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Der Mercedes Krimi Teil 4 : "Vergifteter Zorn" von Cara Viola

Es ist wieder so ein Tag wie viele andere… Neue Leiche, neue Erkenntnisse, neue Tasse Kaffee… Zumindest ist es das für Mercedes.

 Gerade nippt sie vorsichtig an der noch heißen Tasse um wenigstens ein wenig des dunklen Muntermachers in ihr System zu bekommen. Sie ist bereits seit frühestem Morgen an der Arbeit um herauszufinden was dieser armen Leiche zugestoßen sein könnte, da blieb kaum Zeit für ein Frühstück oder ähnliches Nervenfutter, so dass nun Kaffee ihre einzige Chance auf einen wachen Geist ist. Sogar ihre Eisfee ist noch nicht wach, obwohl sie meist die Erste ist die sie morgens mit einem Küsschen auf die Wange in der Pathologie begrüßt.  Ein liebgewonnenes Ritual das Mercedes ungern missen würde auch wenn es nun wahrlich nicht der Norm in ihrem Berufsfeld entspricht. Sie kann sich bislang auch immer noch keinen Reim darauf machen warum sie auf einmal und aus dem Nichts heraus angefangen hat diese Wesen zu sehen. Es ist doch verrückt mitten im Leben zu stehen, morgens aufzuwachen und Übernatürliches zu erkennen wo sie vorher so blind war wie andere auch für jene Erscheinungen. Naja, aber zu der Überlegung kommt sie ein anderes Mal, hat sie ja nun einen neuen Fall vor sich liegen. Gerade nimmt sie sich einen Ganzkörper – Schutzanzug aus ihrem Vorratsschrank als sie das tiefe, enttäuschte Seufzen der Dryade aus der Richtung ihres Gummibaums hört. Ein leichtes Schmunzeln umspielt ihre Lippen, sie schlüpft vollends in ihren Anzug und geht dann hinüber zu ihrem Schreibtisch. Eine Herrin lässt man schließlich nicht warten. „Guten Morgen. So früh schon wach? Ich wollte dich nicht wecken aber es gibt Arbeit, also verzeih bitte.“ Genervt und ein wenig verschlafen sieht die Miniatur ihrer Dryade zu Mercedes auf. Sie sitzt auf dem Topfrand der Pflanze und gähnt ausgiebig lange, streckt ihre Ärmchen in alle Richtungen davon. „Wasser, hopp hopp. Und einen Tropfen Honig bitte.“ Mercedes hat schon vor langer Zeit gelernt das man ihren Befehlston nicht allzu ernst nehmen darf. Die Dryade ist eine Diva durch und durch aber sie hat ein gutes Wesen und die Pathologin würde sie ehrlich gesagt auch ein wenig vermissen wenn es nicht aus dem Topf meckern würde. Also dreht sie sich auch nur lächelnd ab und bereitet ihr ein flaches, sauberes (!) Petrischälchen mit Honig vor und nimmt sich die kleine Gießkanne mit an den Schreibtisch die bis vor der Ankunft der Mini Diva noch kläglich vernachlässigt worden war und nun einen täglichen Einsatz findet. Totes Material ist bei Mercedes wohl wirklich besser aufgehoben als lebendiges, konnte sie bis dato noch nie eine Pflanze am Leben erhalten. Sie gießt ein wenig Wasser auf die Wurzeln des Gummibaums und stellt das Schälchen auf die Erde in den Topf. „Bitte sehr eure Hochwohlgeboren! Es ist angerichtet.“ Dann dreht sie sich um zu ihrem neuen Auftrag, jetzt aber mal angefangen! Von weitem kann sie schon erkennen was mit dieser Leiche nicht stimmt, deswegen ist es heute auch besonders wichtig die nötigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Eindeutig handelt es sich um Nervengift irgendeiner Art, das ist für Mercedes und ihren geschulten Blick ganz klar. Verkrampfte, fötale Position, verdrehte Augen, der ganze Körper ein zusammengezogener Ball aus Muskulatur. Selbst die Zehen und Finger sind so stark verkrampft das Mercedes sie kaum auseinander bekommt für die Untersuchung. In Gedanken vermummt sie ihr Gesicht etwas weiter in ihren regenbogenfarbenen Schal unter ihrer Schutzkleidung hinein, zwar glaubt sie nicht das jenes Gift über die Luft abgegeben wird, das hätte ihre Alarmanlage für Gifte, Säuren und Rauch schon längst gemeldet, doch ist