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Rolle rückwärts beim Heizen? 65-Prozent-Regel überraschend ausgesetzt

Die Regierung verschiebt eine zentrale Vorschrift des Heizungsgesetzes – mit weitreichenden Folgen. Während Eigentümer aufatmen, warnen Umweltverbände vor steigenden Kosten und Rückschritten beim Klimaschutz.

Die geplante Reform des Heizungsgesetzes gerät ins Stocken – und hat unmittelbare Folgen für Millionen Haushalte in Deutschland. Eine zentrale Regelung im weiterhin gültigen Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird vorerst ausgesetzt: Die Pflicht, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, tritt nicht wie geplant am 1. Juli in Kraft, sondern wird bis zum 1. November verschoben.

Wie ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte, soll damit Zeit gewonnen werden, um ein neues Gesetz – das sogenannte Gebäudemodernisierungsgesetz – sorgfältig auszuarbeiten. Dieses soll die bisherige Regelung grundlegend verändern. Der Sprecher betonte: „Genauigkeit vor Schnelligkeit, oder beides muss parallel gehen.“

Hinter den Kulissen zeichnet sich jedoch ein politischer Konflikt ab. Berichten zufolge ringen Union und SPD vor allem um den Schutz von Mietern vor steigenden Nebenkosten. Die bisherige 65-Prozent-Vorgabe hätte de facto den Einbau klassischer Öl- und Gasheizungen stark eingeschränkt. Genau diese Einschränkung soll nun wieder gelockert werden.

Stattdessen plant die Koalition eine sogenannte Grüngasquote: Öl- und Gasheizungen sollen künftig schrittweise mit klimafreundlicheren Brennstoffen wie Biomethan oder synthetischen Energieträgern betrieben werden. Kritiker warnen jedoch, dass diese Lösung teuer werden könnte – insbesondere für Mieterinnen und Mieter.

Umweltverbände reagieren scharf auf die Entscheidung. Barbara Metz von der Deutsche Umwelthilfe erklärte, Mieter seien ohne die 65-Prozent-Regel „schutzlos der Kostenfalle gasbetriebener Heizungen ausgeliefert“. Die aktuelle Energiepreiskrise zeige deutlich, dass es „keinen Weg zurück zu Öl und Gas“ geben dürfe.

Auch Viviane Raddatz vom WWF Deutschland kritisierte die Pläne. Öl- und Gasheizungen dürften „mitten in der fossilen Energiekrise weiter eingebaut werden und der Klimaschutz bleibt erneut auf der Strecke“. Sie forderte, der Bundestag solle dieser Entscheidung nicht zustimmen.

Damit wird das Heizungsgesetz erneut zum politischen Zankapfel – mit offenem Ausgang und spürbaren Folgen für Verbraucher, Vermieter und den Klimaschutz.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Aufschub mit Sprengkraft
Die Verschiebung der 65-Prozent-Regel ist mehr als ein technischer Schritt – sie ist ein politisches Signal. Die Regierung knickt vor Konflikten ein und riskiert dabei Glaubwürdigkeit im Klimaschutz. Während Eigentümer kurzfristig entlastet werden, droht langfristig ein Bumerang: steigende Kosten, mehr Unsicherheit und ein Rückschritt bei der Energiewende. Die entscheidende Frage bleibt: Will Deutschland wirklich den Ausstieg aus fossilen Heizungen – oder wird er immer weiter vertagt?

Historischer Hintergrund
Das Gebäudeenergiegesetz wurde unter der vorherigen Bundesregierung reformiert, um den CO₂-Ausstoß im Gebäudesektor zu senken – einem der größten Emittenten in Deutschland. Die 65-Prozent-Regel sollte den Umstieg auf erneuerbare Energien beschleunigen. Besonders in Städten wie Berlin, München oder Hamburg sowie in dicht besiedelten Regionen Deutschlands spielt die Wärmeversorgung eine zentrale Rolle für die Klimaziele der Europäischen Union.

Zukunftsprognose
Die Verzögerung könnte weitreichende Folgen haben. Kurzfristig dürfte sie Investitionen bremsen, da Eigentümer und Unternehmen auf klare Regeln warten. Langfristig drohen steigende Energiekosten, insbesondere durch die geplante Grüngasquote. Gleichzeitig wächst der Druck aus Brüssel, die Klimaziele einzuhalten. Sollte Deutschland hier ins Hintertreffen geraten, könnten Strafzahlungen oder verschärfte EU-Vorgaben folgen. Der Streit um das Heizungsgesetz dürfte sich weiter zuspitzen.

Gewinnspiel
Welche Regelung wird vorerst ausgesetzt?
A) CO₂-Steuer
B) Mietpreisbremse
C) 65-Prozent-Erneuerbare-Vorgabe
D) Solarpflicht

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Mini-Infobox

Gesetz: Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Verschiebung: bis 1. November

Betroffen: 65-Prozent-Regel für Heizungen

Streitpunkt: Schutz von Mietern

Alternative: Grüngasquote geplant

OZD-Analyse

Politische Blockade
– Uneinigkeit zwischen Koalitionspartnern verzögert Reform

Konfliktfelder
– a) Klimaschutz vs. Kosten
– b) Eigentümer vs. Mieter
– c) Nationale Politik vs. EU-Vorgaben

Folgen
– Unsicherheit am Markt und mögliche Kostensteigerungen

Erklärungen

Was ist das Gebäudeenergiegesetz?
Das Gebäudeenergiegesetz regelt die energetischen Anforderungen an Gebäude in Deutschland. Ziel ist es, Energieverbrauch und CO₂-Emissionen im Gebäudesektor zu senken.

Was ist die Grüngasquote?
Die Grüngasquote verpflichtet Betreiber fossiler Heizungen, einen steigenden Anteil klimafreundlicher Gase wie Biomethan oder synthetische Energieträger zu nutzen.

OZD-Extras
Die Heizungsdebatte gehört zu den emotionalsten Themen der deutschen Energiepolitik – kaum ein anderes Gesetz betrifft so direkt Millionen Haushalte und ihre monatlichen Kosten.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.