Die steigenden Preise für Kraftstoffe und Flugreisen können die Reiselust der Menschen in Deutschland offenbar kaum bremsen. Laut dem erstmals veröffentlichten Urlaubsplanungsindex des Deutscher Tourismusverband und des Deutsches Institut für Tourismusforschung halten die meisten Verbraucher trotz der höheren Kosten an ihren Sommerurlaubsplänen fest.
Demnach gaben 87 Prozent der Befragten an, dass die gestiegenen Sprit- und Kerosinpreise keinen Einfluss auf ihre kurzfristige Reiseplanung hätten. Lediglich zwei Prozent erklärten, ihren Urlaub vollständig absagen zu wollen.
Wer seine Pläne anpasst, verändert meist nur einzelne Details. Dazu gehören etwa das Reiseziel, die Dauer des Aufenthalts oder die Art der Anreise. Die grundsätzliche Entscheidung für eine Urlaubsreise bleibt jedoch bei den meisten bestehen.
Der Direktor des Deutschen Instituts für Tourismusforschung, Bernd Eisenstein, sieht darin ein klares Signal. Die Ergebnisse verdeutlichten "die hohe Konsumpriorität, die sommerliche Urlaubsreisen bei den Deutschen genießen", erklärte er.
Insgesamt planen laut der Untersuchung 62 Prozent der Menschen in Deutschland in den kommenden drei Monaten mindestens eine Urlaubsreise. Dabei bleibt das eigene Land besonders gefragt: 42 Prozent der Reisewilligen wollen ihren Urlaub innerhalb Deutschlands verbringen. Weitere 40 Prozent planen Ferien im Ausland.
Auch für die deutsche Tourismusbranche sind die Zahlen ein positives Signal. Reinhard Meyer betonte, dass touristische Regionen weiterhin auf eine starke Nachfrage bauen könnten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei dies wichtig für Städte, Gemeinden und Unternehmen.
Gleichzeitig warnte Meyer vor Nachlässigkeit bei Investitionen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauche Deutschland moderne Infrastruktur, leistungsfähige Mobilitätsangebote und attraktive touristische Einrichtungen. Die Zukunft des Deutschlandtourismus hänge entscheidend von den Rahmenbedingungen ab, die Bund, Länder und Kommunen schaffen.
Für den neuen Urlaubsplanungsindex wurden Ende Mai 1000 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren befragt. Die Erhebung gilt als repräsentativ und soll künftig vierteljährlich die kurzfristigen Reiseabsichten der Bevölkerung abbilden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Urlaub bleibt für viele wichtiger als Sparen
Die Umfrage zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert Urlaub inzwischen besitzt. Während bei vielen Konsumausgaben gespart wird, bleibt die Ferienreise für zahlreiche Menschen nahezu unantastbar. Das verdeutlicht nicht nur die Bedeutung von Erholung, sondern auch den Wunsch nach Normalität in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Die Prognose: Selbst bei weiter steigenden Preisen werden viele Deutsche eher bei Luxusgütern sparen als auf ihre Urlaubsreise zu verzichten.
Historischer Hintergrund
Deutschland zählt seit Jahrzehnten zu den reisefreudigsten Nationen Europas. Trotz Wirtschaftskrisen, Pandemie und Inflation blieb die Nachfrage nach Urlaubsreisen vergleichsweise stabil. Besonders Inlandsreisen gewannen seit der Corona-Pandemie an Bedeutung. Regionen an Nord- und Ostsee, in Bayern oder im Schwarzwald profitierten zuletzt von dieser Entwicklung.
Zukunftsprognose
Die aktuelle Umfrage deutet auf eine weiterhin robuste Nachfrage im Tourismussektor hin. Sollte die wirtschaftliche Lage stabil bleiben, könnten sowohl der Inlandstourismus als auch Auslandsreisen in den kommenden Monaten weiter zulegen. Gleichzeitig werden steigende Energiepreise den Druck erhöhen, kostengünstigere und nachhaltigere Reiseformen anzubieten.
Gewinnspiel
Frage: Wie viele Prozent der Befragten gaben an, ihre Reise wegen der hohen Treibstoffpreise komplett stornieren zu wollen?
A) 2 Prozent
B) 5 Prozent
C) 10 Prozent
D) 15 Prozent
Zum Gewinnspiel:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox
87 Prozent ändern ihre Urlaubspläne nicht.
Nur 2 Prozent wollen ihre Reise absagen.
62 Prozent planen in den nächsten drei Monaten Urlaub.
42 Prozent bevorzugen Reisen innerhalb Deutschlands.
Die Umfrage basiert auf 1000 Befragten.
OZD-Analyse
1. Hohe Bedeutung des Urlaubs
– Reisen bleibt für viele Menschen ein zentrales Konsumziel.
2. Auswirkungen steigender Preise
– a) Anpassung von Reiseziel und Reisedauer.
– b) Kaum komplette Stornierungen.
– c) Hohe Zahlungsbereitschaft trotz Belastungen.
3. Chancen für den Tourismus
– Starke Nachfrage im Inland.
– Positive Perspektiven für Hotels und Regionen.
– Investitionen in Infrastruktur bleiben entscheidend.
Was ist der Deutsche Tourismusverband (DTV)?
Der Deutscher Tourismusverband vertritt die Interessen der deutschen Tourismusbranche. Er setzt sich für die Entwicklung touristischer Regionen, Infrastruktur und nachhaltiger Reiseangebote ein.
Wer ist Bernd Eisenstein?Bernd Eisenstein ist Direktor des Deutschen Instituts für Tourismusforschung und beschäftigt sich mit Reiseverhalten, Tourismusentwicklung und wirtschaftlichen Auswirkungen des Reisemarktes.
OZD-Extras
Interessanter Zusatzfakt: Deutschland gehört seit Jahren zu den Ländern mit den höchsten Ausgaben für Urlaubsreisen weltweit. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bleibt die Reisebereitschaft der Bevölkerung bemerkenswert stabil.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.