Der Mediziner und Erfinder der Plastination, Gunther von Hagens, ist tot. Wie seine Familie und das Institut für Plastination am Montag in Heidelberg mitteilten, starb er bereits am Freitag im Alter von 81 Jahren.
Von Hagens wurde weltweit durch seine Körperwelten-Ausstellungen bekannt, in denen plastinierte menschliche Körper einen detaillierten Einblick in die Anatomie ermöglichen. Die ausgestellten Präparate stammen ausschließlich von Menschen, die zu Lebzeiten ausdrücklich verfügt hatten, ihren Körper nach ihrem Tod der Wissenschaft und den Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Dies sei auch der persönliche Wunsch von Gunther von Hagens gewesen, erklärten seine Angehörigen. Sie kündigten an, diesen Wunsch zu respektieren und umzusetzen.
Geboren wurde Gunther von Hagens am 10. Januar 1945 im heutigen Polen. Er wuchs in der DDR auf, wurde nach einem Fluchtversuch inhaftiert und gelangte später in die Bundesrepublik Deutschland. Nach seinem Medizinstudium entwickelte er 1977 an der Universität Heidelberg das Verfahren der Plastination. Dabei werden Wasser und Fett im Gewebe durch Kunststoffe ersetzt, wodurch anatomische Präparate dauerhaft konserviert werden können.
Mit seiner Erfindung revolutionierte von Hagens die anatomische Ausbildung und schuf zugleich eine weltweit beachtete Form der Wissenschaftsvermittlung. 1993 gründete er das Institut für Plastination. 2006 folgte im brandenburgischen Guben das Plastinarium, das bis heute als zentrale Produktions- und Forschungseinrichtung für Plastinate dient.
Seine Ausstellungen lösten über Jahrzehnte weltweit intensive Debatten aus. Befürworter sahen darin einen außergewöhnlichen Beitrag zur medizinischen Bildung und Gesundheitsaufklärung, Kritiker warfen ihm einen zu kommerziellen Umgang mit menschlichen Körpern vor. Ungeachtet aller Kontroversen gilt Gunther von Hagens als einer der einflussreichsten Anatomen der Neuzeit.
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OZD-Kommentar – Zwischen Wissenschaft und Ethik
Gunther von Hagens hat die Medizin nachhaltig verändert. Seine Plastination machte Anatomie für Millionen Menschen verständlich und brachte medizinisches Wissen aus den Hörsälen in die Öffentlichkeit. Gleichzeitig lösten die Körperwelten-Ausstellungen bis heute berechtigte ethische Diskussionen über den Umgang mit Verstorbenen aus. Entscheidend bleibt jedoch, dass sämtliche ausgestellten Präparate auf freiwilligen Körperspenden beruhen. Sein Vermächtnis wird deshalb nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich weiter diskutiert werden. Die Verbindung von Wissenschaft, Bildung und Ethik bleibt eine der größten Herausforderungen moderner Medizin.
Historischer Hintergrund
Die Plastination wurde 1977 an der Universität Heidelberg entwickelt und gilt als Meilenstein der anatomischen Präparation. Mit den Körperwelten-Ausstellungen erreichte medizinische Bildung erstmals ein Millionenpublikum in Europa, Nordamerika, Asien und weiteren Regionen. Das Plastinarium im brandenburgischen Guben entwickelte sich zu einem international bekannten Zentrum für Plastination und anatomische Forschung.
Zukunftsprognose
Die Arbeit von Gunther von Hagens wird über seinen Tod hinaus fortgeführt werden. Körperwelten-Ausstellungen und das Institut für Plastination dürften auch künftig wichtige Beiträge zur medizinischen Ausbildung und Gesundheitsaufklärung leisten. Gleichzeitig werden ethische Fragen rund um Körperspenden und den Umgang mit menschlichen Präparaten Bestandteil wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskussionen bleiben.
Gewinnspiel
Frage: Welches Verfahren entwickelte Gunther von Hagens 1977 an der Universität Heidelberg?
A) Magnetresonanztomographie
B) Plastination
C) Computertomographie
D) Stammzelltherapie
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox
Gunther von Hagens wurde 81 Jahre alt.
Er erfand 1977 die Plastination.
Gründer der Körperwelten-Ausstellungen.
Institut für Plastination in Heidelberg.
Plastinarium im brandenburgischen Guben.
Erklärungen
Wer war Gunther von Hagens?
Gunther von Hagens war ein deutscher Mediziner und Anatom. Weltweit
bekannt wurde er als Erfinder der Plastination und Gründer der
Körperwelten-Ausstellungen, die menschliche Anatomie anschaulich
vermitteln.
Was ist Plastination?
Die Plastination ist ein Konservierungsverfahren, bei dem Wasser und
Fett im Körpergewebe durch spezielle Kunststoffe ersetzt werden. Dadurch
bleiben Organe und ganze Körper dauerhaft haltbar, geruchlos und
wissenschaftlich nutzbar.
OZD-Analyse
Medizinische Innovation
Die Plastination revolutionierte die anatomische Ausbildung weltweit.
Gesellschaftliche Wirkung
a) Millionen Besucher erhielten Einblicke in den menschlichen Körper.
b) Die Methode verbesserte die medizinische Lehre.
c) Gleichzeitig entstanden intensive ethische Debatten.
Vermächtnis
Gunther von Hagens bleibt eine der prägendsten Persönlichkeiten der modernen Anatomie. Seine wissenschaftliche Arbeit wird auch künftig weltweit genutzt und diskutiert.
OZD-Extras
Mehr als 20.000 Menschen haben sich im Laufe der Jahre offiziell als Körperspender für die Plastination registrieren lassen. Dieses freiwillige Spenderprogramm bildet bis heute die Grundlage der Körperwelten-Ausstellungen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.