es irgendwie ein Reflex im Angesicht solch grausamer Tode etwas vorsichtiger zu handeln als gewöhnlich. Eine hübsche junge Frau, etwas über 20 Jahre alt in der Blüte des Lebens, mit langem, erdbeerblonden, geflochtenen Haaren liegt also vor ihr. An sich kerngesund, keine Auffälligkeiten organischer oder anderweitig körperlicher Natur. Wo aber kommen diese starken Krämpfe her? Eindeutig liegt eine Vergiftung vor, das weiß Mercedes und deswegen muss als allererstes eine Gewebeprobe genommen werden damit sie bestimmen kann um welche Art von Toxin es sich handelt. Das könnte dann den Weg zum Täter ebnen, ist so doch nicht wirklich viel bekannt. Bei der genaueren äußeren Leichenschau, die zwingend vorgesehen ist bei jeder Obduktion, fällt ihr dann auch ein winziger Einstichkanal am Hals auf. Gründlich untersucht Mercedes jeden Millimeter der Haut der Toten, doch kann sie nur dieses eine kleine Loch finden. Sehr interessant… Sie beugt sich gerade über die Leiche um sich diesen Punkt genauer anzusehen, als hinter ihr krachend die Tür zur Pathologie auffliegt. Mercedes bleibt bald ihr eigenes Herz stehen und wütend dreht sie sich um, nur um in das grinsende Gesicht von Kommissar Toben zu blicken. „Sorry, Frühstück?“ Er hebt seine Arme und in jeder Hand baumelt eine Tüte vom Bäcker in der Nähe. Laut seufzt die Pathologin und lehnt sich wieder über die Tote. „Ja, danke. Leg´s mir auf den Schreibtisch. Ich bin gerade beschäftigt, wo der Kaffee ist weißt du ja.“ Nickend dreh sich Toben zum Schreibtisch und setzt eine der Tüten darauf ab, was Mercedes essenstechnisch bevorzugt weiß er mittlerweile und da sie schon sehr früh hier ist, ist ihm und seinem brillanten Verstand auch klar das sie sicher noch nichts gegessen hat. Mercedes wiederum fällt immer wieder auf das die übernatürlichen Wesen in ihrem Büro sich tatsächlich nur untereinander sehen können oder halt sie selbst. Wie Toben zum Schreibtisch geht, linst die Pathologin kurz über ihre Schulter hinter ihm her und die Dryade sitzt ganz offensichtlich dort auf ihrem Blumentopf ohne auch Anstalten zu machen sich zu verstecken und er bemerkt sie kein Stück, geht sogar direkt auf sie zu. Auch als die Eisfee weit gähnend aus Richtung der Kühlzellen geschwebt kommt und Mercedes ihr „Guten-Morgen-Küsschen“  auf die Wange haucht bekommt der Kommissar nichts davon mit und kommt wieder auf den Seziertisch zu. Sehr faszinierend… „Gibt es denn schon etwas Neues?“ Kurz schreckt Mercedes ein wenig zusammen, war sie doch in ihrer eigenen Gedankenwelt, dann rückt sie sich aber ein wenig zurecht und konzentriert sich wieder auf das Problem vor ihr. „Eindeutig Nervengift irgendeiner Art, Probe ist schon beim Labor, starke Krämpfe, verdrehte Augen… Alles Zeichen eines Toxins. Ich muss mir jetzt noch das Innere ansehen aber bei der äußeren Leichenschau ist mir bereits dieses kleine Loch am Hals aufgefallen. Ich denke das wird ein Einstichkanal sein, sicher die Eintrittswunde des Giftes, die Haut darum ist gereizt und gerötet. Willst du zusehen?“ Toben wird ein wenig blass im Gesicht. „Ne danke, das ist dein Job… Ich sehe genug matschige Wunden und Leichen am Tag. Du kannst dich gerne voll auslassen, Hannibal Lektor, aber ich gehe erstmal wieder an die Arbeit. Wir haben im Revier den Hauptverdächtigen sitzen in dem Fall, war derjenige der die Leiche gefunden hat und du weißt wie es läuft: die sind immer suspekt. Kannst ja mal vorbeikommen, vielleicht fällt dir ja noch etwas auf. Wenn du mit Doktor Bibber spielen fertig bist, versteht sich.“ Mercedes muss lächeln. „Sicher, ich komme mir ihn gleich mal ansehen. Sollte nicht zu lange dauern.“  Damit verschwindet der Kommissar wieder zur Ausgangstür und winkt noch über seine Schulter, während Mercedes bereits das Skalpell ansetzt.

