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„Keine Wasserstandsmeldungen“: Handball-Bundestrainer blockt Zukunftsfragen rigoros ab (Kommentar)

Deutschlands Handballfans warten auf Klarheit: Alfred Gislason vermeidet vor den Prestigeduellen gegen Dänemark jedes Bekenntnis zu seiner Zukunft.

Die Zukunft von Handball-Bundestrainer Alfred Gislason bleibt weiter ungeklärt – und der Druck rund um die Personalie wächst. Vor den mit Spannung erwarteten Länderspielen gegen Olympiasieger, Welt- und Europameister Dänemark wich der 66-Jährige allen Fragen zu seinem nach der Heim-WM 2027 auslaufenden Vertrag demonstrativ aus.

„Es gibt keine Wasserstandsmeldungen“, sagte Gislason am Donnerstag bei einem Medientermin in Köln. „Ich konzentriere mich in dieser Woche voll auf Dänemark und verweise in dieser Frage an Ingo Meckes.“ Damit machte der Isländer klar, dass die sportliche Vorbereitung derzeit Vorrang habe – auch wenn die Diskussionen um seine Zukunft im Hintergrund immer lauter werden.

Zuletzt hatte Gislason mehrfach betont, dass er sich vorstellen könne, über die Heim-Weltmeisterschaft 2027 hinaus Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft zu bleiben. Doch beim Deutscher Handballbund scheint man sich noch nicht festlegen zu wollen. DHB-Sportvorstand Ingo Meckes hatte bereits im März erklärt, man wolle die Entscheidung „nicht unter Druck“ treffen. Spätestens vor Beginn der Heim-WM müsse allerdings Klarheit herrschen.

Sportlich fällt Gislasons Bilanz durchaus erfolgreich aus. Seit seinem Amtsantritt 2020 führte er das DHB-Team zu Olympia-Silber bei den Spielen in Paris 2024 sowie zu EM-Silber Anfang 2025. Dennoch gibt es innerhalb des deutschen Handballs zunehmend Diskussionen darüber, ob nach dem Heimturnier ein personeller Neustart sinnvoll wäre.

Die kommenden beiden Testspiele gegen Dänische Männer-Handballnationalmannschaft gelten daher auch als wichtiger Stimmungstest. Am Freitag tritt Deutschland in Kopenhagen an, ehe es am Sonntag in Köln zum zweiten Duell kommt. Es ist zugleich das erste Wiedersehen mit dem dänischen Starensemble um Welthandballer Mathias Gidsel seit dem verlorenen EM-Finale Anfang des Jahres.

„Natürlich sind das Testspiele, sogenannte Freundschaftsspiele, aber ich weiß, dass beide Mannschaften Vollgas geben werden“, sagte Gislason. „Es werden sehr interessante Spiele, auch für mich.“ Gerade gegen die dominierende Handballmacht Europas sieht der Bundestrainer eine wichtige Standortbestimmung für seine Mannschaft.

Dass Deutschland seit mehr als zehn Jahren keinen Sieg mehr gegen Dänemark feiern konnte, interessiert Gislason dabei ausdrücklich nicht. „Wir beschäftigen uns überhaupt nicht damit“, erklärte der Coach. Die Erfolgsserie der Dänen sei schlicht Ausdruck ihrer außergewöhnlichen Qualität. „Die Dänen sind ohne Frage das Maß aller Dinge im Welthandball.“

Für das deutsche Team gehe es deshalb vor allem darum, sich weiterzuentwickeln und näher an die Weltspitze heranzurücken. „Dafür gibt es keinen besseren Gegner“, betonte Gislason.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Der DHB spielt auf Zeit

Die Hängepartie um Alfred Gislason offenbart ein Grundproblem im deutschen Handball: Der DHB wirkt trotz sportlicher Fortschritte strategisch unsicher. Während Nationen wie Dänemark ihre Erfolgsmodelle langfristig absichern, zögert Deutschland weiter bei einer zentralen Zukunftsentscheidung.

Gerade vor der Heim-WM 2027 wäre ein klares Signal enorm wichtig. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass der Verband selbst nicht weiß, ob er Kontinuität oder Neustart will. Das ist gefährlich – denn große Turniere werden nicht kurzfristig vorbereitet, sondern über Jahre entwickelt.

Gislason hat Deutschland stabilisiert und international wieder konkurrenzfähig gemacht. Doch Silbermedaillen allein reichen im deutschen Spitzensport selten dauerhaft als Argument. Der Druck auf den DHB wird weiter steigen – besonders dann, wenn die Spiele gegen Dänemark erneut deutliche Grenzen aufzeigen sollten.

Persönlicher Kommentar des Sport-Redakteurs: Gislasons stille Enttäuschung

Wie enttäuscht muss Alfred Gislason eigentlich inzwischen sein? Der Mann hat den deutschen Handball aus sportlich schwierigen Jahren zurück in die internationale Spitze geführt, Olympia-Silber gewonnen, Deutschland wieder Stabilität und Respekt verschafft – und trotzdem diskutiert der Deutscher Handballbund weiter öffentlich über seine Zukunft, als sei all das selbstverständlich gewesen.

