die letzten Reste ihrer Leiche mitsamt der Asche in dem Wäldchen vergraben. Deckel drauf und die Metalltonne unter die Erde. Nur bedenken die meisten Mörder nicht wie schwer es tatsächlich ist einen menschlichen Körper komplett zu verbrennen. Es bleibt immer etwas übrig. Es war auch tatsächlich ihre Handtasche und ein Reisekoffer wurde ebenfalls unter der Erde gefunden. Es sollte alles so aussehen das sie ihn verlassen hat und einfach verschwinden wollte. War auch ein guter Plan, sehr durchdacht... Doch man fand noch Spuren von dem Brandbeschleuniger in der Tonne und leere Flaschen in seinem Keller mit seinen Fingerabdrücken daraus. Eine Nachbarin hatte an den Abend ihres Verschwindens einen Streit gehört und ihn dabei beobachtet wie er etwas Schweres in sein Auto gewuchtet hatte. Viel Arbeit, viel Kleinarbeit und eine Menge kleine Puzzlestücke aber es fand sich eins zum anderen. Der beste Freund des Ehemannes hatte ein Anwesen in der Reichensiedlung, direkt an dem Wäldchen gelegen und er dachte mit der extrem kurzen Strecke zwischen Haus und Wald würde er weniger auffallen wenn er etwas vergraben geht. Guter Plan an sich… Mercedes erklärte später Toben das sie einfach noch einmal über die Kumpel des Mannes nachgedacht und sich dann einfach auf ihr Gespür verlassen hatte um die Überreste zu finden. Der Wald wäre ihr ins Auge gefallen und dann hätte sie lockere, aufgewühlte Erde gefunden. Wie sollte sie das sonst auch erklären?
Krimi von Cara Viola
Bild: OZD