Einen solch erbärmlich aussehenden Verdächtigen hat Mercedes tatsächlich noch nie gesehen, wie den dem sie gerade auf einem unbequemen Stuhl in einem Verhörraum der Polizei gegenüber sitzt. Verheult und in den Sitz zusammen gesunken jammert dieser nur immer wieder „Ich war´s nicht! Das würde ich doch nicht tun! Ich habe sie geliebt!“ Okay, selbst als Pathologin weiß Mercedes durchaus das Lügner wirklich überzeugend sein können und einem das Blaue vom Himmel herunter erzählen können, aber das da vor ihr? Analytisch gesehen ist er in der selben Altersgruppe wie die Tote und er hat sie aufgefunden, wie Toben sagte ist das meist sehr verdächtig. Sie hat auch die Information bekommen das er der Partner der Leiche war, Beziehungstaten sind nicht selten. Aber trotzdem bekommt Mercedes das Gefühl nicht los das hier etwas nicht stimmt… Ein schicker junger Mann, Kleidungsstil viel in der Farbe grün und ein wenig ausgefallen, bisschen in Richtung Punk gehalten, die Haare an beiden Seiten des Schädels rasiert und nur in der Mitte ein langer Zopf stehen gelassen… Piercings an beiden Ohren, mehrere hinter einander und eins an der Lippe kurz vor dem Mundwinkel. Eigenwillig aber nicht ungepflegt… Hunter heißt er und gerade richtet er sich ein wenig im Stuhl auf und sieht Mercedes direkt an durch einen Schleier von Tränen, seine Augen rot unterlaufen. „Ich war es wirklich nicht, das müssen sie mir glauben! Ich habe sie geliebt, wir waren verlobt!“ Er hält seine rechte Hand hoch und tatsächlich glitzert an seinem Ringfinger ein einfacher, silberner Ring in Form einer stilisierten Schlange die sich um seinen Finger windet. Dem forschenden Blick von der geübten Pathologin ist aber tatsächlich noch etwas ganz anderes aufgefallen und so schaltet sie mit einem einfachen Knopf den Torben ihr gezeigt hat kurzzeitig die Überwachung in diesem Raum aus. Alle Kameras und Aufnahmegeräte sollen kurz still stehen. Dann lehnt sie sich weiter nach vorne und der junge Mann sieht sie nur fragend an. „Hunter, mach bitte mal den Mund auf.“ Seine Augen werden groß und Mercedes kann die vielen, vielen Fragen in seinem Blick geradezu lesen. „Bitte, ich möchte deine Zähne sehen.“ Da scheint ihm alles klar zu werden und er sieht sie ungläubig an. „Sie können sie sehen? Wirklich sehen?“ Mercedes nickt und Hunter macht bereitwillig seinen Mund auf. Nun ist für die Pathologin sicher das dieser junge Mann eindeutig nicht der Mörder ist, sitzen doch zwei lange, spitze Reißzähne in seinem Oberkiefer. Spitz wie kleine Dolche und lang wie Nadeln können sie den einzelnen Einstich am Hals nicht verursacht haben. Fragend sieht Hunter sie an und nachdem sie genickt hat schließt er seinen Mund wieder und schaut sie voller Faszination an, ein gewisses Glitzern in seinem Blick. „Sie können sie ehrlich sehen? Das ist so cool! Menschen sehen die doch gar nicht! Ich komme aus dem Schlangenvolk und meine Mama sagte immer das nur Paranorms sich gegenseitig erkennen. Aber Moment? Was haben meine Zähne mit Anne´s Tod zu tun? War es ein Paranorm? Verdammt ich habe sie so geliebt… Sie war zwar ein Mensch aber sie hat mich glücklich gemacht wissen sie? Ich habe ihr sogar meine Form sichtbar gemacht, das auch ein Mensch sie sehen kann… Ich wollte ihr nichts verheimlichen und sie wollte mich trotzdem noch. Wir waren einfach happy… Was ist denn nur passiert?