Gerade darin liegt die eigentliche Brisanz. Während andere Nationen ihre Erfolgstrainer langfristig absichern, sendet der DHB seit Monaten vor allem Unklarheit aus. Keine Rückendeckung, keine klare Perspektive, keine erkennbare Wertschätzung auf höchster Ebene. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass man sich alle Optionen offenhalten will – auf Kosten eines Trainers, der Deutschland sportlich wieder konkurrenzfähig gemacht hat.

Und trotzdem bleibt Gislason loyal. Keine öffentlichen Beschwerden, keine Spitzen gegen Funktionäre, keine beleidigten Interviews. Stattdessen konzentriert er sich weiter auf die Mannschaft, analysiert Gegner, entwickelt junge Spieler und versucht, Deutschland näher an Dänemark heranzuführen – jene Mannschaft, die aktuell den Welthandball dominiert.

Sein Satz „Es gibt keine Wasserstandsmeldungen“ klingt deshalb fast wie eine Mischung aus Professionalität und Resignation. Gislason weiß vermutlich längst, dass seine Zukunft nicht allein von sportlichen Leistungen abhängt, sondern auch von politischen Stimmungen im Verband. Genau das macht die Situation so unerquicklich.

Der DHB sollte sich sehr genau überlegen, welches Signal er sendet. Wer einen Trainer dieser Qualität monatelang hinhält, riskiert mehr als nur Unruhe. Er riskiert Glaubwürdigkeit. Denn Loyalität ist im Spitzensport selten geworden. Alfred Gislason lebt sie noch. Die Frage ist nur, ob der Verband das überhaupt noch erkennt.


Historischer Hintergrund

Deutschland gehört traditionell zu den großen Handballnationen Europas. Nach WM-Titeln 1978 und 2007 sowie dem EM-Triumph 2004 erlebte der deutsche Handball jedoch mehrere sportlich schwierige Jahre. Erst mit der Verpflichtung von Alfred Gislason im Jahr 2020 begann eine sportliche Stabilisierung.

Der Isländer hatte zuvor beim deutschen Spitzenklub THW Kiel eine Ära geprägt und zahlreiche Titel gewonnen. Besonders Dänemark entwickelte sich parallel zum dominierenden Team im Welthandball. Mit Stars wie Mathias Gidsel gewann das Team mehrfach Welt- und Europameisterschaften sowie Olympia-Gold.

Die Heim-WM 2027 in Deutschland gilt daher als entscheidendes Projekt für die Zukunft des deutschen Handballs.

Zukunftsprognose

Die kommenden Monate dürften entscheidend für die Zukunft von Alfred Gislason werden. Sollte Deutschland gegen Dänemark konkurrenzfähig auftreten und bei weiteren Turnieren stabile Leistungen zeigen, spricht vieles für eine Vertragsverlängerung bis nach 2027.

Bleiben allerdings deutliche Leistungsunterschiede zur absoluten Weltspitze bestehen, könnte der DHB einen personellen Umbruch forcieren. Die Heim-WM wird sportlich, wirtschaftlich und emotional enorme Bedeutung haben. Ein frühes Scheitern würde massive Diskussionen auslösen.

International dürfte Dänemark seine Vormachtstellung im Welthandball zunächst behalten. Deutschland versucht dagegen weiterhin, den Abstand zur Spitze Schritt für Schritt zu verkleinern.

Gewinnspiel

Wer gilt aktuell als dominierende Nation im Welthandball?

A) Frankreich
B) Spanien
C) Dänemark 
D) Kroatien

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox

Alfred Gislason ist seit 2020 DHB-Bundestrainer

Deutschland gewann Olympia-Silber 2024

Heim-WM findet 2027 statt

Dänemark ist aktueller Welt- und Europameister

Deutschlands letzter Sieg gegen Dänemark liegt über zehn Jahre zurück

OZD-Analyse

Zukunft von Gislason
– Der DHB vermeidet bislang eine klare Entscheidung über die Zeit nach 2027.

Deutschlands sportliche Entwicklung
– a) Stabilisierung unter Gislason
– b) Internationale Konkurrenzfähigkeit verbessert
– c) Abstand zu Dänemark bleibt groß

Bedeutung der Dänemark-Spiele
– Die Duelle dienen als wichtiger Gradmesser vor der Heim-WM und könnten Einfluss auf Personalentscheidungen haben.

Erklärungen

Wer ist Alfred Gislason?
Alfred Gislason ist ein ehemaliger isländischer Handballspieler und heutiger Trainer. International bekannt wurde er vor allem durch seine erfolgreiche Zeit beim THW Kiel, mit dem er zahlreiche nationale und internationale Titel gewann. Seit 2020 trainiert er die deutsche Handball-Nationalmannschaft.

Was ist der Deutsche Handballbund (DHB)?
Der Deutsche Handballbund ist der Dachverband des Handballsports in Deutschland. Er organisiert die Nationalmannschaften, den Spielbetrieb und internationale Wettbewerbe. Mitgliederstärkster Handballverband der Welt ist der DHB ebenfalls.

OZD-Extras

Interessant: Trotz der sportlichen Dominanz Dänemarks trainierte mit Alfred Gislason ausgerechnet ein Isländer über Jahre den größten dänischen Rivalen THW Kiel – und prägte damit indirekt auch die Entwicklung des modernen europäischen Spitzenhandballs.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.