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Politisches Erdbeben in London: Starmer tritt zurück – Burnham greift nach der Macht

Keir Starmer gibt nach massivem Druck auf. Mit Andy Burnham steht bereits ein neuer Hoffnungsträger für Großbritannien bereit.

Nach monatelangen Spekulationen und wachsendem Druck aus den eigenen Reihen hat der britische Premierminister Keir Starmer seinen Rücktritt angekündigt. In einer emotionalen Erklärung vor dem Regierungssitz in London erklärte der Labour-Politiker am Montag, dass er den Vorsitz seiner Partei niederlege und nur noch bis zur Wahl eines Nachfolgers als Regierungschef im Amt bleiben werde.

Der Schritt markiert das Ende einer turbulenten Amtszeit, die von politischen Krisen, sinkenden Umfragewerten und zunehmender Kritik innerhalb der eigenen Partei geprägt war. Starmer erklärte, die Nachfolgeregelung solle abgeschlossen sein, bevor das britische Parlament Anfang September aus der Sommerpause zurückkehrt. Das Verfahren zur Wahl eines neuen Parteivorsitzenden beginne bereits im Juli.

"Ich werde mein Amt als Premierminister behalten, bis der Wettbewerb abgeschlossen ist, und alles tun, um eine geordnete Machtübergabe zu gewährleisten", sagte Starmer.

Sichtlich bewegt blickte der scheidende Regierungschef auf seine politische Laufbahn zurück. "Jede Entscheidung, die ich getroffen habe, diente allein dem Ziel, das Land, das ich liebe, an erste Stelle zu setzen." Premierminister zu werden, sei "der stolzeste Moment" seines Lebens gewesen.

Zugleich verteidigte er seine Bilanz. Als er die Labour-Partei übernommen habe, sei diese "politisch, finanziell und moralisch bankrott" gewesen. Besonders stolz zeigte er sich darauf, "das Gift des Antisemitismus herausgerissen" zu haben. Außerdem sei "das Vertrauen in die Wirtschaft, die Verteidigung und die nationale Sicherheit" wiederhergestellt worden.

Doch die Realität entwickelte sich für den 63-Jährigen zunehmend schwierig. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Juli 2024 sorgten Pläne zur Kürzung von Heizkostenzuschüssen für ältere Menschen für heftige Proteste. Starmer musste zurückrudern. Weitere politische Belastungen folgten. Im September 2025 trat seine Stellvertreterin Angela Rayner zurück. Im selben Monat geriet die Regierung wegen der Ernennung des später wieder abberufenen Botschafters Peter Mandelson unter Druck.

Den entscheidenden Schlag erlitt Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai. Die rechtspopulistische Reform UK unter Nigel Farage erzielte deutliche Zugewinne und erschütterte die Regierungspartei. Seither wurden die Rücktrittsforderungen gegen Starmer immer lauter.

Als unmittelbarer Auslöser seines Rückzugs gilt die überraschend klare Nachwahl in Makerfield in Nordengland. Dort setzte sich Andy Burnham deutlich gegen den Kandidaten von Reform UK durch und demonstrierte damit seine politische Stärke.

Nur wenige Minuten nach Starmers Rücktritt erklärte Burnham seine Kandidatur für den Labour-Vorsitz und damit indirekt auch für das Amt des Premierministers. "Ich werde mich in diesem Prozess zur Verfügung stellen", schrieb er auf X. Gleichzeitig forderte er einen "geordneten und verantwortungsvollen" Übergang.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt Burnham durch den früheren Gesundheitsminister Wes Streeting, der seine eigenen Ambitionen aufgab und sich hinter Burnham stellte. Beobachter halten es inzwischen für möglich, dass Burnham ohne größere Gegenkandidaten Parteichef und Regierungschef wird.

Währenddessen nutzte Nigel Farage die Situation für neue Angriffe auf die Regierung. Der Chef von Reform UK verlangte umgehend Neuwahlen. "Wir sind bereit, radikale Veränderungen herbeizuführen", erklärte Farage. Seine Partei führt seit Monaten mehrere landesweite Umfragen an.

Auch international wurde Starmers Rückzug aufmerksam verfolgt. Aus Berlin kamen lobende Worte. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, Deutschland habe in Starmer stets einen verlässlichen Partner gehabt, insbesondere bei außenpolitischen Fragen und der Unterstützung der Ukraine. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte den scheidenden Premier als "Staatsmann". "Die Sicherheit Europas und der Ukraine ist dank Dir gestärkt", erklärte sie.

