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„Trump gewinnt wieder“ – Kultmoderator Stephen Colbert muss US-TV-Bühne räumen

Die Absetzung von Stephen Colberts „Late Show“ sorgt in den USA für heftige Kritik – viele wittern politischen Druck aus dem Trump-Lager.

Mit dem letzten Auftritt von Stephen Colbert endet am Donnerstagabend eine Ära des amerikanischen Fernsehens – und für viele Beobachter zugleich ein Stück politischer Satirefreiheit in den USA. Der 62-jährige Moderator verabschiedet sich nach elf Jahren von der legendären „Late Show“ beim Sender CBS. Offiziell begründet der Sender das Ende der traditionsreichen Sendung mit sinkenden Einschaltquoten und hohen finanziellen Verlusten. Doch Kritiker glauben an eine andere Ursache: Donald Trump.

Colbert galt über Jahre als einer der schärfsten und einflussreichsten Kritiker des US-Präsidenten. Kaum ein Moderator attackierte Trump so regelmäßig, pointiert und öffentlichkeitswirksam wie der Satiriker aus Washingtons Medienlandschaft. Besonders während der Wahlkämpfe und der erneuten Präsidentschaft Trumps entwickelte sich die „Late Show“ zu einer täglichen Bühne gegen die Republikaner im Weißen Haus.

CBS weist politische Motive entschieden zurück. Der Sender erklärte, wirtschaftliche Gründe hätten zur Entscheidung geführt. Die Sendung habe jährlich Verluste von mindestens 40 Millionen Dollar verursacht. Dennoch glauben viele Medienexperten in New York, Los Angeles und Washington nicht an einen rein finanziellen Hintergrund.

Trump selbst reagierte triumphierend auf das Aus seines langjährigen TV-Gegners. Es sei „absolut fantastisch, dass Colbert rausgeworfen wird“, erklärte der US-Präsident. Seine Anhänger feiern das Ende der Sendung in sozialen Netzwerken als symbolischen Sieg gegen liberale Medien und politische Satire.

Unter Fans und Demokraten löst die Entscheidung hingegen Empörung aus. Zahlreiche Zuschauer werfen CBS vor, vor politischem Druck eingeknickt zu sein. In sozialen Netzwerken kursieren inzwischen sogar Forderungen, Colbert solle selbst für das Präsidentenamt kandidieren.

Die „Late Show“ war fast 33 Jahre lang eine Institution des amerikanischen Fernsehens. Colbert hatte die Sendung 2015 übernommen und führte sie durch eine der politisch aufgeheiztesten Phasen der jüngeren US-Geschichte. Internationale Stars, Politiker und Kulturschaffende waren regelmäßig zu Gast. Besonders seine bissigen Monologe gegen Trump machten ihn weltweit bekannt.

Mit dem Ende der Sendung verliert die amerikanische TV-Landschaft eine ihrer letzten großen politischen Late-Night-Bühnen. Für viele Kritiker ist das ein alarmierendes Signal über den Zustand von Medienfreiheit und politischem Druck in den Vereinigten Staaten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Amerikas Satire kapituliert vor der Macht

Die Absetzung von Stephen Colbert wirkt wie ein weiterer Beweis dafür, wie stark Donald Trump inzwischen das politische und mediale Klima der USA dominiert. Natürlich kann CBS wirtschaftliche Argumente vorbringen. Doch der Zeitpunkt, die politische Brisanz und Trumps öffentliche Schadenfreude sprechen eine andere Sprache.

Die USA erleben seit Jahren eine gefährliche Verschiebung: Medienhäuser, Unternehmen und Institutionen wägen immer stärker ab, wie weit Kritik an Trump noch wirtschaftlich oder politisch tragbar ist. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Satire war in Amerika jahrzehntelang ein Korrektiv der Macht. Von Jon Stewart bis David Letterman gehörte politische Kritik zur demokratischen Kultur des Landes. Wenn große Sender nun beginnen, kontroverse Stimmen verschwinden zu lassen, entsteht ein Klima der Einschüchterung.

