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Fußball zum Einschlafen, ein Lucky Punch und ein Präsident auf dem Wurfhügel

Kanadas Last-Minute-Triumph, Frust über ein schwaches WM-Spiel und ein überraschender Auftritt von DFB-Präsident Neuendorf prägten die Nacht

Während frühere Weltmeisterschaften zu diesem Zeitpunkt längst Geschichte gewesen wären, beginnt die Mammut-WM in Nordamerika jetzt erst richtig. Bereits 72 Spiele wurden innerhalb von etwas mehr als zwei Wochen absolviert – und dennoch stehen noch 32 Mannschaften im Wettbewerb. Das neue XXL-Format der FIFA sorgt dabei nicht nur für Rekorde, sondern zunehmend auch für Diskussionen über Belastung, Übersichtlichkeit und sportlichen Mehrwert.

Spiel Nummer 73 des Turniers nahm dabei eine besondere Rolle ein. Aus bislang nur schwer nachvollziehbaren Gründen setzte die FIFA am Sonntag lediglich eine einzige Begegnung an. Nach 72 Spielen innerhalb kürzester Zeit wirkte dieser plötzliche Leerlauf beinahe surreal. Vielleicht sollte die Fußballwelt tatsächlich einmal durchatmen dürfen.

Sportlich bot das erste Sechzehntelfinale allerdings kaum Argumente dafür, den Fernseher eingeschaltet zu lassen.

Das Duell zwischen Südafrika und Kanada entwickelte sich über weite Strecken zu einer zähen Angelegenheit mit überschaubarem Unterhaltungswert. Fehlpässe, langsames Aufbauspiel und kaum Torchancen bestimmten die Begegnung. Vor allem Südafrika ließ Ball und Zeit in den eigenen Reihen kreisen, ohne dabei echte Gefahr auszustrahlen.

Wer die Partie noch einmal anschauen möchte, sollte dies möglicherweise nur im Zeitraffer tun.

Erst in der Nachspielzeit wurde das Publikum schließlich erlöst.

Stephen Eustáquio traf in der 92. Minute zum entscheidenden 1:0 für Kanada und sorgte damit für den historischen Einzug der Nordamerikaner ins Achtelfinale.

Kanadas Trainer Jesse Marsch zeigte sich anschließend bewegt und sprach von einer besonderen Bedeutung des Erfolgs für sein Heimatland. Das späte Tor sei eine "Inspiration" für die Menschen in Kanada gewesen.

Für Südafrika endete dagegen eine bemerkenswerte Weltmeisterschaft trotz des Ausscheidens mit einem positiven Gesamteindruck. Erstmals hatte sich die Mannschaft überhaupt für die K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft qualifiziert.

Trainer Hugo Broos analysierte die Niederlage ungewöhnlich offen und selbstkritisch.

"Power und Tempo" hätten seiner Mannschaft gefehlt, erklärte der Belgier nach der Partie. Die Qualität der heimischen Premier Soccer League könne mit dem Niveau einer Weltmeisterschaft schlicht nicht mithalten. Nach Einschätzung des Trainers liege das Niveau einer WM mindestens zwei Klassen über dem südafrikanischen Ligabetrieb.

Tatsächlich spielen 19 der 26 südafrikanischen Nationalspieler im heimischen Fußball und verfügen entsprechend nur selten über Erfahrungen auf höchstem internationalem Niveau.

Für eine überraschende Nebenstory der Nacht sorgte unterdessen DFB-Präsident Bernd Neuendorf.

Beim traditionsreichen Baseball-Duell zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees durfte der deutsche Verbandschef den sogenannten "Ceremonial First Pitch" ausführen – eine der bekanntesten sportlichen Traditionen in den Vereinigten Staaten.

Die Rivalität zwischen beiden Teams gilt in Nordamerika als ähnlich intensiv wie jene zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 in Deutschland.

Neuendorf meisterte seine Aufgabe auf dem Wurfhügel dabei überraschend souverän und durfte sich über viel Applaus im Stadion freuen.

