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Pflege vor Milliardenloch: AOK fordert Kassen-Reform und warnt vor steigenden Beiträgen

Die AOK warnt vor einem Milliardenloch in der Pflegeversicherung. Ohne Reformen könnten die Beiträge deutlich steigen.

Fakten im Überblick

Für 2027 wird ein Defizit von rund acht Milliarden Euro erwartet.

Die AOK fordert einen Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung.

Pflegende Angehörige sollen nach Ansicht der AOK weiterhin umfassend abgesichert werden.

Die Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, fordert angesichts der angespannten Finanzlage der Pflegeversicherung einen Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung. Die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen sei in der privaten Pflegeversicherung deutlich geringer als in der gesetzlichen Pflegeversicherung, sagte Reimann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ein Finanzausgleich könne deshalb in den kommenden Jahren zur Stabilisierung beitragen. Allerdings sei ein solcher Schritt innerhalb der Bundesregierung bislang nicht konsensfähig.

Nach Einschätzung der AOK droht der gesetzlichen Pflegeversicherung im Jahr 2027 ein Defizit von rund acht Milliarden Euro. Sollte die Finanzierung nicht zügig auf eine stabile Grundlage gestellt werden, seien weitere Beitragserhöhungen kaum zu vermeiden. Alternativ müssten zusätzliche Mittel aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt oder andere Finanzierungsmaßnahmen beschlossen werden.

Reimann sprach sich zudem dafür aus, sogenannte gesamtgesellschaftliche Aufgaben künftig aus Steuermitteln zu finanzieren. Dazu zählten aus ihrer Sicht unter anderem die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige.

Lob äußerte die AOK-Chefin für Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), der sich gegen geplante Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige gestellt habe. "Es ist ein gutes Signal, dass sich der neue Minister bei diesem Thema gleich so klar positioniert hat."

Reimann verwies darauf, dass in Deutschland rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig seien. Etwa 86 Prozent würden zu Hause versorgt, überwiegend von Angehörigen. Gerade diese Menschen finanziell schlechterzustellen, sei aus ihrer Sicht "der komplett falsche Weg".

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer umfassenden Pflegereform. Bereits ein erster Gesetzentwurf der früheren Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte erhebliche Kritik ausgelöst, unter anderem wegen weiter steigender Eigenanteile für Pflegebedürftige. Nach dem Kabinettsumbau liegt die Verantwortung nun bei ihrem Nachfolger Carsten Linnemann, der die Reform trotz erheblicher finanzieller und politischer Herausforderungen voranbringen soll.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Pflege braucht endlich eine ehrliche Finanzierung

Die Pflegeversicherung steht seit Jahren unter wachsendem Druck. Immer mehr Pflegebedürftige, steigende Kosten und der demografische Wandel lassen sich nicht dauerhaft mit höheren Beiträgen allein lösen. Die Forderung nach einem Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung dürfte politisch kontrovers bleiben, ist aber Teil einer längst überfälligen Grundsatzdebatte. Gleichzeitig darf die finanzielle Last nicht auf pflegende Angehörige abgewälzt werden. Wer häusliche Pflege stärkt, entlastet langfristig auch das gesamte Pflegesystem.

Historischer Hintergrund

Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Parallel existiert in Deutschland eine private Pflegepflichtversicherung für privat Krankenversicherte. Während beide Systeme grundsätzlich denselben Zweck erfüllen, unterscheiden sich ihre Versichertenstrukturen und damit auch die Ausgaben erheblich. Mit der alternden Bevölkerung wächst der Reformdruck seit Jahren kontinuierlich.

Zukunftsprognose

Die angekündigte Pflegereform dürfte zu den schwierigsten sozialpolitischen Vorhaben der Bundesregierung gehören. Ohne zusätzliche Einnahmen oder strukturelle Veränderungen könnten sowohl die Pflegeversicherungsbeiträge als auch die Eigenanteile der Pflegebedürftigen weiter steigen. Gleichzeitig wird die Finanzierung der häuslichen Pflege und die Unterstützung pflegender Angehöriger zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Erklärungen

Was ist die gesetzliche Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung unterstützt Menschen, die dauerhaft pflegebedürftig sind. Sie übernimmt je nach Pflegegrad einen Teil der Kosten für häusliche oder stationäre Pflege. Finanziert wird sie überwiegend über Beiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern.

Was bedeutet Finanzausgleich in der Pflege?

Ein Finanzausgleich würde bedeuten, dass finanzielle Mittel zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung ausgeglichen werden, um unterschiedliche Belastungen durch verschiedene Versichertenstrukturen teilweise auszugleichen und die Finanzierung langfristig zu stabilisieren.

Gewinnspiel

Welches Defizit erwartet die AOK für die gesetzliche Pflegeversicherung im Jahr 2027?

A) Rund zwei Milliarden Euro

B) Rund fünf Milliarden Euro

C) Rund acht Milliarden Euro

D) Rund zwölf Milliarden Euro

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.