Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat das iranische Vorgehen in der Straße von Hormus mit deutlichen Worten kritisiert. Dass Teheran die strategisch wichtige Wasserstraße wegen eines Militärmanövers teilweise sperre, berge „erhebliches Spannungspotenzial“, sagte Pistorius am Dienstag bei einem Besuch des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr in Calw.
Auf die Sicherheitslage in Deutschland habe das iranische Vorgehen nach seiner Einschätzung jedoch „keine Auswirkung“. Gleichwohl wertete der Minister das Manöver als „Versuch, Stärke zu zeigen in einer Situation, wo andernorts verhandelt wird“.
Hintergrund sind die indirekten Gespräche im Atomstreit zwischen dem Iran und den USA, die am Dienstag in Genf in eine zweite Runde gingen. Während diplomatisch um Kompromisse gerungen wird, setzt Teheran zugleich auf militärische Symbolik. Das iranische Staatsfernsehen hatte berichtet, die Straße von Hormus werde während eines Manövers aus Sicherheitsgründen teilweise gesperrt. Die Übungen dienten der Vorbereitung auf „potenzielle Sicherheits- und militärische Bedrohungen“.
Die Straße von Hormus zählt zu den sensibelsten Seewegen der Welt. Rund 20 Prozent der globalen Ölproduktion werden durch die Meerenge transportiert, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Jede Einschränkung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Energiemärkte – und auf die geopolitische Stabilität.
Pistorius sprach mit Blick auf das Manöver von einem „Angriff auf Seefahrtswege“. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass die laufenden Gespräche zwischen Teheran und Washington bald zu einer Lösung führen könnten. Es sei „gut, wenn mit dem Iran verhandelt wird und dort schnellstmöglich zu Ergebnissen gelangt wird“, sagte der Minister.
OZD

OZD-Kommentar – Muskelspiel mit globalem Risiko
Das iranische Manöver ist mehr als eine Routineübung – es ist eine Machtdemonstration im sensibelsten Nadelöhr der Weltwirtschaft. Wer dort sperrt, sendet eine Botschaft. Pistorius hat recht: Das „Spannungspotenzial“ ist erheblich. Während in Genf verhandelt wird, demonstriert Teheran militärische Handlungsfähigkeit. Das ist kein Zufall, sondern Kalkül. Diplomatie und Drohkulisse laufen parallel. Doch dieses Spiel ist gefährlich. Ein Missverständnis, ein Zwischenfall auf See – und aus symbolischer Stärke wird reale Eskalation. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass die Gespräche nicht scheitern.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus war bereits während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er-Jahren Schauplatz bewaffneter Zwischenfälle. Seither gilt sie als einer der neuralgischsten Punkte globaler Sicherheitspolitik.
Zukunftsprognose
Sollten die Atomgespräche stocken, könnte Teheran die Drohkulisse weiter verschärfen. Umgekehrt könnte eine diplomatische Einigung die Spannungen rasch entschärfen und Stabilität in die Energiemärkte bringen.
OZD-Gewinnspiel 2026
Wie viel Prozent der weltweiten Ölproduktion werden über die Straße von Hormus transportiert?
A) 10 Prozent
B) 20 Prozent
C) 30 Prozent
D) 40 Prozent
Jetzt teilnehmen und gewinnen:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox – Straße von Hormus
Rund 20 % des weltweiten Öltransports
Zentrale Verbindung zwischen Persischem Golf und Indischem Ozean
Wiederholt Brennpunkt geopolitischer Spannungen
Entscheidender Faktor für globale Energiepreise
OZD-Analyse
Strategische Signalwirkung
– a) Militärische Stärke-Demonstration
– b) Druckmittel in Atomverhandlungen
– c) Innenpolitisches Signal an die eigene Bevölkerung
Risiken für die Weltwirtschaft
– a) Preisschocks bei Öl
– b) Verunsicherung an den Finanzmärkten
– c) Belastung energieabhängiger Staaten
Diplomatische Perspektive
– a) Indirekte Gespräche in Genf
– b) Rolle internationaler Vermittler
– c) Abhängigkeit der Märkte von Verhandlungsergebnissen

Wer ist Boris Pistorius?
Boris Pistorius ist seit 2023 Bundesverteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. Der SPD-Politiker gilt als Verfechter einer stärkeren militärischen Handlungsfähigkeit Deutschlands und setzt sich für eine Modernisierung der Bundeswehr ein.
OZD-Extras
Schon kleine Störungen in der Straße von Hormus können innerhalb weniger Stunden deutliche Schwankungen an den globalen Rohstoffbörsen auslösen – Händler beobachten jede militärische Bewegung in der Region mit höchster Aufmerksamkeit.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
