Manuel Neuer weist nach der Niederlage gegen Ecuador jede Schuld am Gegentor zurück. Die Diskussion um Deutschlands Torwart nimmt Fahrt auf.
Nach der bitteren 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft steht Manuel Neuer erneut im Mittelpunkt der Diskussionen. Der aus dem DFB-Ruhestand zurückgekehrte Torhüter weist jede Verantwortung für den entscheidenden Gegentreffer entschieden zurück und verteidigt seine Aktion mit deutlichen Worten.
Auf die Frage, ob er das 1:2 durch Gonzalo Plata auf seine Kappe nehme, reagierte Neuer ungehalten. "Nein", stellte der Routinier unmissverständlich klar. Für ihn sei die Szene korrekt gelöst worden. "Ich muss auf das schauen, was vor mir passiert, wo der Ball ist und was mit dem Ball passiert", erklärte Neuer. "Wenn ich anfange, im Fünfer auf Brustwarzen-Höhe die Bälle rumzupatschen, dann wäre es möglicherweise ein Eigentor gewesen, also auf gar keinen Fall."
Nach seiner Einschätzung habe es sich lediglich um "eine ganz normale Kopfballverlängerung" gehandelt. "Jeder Torwart, der schon mal gespielt hat, der weiß, dass ich mich so zu dem Ball hinstellen muss und den versuchen muss auch so zu fangen." Dass der Ball schließlich direkt vor den Füßen von Gonzalo Plata landete, sei kaum vorhersehbar gewesen.
Für Neuer verlief die bisherige Weltmeisterschaft dennoch unglücklich. Lediglich sieben Schüsse musste der 40-Jährige auf sein Tor zulassen, vier davon führten zu Gegentreffern. Ein Spiel ohne Gegentor gelang dem erfahrenen Keeper bislang nicht.
Bundestrainer Julian Nagelsmann stellte sich demonstrativ hinter seinen Schlussmann. "Bis jetzt ist noch kein Torwartspiel dabei gewesen", sagte der Nationaltrainer. Den ersten Gegentreffer bezeichnete er als "super schwer", weil der Ball zuvor durch die Beine eines Spielers gegangen sei. Auch beim zweiten Treffer habe Neuer kaum reagieren können. "Der Ball wird am kurzen Pfosten verlängert, der Spieler kommt dann aus seinem Rücken. Das war eine undankbare Situation, das müssen wir anders verteidigen."
Auch ARD-Experte Bastian Schweinsteiger nahm Neuer in Schutz. "Es ist extrem schwer für einen Torwart, da zu reagieren", sagte der Weltmeister von 2014. Gleichzeitig räumte er ein, dass die großen Glanzparaden des Rekordkeepers bislang ausgeblieben seien. "Wo sind die großen Paraden? Die sind aber noch nicht gekommen, weil es noch nicht so viele Schüsse aufs Tor gab." Schweinsteiger zeigte sich jedoch überzeugt: "Er wird für unser Spiel noch sehr wichtig werden."
Die Diskussion um Deutschlands langjährige Nummer eins dürfte damit auch vor Beginn der K.o.-Phase nicht abreißen. Während Neuer selbst keinerlei Fehler bei sich sieht, wächst der Druck, in den entscheidenden Spielen wieder mit spielentscheidenden Paraden zu überzeugen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Vertrauen allein hält keinen Ball
Manuel Neuer hat sich über Jahre den Status einer Torwart-Legende erarbeitet. Doch genau deshalb wird jede Szene besonders kritisch bewertet. Seine Erklärung zum Gegentor ist fachlich durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig erwarten Fans und Experten von einem Weltklasse-Torwart genau jene außergewöhnlichen Paraden, die Spiele entscheiden. Bislang fehlten diese Momente. Julian Nagelsmann stärkt seinem Rückkehrer zwar demonstrativ den Rücken, doch spätestens in der K.o.-Runde wird nicht mehr über Erklärungen gesprochen – sondern ausschließlich über gehaltene oder kassierte Bälle.
Historischer Hintergrund
Manuel Neuer zählt zu den erfolgreichsten Torhütern der Fußballgeschichte. Mit Deutschland gewann er 2014 die Weltmeisterschaft in Brasilien und revolutionierte als mitspielender Torwart die Position. Nach seinem zwischenzeitlichen Rücktritt aus der Nationalmannschaft holte Bundestrainer Julian Nagelsmann den Routinier für die WM-Endrunde überraschend zurück. Entsprechend groß ist nun die öffentliche Aufmerksamkeit bei jeder Aktion des 40-Jährigen.
Zukunftsprognose
Sollte Deutschland in der K.o.-Phase erfolgreich sein, könnte Manuel Neuer mit einer starken Leistung die Diskussionen schnell verstummen lassen. Kommt es jedoch erneut zu Gegentoren oder Unsicherheiten, dürfte die Debatte über die Torwartentscheidung weiter an Intensität gewinnen. Für Nagelsmann wird das Vertrauen in seinen erfahrenen Schlussmann zu einem der wichtigsten sportlichen Themen des Turniers.
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Mini-Infobox
Deutschland verlor 1:2 gegen Ecuador.
Manuel Neuer kassierte vier Gegentore bei sieben Schüssen.
Julian Nagelsmann verteidigt seinen Torwart.
Bastian Schweinsteiger sieht Neuer nicht als Hauptschuldigen.
Die K.o.-Phase entscheidet über Neuers WM-Bilanz.
OZD-Analyse
Torwart-Diskussion
– Manuel Neuer steht trotz Rückendeckung des Trainerteams im Fokus der öffentlichen Kritik.
Bewertung der Gegentore
– a) Schwierige Sicht beim ersten Treffer.
– b) Kopfballverlängerung erschwert die Reaktion.
– c) Fehler in der deutschen Defensivarbeit begünstigen beide Gegentore.
Folgen
– Die Leistungen Neuers werden in jedem K.o.-Spiel besonders genau beobachtet. Gleichzeitig wächst der Druck auf die gesamte Defensive.
Erklärungen
Wer ist Manuel Neuer?
Manuel Neuer ist deutscher Fußball-Nationaltorhüter und Weltmeister von 2014. Der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft gilt als einer der besten Torhüter der Fußballgeschichte und prägte mit seinem offensiven Spielstil die moderne Torwartrolle.
Wer ist Julian Nagelsmann?
Julian Nagelsmann ist Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der frühere Bundesliga-Trainer gilt als einer der innovativsten Fußballtrainer Deutschlands und führte die DFB-Auswahl in die WM-Endrunde.
OZD-Extras
Mit über einem Jahrzehnt auf höchstem internationalen Niveau gehört Manuel Neuer zu den wenigen Torhütern, die sowohl bei Welt- als auch Europameisterschaften über viele Jahre Stammtorwart Deutschlands waren.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
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