“ Wieder beginnen Tränen über sein Gesicht zu laufen und Mercedes kann nicht anders als ihm vorsichtig über die Hand zu streicheln, welche auf dem Tisch vor ihr zum liegen kam. „Ich kann noch nicht viel sagen Hunter, aber ich weiß das du es nicht gewesen sein kannst. Würdest du mir eine Giftprobe von deinen Fängen geben? Das würde mir wirklich helfen… Und ihr nennt euch Paranorms? Das wusste ich nicht, genauso wie ich noch nicht weiß warum ich euch sehen kann… Aber ja, ich sehe klar und deutlich zwar nur Anzeichen für deine Rasse aber unverkennbar das Unmenschliche.“ Der junge Mann nickt. „Ja Paranorms sind alle Nicht-Menschen die mit Menschen zusammen leben. Gibt da auch einige Regeln zwecks Zusammenleben… Normalerweise bemerken Menschen uns aber gar nicht… Das ist echt krass das es bei dir anders ist… Sicher geb ich dir ein wenig Gift, pass aber auf, das Zeug ist stark!“ Das bringt Mercedes dann doch zum lächeln, macht sich der angebliche Mörder doch gerade Sorgen darüber das sie einen Schaden von seinem Gift davonträgt. Kurze Zeit später und mit ihrer Probe in einem Papier – Kaffeebecher vom Revier hastet sie auch direkt an dem lauernden Toben vorbei aus der Polizeistation heraus. Mehr als ein „Ich sags dir später!“ wird der Kommissar wohl vorerst nicht von seiner Pathologin des Vertrauens bekommen.

Natürlich passt das Gift nicht überein mit der Probe aus Anne ihrem Körper. Hunter ist nicht Schuld. Das erklärte Mercedes auch Toben übers Telefon und auf die Frage woher sie die Probe auf einmal hat versuchte sie es mit der Erklärung das der junge Mann ganz Punk – typisch eine Haustierschlange besitzt und er eine Probe mitgebracht hatte um sie der Polizei vorsorglich zu übergeben, sei dann aber von seinen Gefühlen derart übermannt worden das er sie vergessen hatte bis zu ihrer beiden Gespräch. Mercedes wusste selbst wie dumm diese Ausrede klingt, aber was sollte sie machen? Toben erklären das der Verdächtige eine Schlange ist die sich als Mensch tarnt und sie die Giftprobe direkt von seinen Fangzähnen bekommt die er nicht sehen kann aber Mercedes schon? Die Pause am anderen Ende der Telefonleitung sagte der Pathologin auch das ihr Toben kein Wort glaubte, dafür war er viel zu scharfsinnig, aber glücklicherweise schien er es fürs Erste dabei beruhen zu lassen und nahm die Erklärung hin. Im gleichen Telefonat erläuterte er ihr dann auch gleich das es noch einen Ex – Freund aus Annes Richtung gab und das sie den jetzt vorgeladen haben. Mercedes schnappte sich ihren Mantel und machte sich auf den Weg.