Während die WM in Nordamerika also langsam in ihre entscheidende Phase eintritt, liefert das Gastgeberland weiterhin reichlich amerikanische Nebenschauplätze und Geschichten abseits des Rasens.

OZD/SID

OZD-Kommentar – Mehr Spiele bedeuten nicht automatisch mehr Fußball

Die XXL-WM liefert genau die Debatte, vor der viele Experten gewarnt hatten. Mehr Mannschaften und mehr Spiele erzeugen zwar mehr Einnahmen und mehr Fernsehrechte, sie garantieren jedoch keineswegs automatisch mehr Qualität.

Partien wie Südafrika gegen Kanada zeigen die Schattenseiten des aufgeblähten Formats deutlich auf. Nicht jedes zusätzliche Spiel steigert die Attraktivität eines Turniers.

Gleichzeitig entstehen jedoch neue Geschichten, neue Nationen schreiben Geschichte und neue Märkte werden erschlossen.

Die FIFA wird das Turnier daher wirtschaftlich vermutlich als Erfolg verbuchen.

Sportlich bleibt die Frage offen, ob weniger manchmal nicht doch mehr gewesen wäre.

Historischer Hintergrund

Die Fußball-Weltmeisterschaft wurde 1998 in Frankreich erstmals mit 32 Mannschaften ausgetragen.

2026 erfolgte mit 48 Teams die größte Erweiterung der Turniergeschichte.

Dadurch stieg die Zahl der Spiele von ursprünglich 64 auf nunmehr 104 Begegnungen.

Nordamerika erlebt damit die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten mit Spielorten in den USA, Kanada und Mexiko.

Zukunftsprognose

Sollte sich das neue Format wirtschaftlich bewähren, dürfte eine Rückkehr zu kleineren Teilnehmerfeldern ausgeschlossen sein.

Die FIFA könnte künftig sogar weitere Anpassungen vornehmen, um zusätzliche Märkte einzubinden.

Sportlich wird entscheidend sein, ob die Qualität der K.o.-Phase das teilweise niedrige Niveau einiger Vorrunden- und Sechzehntelfinalspiele kompensieren kann.

Die kommenden Wochen werden darüber entscheiden, wie die XXL-WM langfristig in Erinnerung bleiben wird.

Gewinnspiel

Frage: Wer erzielte das entscheidende Tor für Kanada gegen Südafrika?

A) Alphonso Davies

B) Jonathan David

C) Stephen Eustáquio

D) Tajon Buchanan

Zum Gewinnspiel:

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox

Bereits 72 WM-Spiele wurden absolviert.

Kanada erreichte erstmals ein WM-Achtelfinale.

Stephen Eustáquio traf in der Nachspielzeit.

Südafrika schied trotz starker WM aus.

DFB-Präsident Neuendorf warf den First Pitch in Boston.

OZD-Analyse

XXL-WM sorgt für Diskussionen

– Das neue Turnierformat führt zu einer Rekordzahl an Spielen.

Sportliche Auswirkungen

– a) Größere Belastung für Spieler

– b) Unterschiedliche Qualitätsniveaus

– c) Mehr Chancen für Außenseiter

Folgen

– Die FIFA wird das Format weiterentwickeln, während die Diskussion über die sportliche Qualität anhalten dürfte.

Erklärungen

Was ist ein Sechzehntelfinale?

Das Sechzehntelfinale ist die erste K.o.-Runde des neuen 48er-WM-Formats und reduziert das Teilnehmerfeld von 32 auf 16 Mannschaften.

Was ist der "Ceremonial First Pitch"?

Der First Pitch ist eine traditionelle Zeremonie im Baseball, bei der prominente Gäste vor Spielbeginn symbolisch den ersten Ball werfen.

OZD-Extras

Die Rivalität zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees zählt zu den berühmtesten und traditionsreichsten Sportduellen weltweit und besteht seit mehr als 100 Jahren.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild SID