Besonders bemerkenswert ist, wie offen Trump seine Freude über Colberts Aus zeigt. Der Präsident demonstriert damit erneut, wie sehr er politische Gegner öffentlich demütigen will. Für liberale Medien in New York, Kalifornien und Washington ist das ein Warnsignal. Für viele konservative Wähler dagegen ein Triumph.

Die größere Frage lautet inzwischen: Wie frei sind kritische Medien in den USA noch, wenn wirtschaftlicher Druck und politische Macht immer stärker ineinandergreifen?

Historischer Hintergrund

Die amerikanische Late-Night-Kultur entwickelte sich seit den 1950er Jahren zu einem wichtigen Bestandteil politischer Meinungsbildung. Moderatoren wie Johnny Carson, David Letterman oder Jon Stewart beeinflussten Generationen von Zuschauern.

Nach Donald Trumps erstem Wahlsieg 2016 verschärfte sich die politische Polarisierung in den USA massiv. Late-Night-Moderatoren positionierten sich zunehmend offen gegen Trump. Besonders Stephen Colbert wurde dabei zu einer zentralen Stimme liberaler Kritik.

Trump wiederum griff regelmäßig Journalisten, Fernsehsender und Satiriker öffentlich an. Seine Konflikte mit CNN, NBC, CBS und anderen Medienhäusern gelten als beispiellos in der modernen US-Geschichte.

Zukunftsprognose

Das Ende der „Late Show“ könnte die amerikanische Medienlandschaft nachhaltig verändern. Experten erwarten, dass große Networks künftig vorsichtiger mit offen politischen Formaten umgehen werden – insbesondere mit Blick auf den Einfluss konservativer Zuschauergruppen und Werbekunden.

Gleichzeitig dürfte der politische Kulturkampf in den USA weiter eskalieren. Streamingplattformen und digitale Medien könnten klassische TV-Formate zunehmend verdrängen. Kritische Satire wandert womöglich stärker ins Internet ab.

International beobachten europäische Medienhäuser die Entwicklung mit Sorge. Denn die USA galten lange als Symbol für Pressefreiheit und politische Satire. Wenn dort kritische Stimmen unter Druck geraten, hat das globale Signalwirkung.

Gewinnspiel

Frage: Wie lange existierte die „Late Show“ insgesamt im US-Fernsehen?

A) 12 Jahre
B) 21 Jahre
C) 33 Jahre 
D) 45 Jahre

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox

Stephen Colbert moderierte die Show seit 2015

CBS nennt hohe Verluste als Grund

Trump feierte die Absetzung öffentlich

Die „Late Show“ lief fast 33 Jahre

Colbert zählt zu Trumps schärfsten Kritikern

OZD-Analyse

Politische Polarisierung in den USA
– Medien und Unterhaltung werden zunehmend Teil des parteipolitischen Kulturkampfs.

Wirtschaftlicher Druck auf Medienhäuser
– a) Sinkende TV-Quoten
– b) Konkurrenz durch Streamingdienste
– c) Politischer Druck durch Werbekunden und Publikum

Folgen für die Medienfreiheit
– Kritische Formate könnten künftig stärker eingeschränkt oder wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden.

Erklärungen

Wer ist Stephen Colbert?

Stephen Colbert ist ein US-amerikanischer Satiriker, Moderator und Schauspieler. Weltweit bekannt wurde er durch politische Comedy-Formate und seine scharfe Kritik an Donald Trump.

Was ist die „Late Show“?

Die „Late Show“ ist eine traditionsreiche US-Talkshow im Abendprogramm von CBS. Sie zählt zu den bekanntesten Late-Night-Formaten Amerikas und wurde über Jahrzehnte von prominenten Moderatoren geprägt.

OZD-Extras

Während seiner Karriere interviewte Colbert zahlreiche Weltstars – darunter Barack Obama, Joe Biden, George Clooney, Taylor Swift und Elon Musk.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.