Mann, hatte sich Anne verbessert was es ihre Typen anging. Als Mercedes am selben Tag noch dem Ex – Freund gegenüber sitzt kann sie sich kaum vorstellen das er das gleiche Mädchen gedatet hat wie der adrette junge Mann vorher. Vor ihr sitzt ein düsterer Kerl, eine lange Narbe „ziert“ seine rechte Wange und der 3-Tage-Bart ist auf dem besten Weg zum 7-Tage-Bart zu mutieren. Seine Augen sind völlig gefühllos und seine Haare sind militärisch kurz geschoren bis auf Stoppeln. Er ist laut Akten im selben Alter wie Hunter und Anne, doch seine äußere Erscheinung würde das niemals hergeben, er wirkt um so vieles älter. Der ganze Raum ist erfüllt von seinem Geruch: eine starke Mischung aus kaltem Zigarettenrauch und ungewaschener Kleidung. Nicht sehr angenehm und Mercedes würde am liebsten ihre Nase ganz tief in ihrem Regenbogen – Schal vergraben, reißt sich aber zusammen um Haltung zu bewahren diesem Individuum gegenüber. Auf die Aussage hin das seine Ex – Freundin verstorben sei, hat er bisher nur ein kurzes Achselzucken gegeben und ein undefinierbares Brummeln von sich gelassen. „Sind wir fertig? Ich wars nicht, will eine rauchen.“ Sympathisch durch und durch denkt sich Mercedes und so sehr sie ihn auch beobachtet kann sie keine verräterischen Zeichen für einen Paranorm bei dem Typen erkennen… Hatte er vielleicht eine Spritze benutzt? Nicht alle Mordfälle sind übernatürlich… Aber irgendwie sagt ihr Inneres ihr das hier etwas nicht ganz stimmt, diese innere Stimme die schon häufiger recht hatte und auf die sie vielleicht hören sollte auch wenn sie sich nicht ganz erklären kann. So versucht es die Pathologin mit einem Trick den Toben ihr erklärt hat. Zwar ist sie keine Ermittlerin aber der Kommissar scheint sich ja auf sie zu verlassen, also will sie auch ihr Bestes tun. „Sie heißen Jeff, richtig?“ Ein Brummen und nicken von der anderen Tischseite. „Anne war ihre Ex – Freundin?“ Wieder ein Nicken, der Blick von Jeff wandert im Raum herum, er sieht Mercedes nie direkt an. „War nur ne Frage der Zeit das sie zurück kommt, der Kerl kann doch nix! Sie wäre schon wieder gekommen!“ Mercedes überlegt kurz. „Sind sie da sicher? Sie war verlobt wissen sie? Sah mir nicht so aus als wäre sie unglücklich im Moment…“ Nun dreht Jeff doch den Kopf in ihre Richtung und sein Blick wird noch finsterer als vorher. „Sie wäre zu mir gekommen!!! Was will sie denn mit dem?“ Leise kann Mercedes nun ein Rasseln vernehmen… Sehr seltsam und sicher nicht „normal“ klingt es auch nicht wie eine Klapperschlange, sondern eher wie Haut die an Haut reibt? „Naja also sie müssen schon ehrlich sein, vom Gesamtbild her passt Hunter ganz gut zu ihr, meinen sie nicht?“ Das Rasseln nimmt nun bedrohliche Laustärke an. „Und wenn ich mir so die Konten ansehe hatten sie schon den Loser – Posten denke ich. Der Junge ist fleißig und strebsam im Gegensatz zu ihnen.“ Mercedes macht sich im Hinterkopf auf alles gefasst als sie langsam einen schlanken, schwarzen Schatten hinter Jeff aufsteigen sieht. Aber mit ihren Provokationen erreicht sie genau das was sie will: er zeigt sein wahres Ich. Sie hört auch die Polizisten im Nebenraum über Ohrenstöpsel den Atem anhalten und sie warnen, doch sie hat sich längst innerlich gewappnet. „Mal so ganz ehrlich gesagt als Frau kann ich sie auch verstehen einen stinkenden, borstigen, ungewaschenen, unrasierten und ganz und gar mülligen Kettenraucher gegen einen sauberen, gepflegten jungen Mann einzutauschen.