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Alarm für den Mittelstand: Unternehmensschließungen erreichen 20-Jahres-Hoch

So viele Unternehmensschließungen wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr: Eine neue Untersuchung zeigt, wie tief die wirtschaftlichen Probleme inzwischen in den deutschen Mittelstand reichen.

Fakten im Überblick

Rund 188.000 Unternehmen stellten 2025 ihren Betrieb ein.

Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Besonders betroffen sind Bau, Gastgewerbe und Industrie.



Deutschlands Wirtschaft verliert immer mehr Unternehmen. Nach einer gemeinsamen Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellten im Jahr 2025 rund 188.000 Betriebe ihre Geschäftstätigkeit ein. Das entspricht einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert den höchsten Stand seit fast zwanzig Jahren.

Besonders alarmierend: Die Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen. Nach Angaben der Studienautoren geraten inzwischen auch Betriebe mit solider oder zumindest durchschnittlicher Bonität unter erheblichen Druck.

"Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft", erklärte Patrick-Ludwig Hantzsch von Creditreform. "Die Zahl der Marktaustritte steigt deutlich an." Während häufig die Schwierigkeiten großer Konzerne Schlagzeilen machten, verschwinde eine deutlich größere Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen nahezu unbemerkt vom Markt.

Die Untersuchung nennt mehrere Ursachen für diese Entwicklung. Technologischer Wandel, zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck und anhaltender Fachkräftemangel belasten zahlreiche Betriebe gleichzeitig. Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: Immer mehr Unternehmer erreichen das Rentenalter, ohne einen geeigneten Nachfolger für ihren Betrieb zu finden.

ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk erklärte: "Immer mehr Betriebe schließen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden." Inzwischen erfolge fast ein Drittel aller freiwilligen Unternehmensschließungen aus Altersgründen – deutlich mehr als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.

Auffällig ist dabei, dass die meisten Betriebsschließungen nicht auf Insolvenzen zurückzuführen sind. Lediglich rund 13 Prozent aller im Jahr 2025 registrierten Schließungen erfolgten im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. Viele Unternehmer entscheiden sich stattdessen freiwillig für die Geschäftsaufgabe.

Besonders betroffen ist die Industrie. Dort beendeten rund 11.000 Unternehmen ihre Tätigkeit – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Im Baugewerbe schlossen etwa 24.000 Betriebe, was einem Plus von zwölf Prozent entspricht. Im Gastgewerbe fiel der Anstieg mit 15 Prozent besonders deutlich aus. Rund 15.000 Hotels, Restaurants und gastronomische Betriebe verschwanden vom Markt.

Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die wirtschaftlichen Herausforderungen längst nicht mehr auf einzelne Branchen beschränken. Vielmehr zeigt sich ein tiefgreifender Strukturwandel, der weite Teile der deutschen Wirtschaft erfasst.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Das stille Sterben des Mittelstands

Während Großkonzerne öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, verschwinden täglich kleine und mittelständische Unternehmen nahezu unbemerkt. Gerade sie bilden jedoch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Fehlende Unternehmensnachfolger, Bürokratie, Fachkräftemangel und internationaler Wettbewerbsdruck treffen viele Betriebe gleichzeitig. Ohne spürbare Verbesserungen bei Investitionsbedingungen, Digitalisierung und Unternehmensnachfolge droht sich dieser Trend weiter zu beschleunigen.

Historischer Hintergrund

Der deutsche Mittelstand gilt traditionell als Fundament der Volkswirtschaft. Familienunternehmen und kleine Betriebe sichern Millionen Arbeitsplätze und prägen zahlreiche Regionen. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel und zunehmender Fachkräftemangel die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Besonders die Unternehmensnachfolge entwickelt sich seit Jahren zu einem wachsenden Problem.

Zukunftsprognose

Experten rechnen damit, dass der Strukturwandel in den kommenden Jahren anhält. Besonders Betriebe ohne geregelte Nachfolge oder ausreichende Investitionen in Digitalisierung und Innovation dürften unter Druck geraten. Gleichzeitig entstehen neue Chancen für Unternehmen, die sich frühzeitig technologisch modernisieren und Fachkräfte langfristig binden können.


Gewinnspiel

Frage: Wie viele Unternehmen stellten laut der Untersuchung im Jahr 2025 ihren Betrieb ein?

A) Rund 95.000
B) Rund 132.000
C) Rund 188.000
D) Rund 250.000

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen


Mini-Infobox

188.000 Unternehmensschließungen im Jahr 2025.

Zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Industrie, Bau und Gastronomie besonders betroffen.

Viele Betriebe schließen mangels Nachfolge.

Nur 13 Prozent der Schließungen erfolgen durch Insolvenzen.


OZD-Analyse

Strukturwandel beschleunigt sich

– Wirtschaftliche Belastungen treffen inzwischen nahezu alle Branchen.

Hauptursachen

– a) Fachkräftemangel.
– b) Technologischer Wandel und Wettbewerbsdruck.
– c) Fehlende Unternehmensnachfolge.

Folgen

– Weniger mittelständische Betriebe, regionale Arbeitsplatzverluste und eine zunehmende Konzentration wirtschaftlicher Aktivitäten auf größere Unternehmen könnten die Wirtschaftsstruktur nachhaltig verändern.

Erklärungen

Was ist Creditreform?

Creditreform gehört zu den größten Wirtschaftsauskunfteien Deutschlands. Das Unternehmen analysiert die Bonität von Firmen und veröffentlicht regelmäßig Studien zur wirtschaftlichen Entwicklung deutscher Unternehmen.

Was ist das ZEW?

Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit Sitz in Mannheim zählt zu den führenden wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten Deutschlands. Es untersucht unter anderem Innovationen, Unternehmensentwicklung und wirtschaftspolitische Fragestellungen.

OZD-Extras

Nach Einschätzung vieler Wirtschaftsexperten wird die Unternehmensnachfolge zu einer der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Tausende familiengeführte Betriebe suchen bereits heute vergeblich geeignete Nachfolger – mit weitreichenden Folgen für Beschäftigung, Ausbildung und regionale Wirtschaftskraft.

Mögliche Auswirkungen auf die Börsen:

Die steigende Zahl von Unternehmensschließungen könnte die Stimmung gegenüber konjunkturabhängigen Branchen belasten. Gleichzeitig profitieren größere Marktteilnehmer möglicherweise von frei werdenden Marktanteilen. Investoren dürften verstärkt auf Unternehmen mit hoher Innovationskraft, Digitalisierungskompetenz und stabilen Geschäftsmodellen setzen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.