Kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei meldet Russland einen massiven ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau. Nach russischen Angaben wurden Hunderte Drohnen abgefangen. Gleichzeitig kamen bei Angriffen auf die Grenzregion Belgorod mindestens ein Mensch ums Leben.
Russland hat in der Nacht zum Dienstag nach eigenen Angaben einen der bislang größten ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau registriert. Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, seit Montagabend seien rund 430 Drohnen in Richtung der russischen Hauptstadt gestartet worden. Die Luftabwehr habe den Großteil der Fluggeräte bereits weit vor Moskau abgefangen. Insgesamt seien 36 Drohnen beim Anflug auf die Metropole zerstört worden.
Auch die russische Grenzregion Belgorod geriet nach Behördenangaben unter schweren Beschuss. Gouverneur Aleksandr Schuwajew berichtete von mehreren Raketenangriffen auf die Stadt Belgorod und umliegende Bezirke. Im Dorf Belowskoje sei dabei mindestens ein Mensch ums Leben gekommen.
Die Angriffe erfolgten nur wenige Stunden nach neuen russischen Luftschlägen auf die Ukraine. Nach ukrainischen Angaben waren dabei am Montag mindestens 30 Menschen getötet worden.
Seit Monaten weitet die Ukraine ihre Drohnenoperationen tief im russischen Hinterland aus. Ziel der Angriffe sind regelmäßig militärische Einrichtungen, Flugplätze, Munitionslager und Infrastruktur weit entfernt von der Frontlinie. Russland meldet dabei zunehmend groß angelegte Abwehrmaßnahmen gegen Drohnenverbände.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt der neuen Angriffe. Zeitgleich beginnt in der Türkei der NATO-Gipfel, bei dem die weitere militärische Unterstützung der Ukraine im Mittelpunkt stehen soll. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nimmt an den Beratungen teil.
OZD / AFP.
OZD-Kommentar – Der Krieg erreicht immer stärker das russische Hinterland
Kommentar: Die Front verlagert sich
Der Krieg beschränkt sich längst nicht mehr auf die eigentlichen Frontlinien in der Ost- und Südukraine. Mit immer größeren Drohnenangriffen zeigt Kiew, dass auch Ziele tief im russischen Staatsgebiet verwundbar sind.
Für Moskau bedeutet dies einen erheblichen sicherheitspolitischen und psychologischen Druck. Gleichzeitig steigt mit jeder neuen Angriffswelle das Risiko einer weiteren Eskalation des Konflikts. Je häufiger beide Seiten ihre Angriffe ausweiten, desto schwieriger wird eine diplomatische Lösung.
Der zeitliche Zusammenhang mit dem NATO-Gipfel dürfte ebenfalls kein Zufall sein. Militärische Entwicklungen und politische Signale gehen in diesem Krieg zunehmend Hand in Hand.
Historischer Hintergrund
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 setzte die Ukraine zunächst vor allem auf die Verteidigung ihres Staatsgebiets. Mit wachsender Reichweite eigener Drohnen greifen die ukrainischen Streitkräfte inzwischen regelmäßig Ziele tief innerhalb Russlands an. Moskau wiederum intensiviert seine Luftangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur.
Zukunftsprognose
Mit der weiteren Lieferung moderner Waffen und Drohnentechnologie dürfte sich der Schlagabtausch im Hinterland beider Staaten fortsetzen. Gleichzeitig wächst der internationale Druck, neue diplomatische Initiativen zur Eindämmung der Eskalation zu entwickeln.
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Mini-Infobox
Russland meldet rund 430 ukrainische Drohnen.
36 Drohnen sollen direkt vor Moskau abgefangen worden sein.
In Belgorod wurde mindestens ein Todesopfer gemeldet.
Zuvor waren laut ukrainischen Angaben 30 Menschen durch russische Angriffe getötet worden.
Der Angriff erfolgt unmittelbar vor dem NATO-Gipfel.
OZD-Analyse
1. Neue Dimension des Drohnenkriegs
Immer größere Reichweiten.
Ziele weit hinter der Front.
Steigende Bedeutung moderner Drohnentechnik.
2. Politische Signalwirkung
Angriff unmittelbar vor dem NATO-Gipfel.
Internationale Aufmerksamkeit wächst.
Militärischer Druck begleitet diplomatische Verhandlungen.
3. Gefahr weiterer Eskalation
Beide Seiten intensivieren ihre Angriffe.
Zivile Infrastruktur bleibt gefährdet.
Friedensgespräche werden dadurch schwieriger.
Erklärung
Was ist die NATO?
Die NATO (North Atlantic Treaty Organization) ist ein Verteidigungsbündnis von derzeit 32 Mitgliedstaaten aus Europa und Nordamerika. Ziel des Bündnisses ist die gemeinsame Sicherheit seiner Mitglieder. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges unterstützt die NATO die Ukraine unter anderem mit Waffenlieferungen, Ausbildung und logistischer Hilfe, ohne selbst Kriegspartei zu sein.
OZD-ExtrasRussland veröffentlicht regelmäßig Zahlen über abgefangene ukrainische Drohnen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben in vielen Fällen nicht. Gleiches gilt für ukrainische Angaben über die Auswirkungen russischer Angriffe.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.