“ Das bringt das Fass zum Überlaufen und der schwarze Schatten hinter Jeff schießt mit einer einzigen, kaum sichtbaren Bewegung nach vorne und auf Mercedes zu. Diese lässt sich seitlich von ihrem Stuhl fallen, bereits gewahr das dies der Knackpunkt in Jeff seiner Psyche sein wird. Jetzt sieht sie auch sein wahres Ich, das er gut verstecken konnte selbst vor ihr: ein Skorpionstachel steckt nun in einem Kalender an der Wand fest verankert. Sie hört bereits die Polizisten in das Zimmer stürmen um Jeff zu verhaften, als sie geistesgegenwärtig den Kalender an sich nimmt. Einige Polizisten ringen den Straftäter zu Boden und Toben kommt als Erstes zu Mercedes um sich nach ihrem Wohlbefinden zu erkunden. „Das war heftig, aber wirklich gut. Du hast mir ja doch zugehört.“ Die Pathologin lächelt. „Sicher, ab und an wenn mir wiiiiirklich langweilig ist kann ich auch mal deinen Ausführungen lauschen. Jetzt geh ich aber das Gift auswerten.“ Sie zwinkert, wedelt kurz mit dem Kalender, bevor sie ihn sorgsam in ihrer Tasche verpackt und ist auch schon wieder auf dem Weg nach draußen. Torben kann nur hinter ihr her schauen.

Selbstverständlich war das Gift ein Treffer. Es handelt sich um das starke Toxin eines Deathstalkers mit leichten Abweichungen auf Grund seiner paranormalen Art. Für die Polizei ist es aber einfach nur das Nervengift eines Deathstalker Skorpions und Anne war wohl bedauerlicherweise allergisch gegen Insektenstiche, sodass es bei ihr zu einem anaphylaktischen Schock kam und ihr Herz aussetzte. Ihr Ex – Freund wusste davon und hat aus Eifersucht das sie ihn ersetzt hat ihr mit Hilfe einer Nadel Insektengift gespritzt. Eine solche Nadel hat er dann auch nach Mercedes im Verhörraum geworfen, die ist dann im Kalender gelandet. Glücklicherweise hat eine Pathologin genug leere Spritzen herumliegen die sie der Polizei als Beweismittel unterschieben kann und auf den Aufnahmen vom Verhör sieht man kaum etwas, die Bewegung des Skorpions ist zu schnell für die Kamera und man sieht nur das Jeff sich bewegt und etwas in Mercedes Richtung fliegt. Case closed. Sie hasst die Tatsache das sie so viel flunkern muss, mag sie den Kommissar doch wirklich gerne leiden. Trotzdem kann sie niemanden erzählen was sie wirklich sieht… Doch einige wissen es, als sie nämlich in ihre Kellerräume zurück kommt wedelt ihre Eisfee aufgeregt mit den Armen und ihre Dryade begrüßt sie nur mit einem „Da ist etwas für dich abgegeben worden.“. Für sie? Was sollte das sein? Und von wem? Sie geht zu ihrem Schreibtisch und ein warmes Lächeln umspielt ihr ganzes Gesicht, vor ihr steht ein Präsentkorb voller feinster Pralinen und Süßkram und obendrauf sitzt eine kleine, regenbogenfarbene Schlange aus Plüsch mit einem Zettel der an ihr lehnt, darauf steht einfach nur „Danke!“ und Mercedes weiß doch, das ihr Tun wertvoll ist.       


Text Cara Viola, Bild OZD