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Drohungen aus Washington: Trump stellt Bündnisloyalität infrage

Scharfe Kritik aus Washington: Trump wirft Deutschland mangelnde Unterstützung vor, während Merz vor einer gefährlichen Eskalation im Iran-Krieg warnt.

US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich für dessen zurückhaltende Haltung im Iran-Krieg kritisiert. Bei einem Wirtschaftsforum in Miami sagte Trump: „Friedrich, der deutsche Bundeskanzler, hat gesagt: 'Das ist nicht unser Krieg, wir haben nichts damit zu tun'“. Er zog dabei einen Vergleich zur Ukraine: „Naja, die Ukraine ist nicht unser Krieg, aber wir haben ihnen geholfen.“

Trump weitete seine Kritik auch auf andere europäische Staats- und Regierungschefs aus, darunter Emmanuel Macron und Keir Starmer. Den europäischen Nato-Partnern warf er vor, sich nicht an einem möglichen Militäreinsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu beteiligen. „Sie waren einfach nicht da“, sagte Trump und stellte die Bündnissolidarität offen infrage: „Warum sollten wir für sie da sein, wenn sie nicht für uns da sind?“

Zugleich drohte der US-Präsident indirekt mit Konsequenzen für das Bündnis. Die USA würden jährlich „Hunderte von Milliarden Dollar“ für die Nato ausgeben, um Europa zu schützen. Angesichts des aktuellen Verhaltens der Partner müsse dies jedoch neu bewertet werden. Bereits zuvor hatte Trump die Verbündeten als „Feiglinge“ bezeichnet.

Kanzler Merz reagierte mit deutlicher Kritik an der amerikanischen Strategie. Er sprach von einer „massiven Eskalation“ mit ungewissem Ausgang. „Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle“, sagte er bei einer Veranstaltung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Denn das, was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang.“

Zugleich äußerte Merz Zweifel am militärischen Kurs der USA und Israels. „Ich bin nicht überzeugt, dass zum Erfolg führt, was Israel und die USA gerade machen“, erklärte er. Mit Blick auf die Kritik aus Washington betonte der Kanzler, er habe Trump vor Beginn des Konflikts gesagt: „Wenn Du willst, dass wir helfen, frag uns bitte vorher.“ Dies sei jedoch nicht geschehen.

Deutschland halte grundsätzlich an seiner Bereitschaft fest, sich nach einem Waffenstillstand an einer Absicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu beteiligen. Voraussetzung seien jedoch ein internationales Mandat und ein Beschluss des Bundestages. Derzeit sei man davon „weit entfernt“.

Der Konflikt eskalierte, nachdem die USA und Israel am 28. Februar mit Luftangriffen gegen den Iran begonnen hatten. Teheran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion und blockiert die wichtige Meerenge. Die Folgen sind weltweit spürbar: Die Ölpreise sind deutlich gestiegen und belasten die globale Wirtschaft.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar: Zerreißprobe für die Nato

Der offene Schlagabtausch zwischen Trump und Merz markiert eine gefährliche Zäsur im transatlantischen Verhältnis. Wenn Washington die Bündnistreue offen infrage stellt und gleichzeitig militärisch eskaliert, geraten die Grundpfeiler der Nato ins Wanken. Europa steht vor einem Dilemma: militärisch folgen oder politisch distanzieren. Sollte sich dieser Konflikt weiter zuspitzen, droht nicht nur eine Spaltung des Bündnisses, sondern auch eine unkontrollierbare Ausweitung des Krieges im Nahen Osten.

Mini-Infobox

Trump kritisiert Deutschland und Nato-Partner

Merz spricht von „massiver Eskalation“

Streit um Einsatz in Straße von Hormus

Ölpreise steigen durch Blockade deutlich

OZD-Analyse

Transatlantische Spannungen
a) Offene Kritik der USA an europäischen Partnern
b) Infragestellung der Nato-Solidarität
c) Politischer Druck auf Deutschland und Frankreich

Militärische Eskalation
a) Luftangriffe der USA und Israels auf Iran
b) Gegenangriffe Teherans mit Raketen und Drohnen
c) Blockade strategischer Handelsrouten

Wirtschaftliche Auswirkungen
– steigende Energiepreise weltweit
– Belastung für Industrie und Verbraucher
– Unsicherheit an den Finanzmärkten

Erklärungen / Wissensblock

Wer ist Friedrich Merz?
Merz ist seit 2025 Bundeskanzler Deutschlands und Vorsitzender der CDU. Er vertritt eine außenpolitisch transatlantisch orientierte Linie, betont jedoch die Rolle internationaler Mandate.

Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Ein großer Teil des globalen Öl- und Gastransports verläuft durch diese Meerenge.

Historischer Hintergrund

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran bestehen seit Jahrzehnten. Mit den jüngsten Luftangriffen Ende Februar hat sich der Konflikt erneut massiv verschärft. Gleichzeitig nehmen Differenzen innerhalb der Nato über militärische Einsätze zu.

Prognose

Die Lage dürfte sich weiter zuspitzen. Sollte die Blockade der Straße von Hormus anhalten oder sich militärische Aktionen ausweiten, drohen nicht nur wirtschaftliche Schocks, sondern auch eine direkte Konfrontation größerer Militärbündnisse.

Gewinnspiel

Frage: Welche Meerenge steht im Zentrum des aktuellen Konflikts?

A) Bosporus
B) Straße von Hormus
C) Suezkanal
D) Straße von Gibraltar

Richtige Antwort: B

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

OZD-Extra

Rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports passiert normalerweise die Straße von Hormus – jede Störung hat sofort globale Auswirkungen.

Alle Angaben ohne Gewähr. 

Titelbild: AFP