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Symbol des Widerstands: Vor 80 Jahren starb Kardinal von Galen

Den Deutschen galt er als Symbolfigur des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Auch für viele Ausländer war er einer der wenigen guten Deutschen der NS-Zeit.

Mit dem Ehrentitel „Löwe von Münster“ ging Kardinal Clemens August von Galen in die Geschichte ein. Vor 80 Jahren, am 22. März 1946, starb der Bischof von Münster - kurz nach der triumphalen Rückkehr von seiner Kardinalsernennung aus Rom.

Jubel und Tod lagen eng beieinander: Am 21. Februar 1946 hatte ihn Papst Pius XII. wegen seiner Haltung während der NS-Zeit zum Kardinal ernannt. Am 16. März kehrte Galen aus Rom zurück. 50.000 Menschen empfingen ihn in seiner Bischofsstadt. Vor der Trümmerlandschaft der Domruine zitierte der Kardinal das Christus-Wort „... und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“.

Verschleppte Blinddarmentzündung

Sechs Tage später erlag der 68-Jährige einer verschleppten Blinddarmentzündung. „Ein Streiter fürs Recht, ein Ritter zwischen Tod und Teufel, ist gestorben.“ So würdigte ihn damals „Die Zeit“. 2005 wurde er seliggesprochen. Erst kürzlich forderte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, eine baldige Heiligsprechung des Kardinals.

Sein Wahlspruch lautete „Nec laudibus nec timore“ (Weder durch Menschenlob noch Menschenfurcht). Allerdings: Am glänzenden Denkmal haben Historiker einige Kratzer ausgemacht: Kritisiert wird insbesondere seine bisweilen autoritäre, die Demokratie ablehnende Haltung und sein Antibolschewismus, der ihn 1941 trotz seiner Kritik am NS-Regime den Russlandfeldzug begrüßen ließ.

Konservativ-katholische Weltanschauung

Galen wurde 1878 als Sohn des Grafen und Reichstagsabgeordneten des Zentrums, Ferdinand von Galen, und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Reichsgräfin von Spee, auf Burg Dinklage im oldenburgischen Münsterland geboren. Fleiß, Traditionsbewusstsein, Obrigkeitshörigkeit und eine konservativ-katholische Weltanschauung - das waren die Werte, die dem elften von 13 Kindern mit in die Wiege gelegt wurden.

Galens Amtszeit als Bischof fiel beinahe mit der Dauer des Dritten Reiches zusammen. Am 23. Oktober 1933 wurde der 55-Jährige zum Bischof von Münster geweiht. Zuvor war er Pfarrer in Berlin gewesen, aber 1929 vom damaligen Münsteraner Bischof zurück nach Westfalen geholt worden. Dort sollte er als Pfarrer der Münsteraner Stadtkirche Sankt Lamberti den teilweise zur rechtskonservativen DNVP oder sogar zur NSDAP driftenden westfälischen Adel zurückholen.

Anfangs war der national-konservative und den demokratischen Parteien kritisch gegenüberstehene Galen den Nationalsozialisten als Bischof nicht unwillkommen. An seiner Weihe im Dom zu Münster nahmen SA-Formationen mit Hakenkreuzfahnen teil. Für Galen selbst stand die grundsätzliche Rechtmäßigkeit der NS-Regierung außer Zweifel. Doch schon 1934 wandte sich der hochgewachsene Geistliche gegen eine völkisch-rassistische Umdeutung des Christentums und brandmarkte die rassistische und an pseudogermanische Religionsvorstellungen anknüpfende Ideologie des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg.

Staatsfeind und Landesverräter

Spätestens im Sommer 1941 wurde der Bischof in den Augen Hitlers und seines Propagandaministers Joseph Goebbels zum „Staatsfeind“ und „Landesverräter“. In drei Predigten wandte er sich gegen Euthanasie, Nazi-Terror und Willkür. Als einer von wenigen Bischöfen rang er sich zu öffentlichem Protest durch; Abschriften seiner Predigten wurden über Deutschland hinaus und an allen Fronten verbreitet. „Der physischen Übermacht der Gestapo steht jeder deutsche Staatsbürger völlig schutzlos und wehrlos gegenüber“, hieß es darin.

Am 3. August 1941 prangerte von Galen den organisierten Mord an Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen an und trug damit wohl dazu bei, dass die Nazis das sogenannte Euthanasie-Programm zumindest vorübergehend stark einschränkten: „Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den ,unproduktiven‘ Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden.“ Hitler schäumte vor Wut. Doch die Abrechnung glaubte er auf die Zeit nach dem Krieg verschieben zu müssen. Das Rheinland und Westfalen seien für den Krieg abzuschreiben, wenn man aus dem Bischof einen Märtyrer mache.

Galen wurde von Historikern später auch vorgehalten, er habe in erster Linie für die Rechte der Kirche gekämpft und nichts für die bedrohten Juden getan. Ein Vorwurf allerdings, der außer Acht lässt, dass der Bischof auf bereits geplante öffentliche Proteste verzichtete, weil Juden selbst ihn darum baten. Sie fürchteten, dass die Nazis, wie in den Niederlanden geschehen, dann erst recht zuschlagen würden.

(kap - pr)/Vatican News


Bild: Vatican news