Zum Abschied wurde Starmer persönlich. Mit stockender Stimme erklärte er, dass er sich künftig seiner Familie widmen wolle. Nach seiner Zeit als Regierungschef wolle er sich nun der "wichtigsten Aufgabe" seines Lebens widmen und der beste Ehemann und Vater für seine Familie sein.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Der Fall eines Hoffnungsträgers

Keir Starmer sollte Labour zurück an die Macht führen und Großbritannien nach Jahren politischer Turbulenzen stabilisieren. Stattdessen endet seine Amtszeit mit einem politischen Scherbenhaufen. Die Serie von Fehlentscheidungen, Rückziehern und Personalproblemen hat seine Autorität Stück für Stück zerstört.

Der eigentliche Gewinner heißt Andy Burnham. Er verkörpert für viele Labour-Anhänger einen Neuanfang und könnte die Partei vor einer historischen Niederlage gegen Reform UK bewahren. Die größte Gefahr für Labour kommt inzwischen nicht mehr von den Konservativen, sondern von Nigel Farage. Sollte Burnham die Wende nicht schaffen, droht Großbritannien eine politische Revolution von rechts.

Historischer Hintergrund

Die Labour-Partei zählt neben den Konservativen zu den beiden großen politischen Kräften Großbritanniens. Nach Jahren in der Opposition gewann Labour unter Keir Starmer die Parlamentswahl 2024 und übernahm die Regierung in London.

Großbritannien befindet sich seit dem Brexit in einer Phase tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen. Themen wie Inflation, Migration, Gesundheitsversorgung, Wohnungsnot und Wirtschaftswachstum prägen die politische Debatte. Gleichzeitig hat die rechtspopulistische Reform UK unter Nigel Farage erheblich an Einfluss gewonnen.

Zukunftsprognose

Mit Andy Burnham könnte Labour einen deutlich populäreren Parteichef erhalten. Kurzfristig dürfte dies die Partei stabilisieren und die internen Machtkämpfe beenden.

Langfristig bleibt die Herausforderung enorm. Reform UK baut ihre Position in vielen Regionen Englands weiter aus. Sollte Burnham die wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht lösen und verlorene Wähler zurückholen, könnten die nächsten Parlamentswahlen zu einem historischen Machtwechsel führen.

Auch für Europa bleibt die Entwicklung relevant. Großbritannien ist ein wichtiger Partner bei Sicherheitsfragen, der Unterstützung der Ukraine und der Zusammenarbeit innerhalb der NATO.

Gewinnspiel

Frage: Wer gilt als Favorit für die Nachfolge von Keir Starmer?

A) Nigel Farage

B) Boris Johnson

C) Andy Burnham

D) David Cameron

Zum Gewinnspiel:

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Mini-Infobox

Keir Starmer tritt als Labour-Chef zurück

Andy Burnham kandidiert für die Nachfolge

Burnham gewann zuletzt die Nachwahl in Makerfield

Reform UK liegt in mehreren Umfragen vorne

Neuer Labour-Chef soll bis September feststehen

OZD-Analyse

Politischer Wendepunkt in Großbritannien

– Der Rücktritt Starmers beendet eine zunehmend instabile Regierungsphase.

Aufstieg Andy Burnhams

– a) Hohe Popularität in der Bevölkerung

– b) Unterstützung wichtiger Parteiflügel

– c) Wahlerfolg gegen Reform UK

Folgen für das Land

– Labour steht vor einem Neuanfang, während Reform UK weiter Druck auf das politische Establishment ausübt.

Erklärungen

Wer ist Andy Burnham?

Andy Burnham ist Bürgermeister von Manchester und gehört zum gemäßigt-linken Flügel der Labour-Partei. Der frühere Gesundheitsminister gilt als einer der beliebtesten Politiker Großbritanniens und als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Keir Starmer.

Was ist Reform UK?

Reform UK ist eine rechtspopulistische Partei unter Führung von Nigel Farage. Sie profitiert von der Unzufriedenheit vieler Wähler mit den etablierten Parteien und gewinnt seit Monaten in Umfragen deutlich an Zustimmung.

OZD-Extras

Andy Burnham kandidierte bereits mehrfach für den Labour-Vorsitz. Nach Jahren als Regionalpolitiker könnte ihn nun ausgerechnet eine Nachwahl in Nordengland bis an die Spitze der britischen Regierung führen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.