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Kühlschrank für Menschen: Japans spektakuläre Antwort auf immer extremere Hitzewellen

Japan setzt auf eine ungewöhnliche Innovation: Ein begehbarer „Kühlschrank“ soll Beschäftigte bei extremer Hitze in wenigen Minuten abkühlen.

Fakten im Überblick

Japanische Unternehmen setzen auf begehbare Kühlkabinen für Arbeiter auf Baustellen, in Fabriken und Lagerhäusern.Die sogenannte „Do Hiemon Box“ kühlt Nutzer innerhalb weniger Minuten auf angenehme Temperaturen herunter.Hintergrund sind immer extremere Hitzewellen und verschärfte Arbeitsschutzregeln in Japan.

Der Klimawandel zwingt Unternehmen weltweit zu neuen Ideen – in Japan setzt sich nun eine besonders außergewöhnliche Lösung durch. Mit einer begehbaren Kühlkabine, die wie ein überdimensionaler Kühlschrank funktioniert, sollen Beschäftigte auf Baustellen, in Fabriken und Lagerhäusern schnell vor gefährlicher Überhitzung geschützt werden.

Der japanische Hersteller Trusco Nakayama hat die telefonzellengroße "Do Hiemon Box" entwickelt. Nach Unternehmensangaben wurden seit April bereits mehr als 300 Exemplare verkauft. Im Inneren herrschen rund 15 Grad Celsius. Zusätzlich strömt von oben fünf Grad kalte Luft gezielt auf Kopf, Nacken und Schultern der Nutzer – genau jene Körperregionen, die bei großer Hitze besonders stark belastet werden.

Der 51-jährige Lagerarbeiter Isao Tabuchi aus Higashiosaka berichtet von der Wirkung der Kühlkabine: "Dank dieser Kabine konnte ich mich wirklich erholen. Wenn man sie erst einmal ausprobiert hat, merkt man, wie angenehm kühl sie ist."

Die Kühlkabinen sind speziell für Arbeitsplätze mit hoher körperlicher Belastung konzipiert. Perspektivisch sollen sie jedoch auch auf Golfplätzen, bei Sportveranstaltungen oder in Stadien eingesetzt werden. Nach Angaben des Herstellers arbeitet die Anlage energieeffizient und verbraucht vergleichsweise wenig Strom. Der Preis für eine Kabine liegt allerdings bei umgerechnet rund 8.000 Euro.

Der Hintergrund für die Entwicklung ist ernst. Japan erlebt infolge des Klimawandels immer häufiger extreme Hitzeperioden. Allein in diesem Sommer mussten landesweit bereits rund 63.000 Menschen notärztlich behandelt werden. Für Tage mit Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius wurde inzwischen sogar ein neuer Begriff geprägt: "Kokushobi", was sinngemäß "grausam heißer Tag" bedeutet. Die Bevölkerung soll solche Wetterlagen ähnlich ernst nehmen wie Naturkatastrophen.

Auch der Gesetzgeber reagiert. Seit dem vergangenen Jahr gelten strengere Vorschriften zum Hitzeschutz am Arbeitsplatz. Arbeitgeber müssen unter anderem geeignete Kleidung bereitstellen sowie klimatisierte Pausenräume und Schattenplätze schaffen. Selbst traditionelle Kleidervorschriften werden gelockert: Beamte in Tokio dürfen inzwischen offiziell in kurzen Hosen zur Arbeit erscheinen – ein bemerkenswerter Kulturwandel in einem Land, das für seine formelle Arbeitskleidung bekannt ist.

Für Unternehmen wird Hitzeschutz zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. "Ohne Investitionen in den Hitzeschutz sei es schwer, noch geeignetes Personal zu finden", erklärt Yutaka Kono vom Großhändler Konoe. Auf weitläufigen Betriebsgeländen könne nicht jeder Bereich vollständig klimatisiert werden. Deshalb habe sich das Unternehmen bewusst für die Anschaffung der Kühlkabinen entschieden.

Auch der 24-jährige Mitarbeiter Taichi Konishi zeigt sich begeistert. "Das tut richtig gut", sagte er nach einer kurzen Abkühlung. "Ich war nur etwa zwei Minuten drin, aber selbst das hat gereicht, den ganzen Schweiß zu trocknen."

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Klimaanpassung wird zur wirtschaftlichen Überlebensfrage

Die "Do Hiemon Box" wirkt auf den ersten Blick futuristisch, doch sie steht für eine Entwicklung, die weltweit an Bedeutung gewinnt. Mit steigenden Temperaturen reicht klassische Klimatisierung vieler Arbeitsplätze nicht mehr aus. Unternehmen müssen neue Wege finden, um Gesundheit, Produktivität und Arbeitsschutz miteinander zu verbinden. Was heute in Japan getestet wird, könnte morgen auch in Europa zum Standard werden. Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter – er verändert die Arbeitswelt grundlegend.

Historischer Hintergrund

Japan gehört zu den Industrieländern, die besonders häufig unter extremen Hitzewellen leiden. Hohe Luftfeuchtigkeit, dichte Bebauung und der sogenannte Wärmeinsel-Effekt in Metropolen wie Tokio oder Osaka verschärfen die Belastung zusätzlich. Gleichzeitig altert die Bevölkerung, wodurch immer mehr Beschäftigte gesundheitlich anfälliger für hohe Temperaturen werden. Weltweit verschärfen zahlreiche Staaten ihre Arbeitsschutzvorschriften als Reaktion auf den Klimawandel.

Zukunftsprognose

Mit zunehmenden Hitzewellen dürfte der Markt für Kühltechnologien stark wachsen. Mobile Kühlkabinen, intelligente Schutzkleidung und KI-gestützte Hitzewarnsysteme könnten künftig zum Standard in Industrie, Bauwirtschaft und Logistik werden. Auch Europa dürfte aufgrund häufiger Extremtemperaturen verstärkt in entsprechende Lösungen investieren. Für Unternehmen aus den Bereichen Klimatechnik, Arbeitsschutz und Energietechnik eröffnen sich dadurch erhebliche Wachstumschancen. An den Börsen könnten Hersteller innovativer Kühl- und Klimasysteme langfristig zu den Profiteuren des Klimawandels gehören.

Erklärungen

Was ist die "Do Hiemon Box"?

Die "Do Hiemon Box" ist eine begehbare Kühlkabine des japanischen Unternehmens Trusco Nakayama. Sie ermöglicht eine schnelle Abkühlung von Beschäftigten bei extremer Hitze und soll Hitzestress sowie gesundheitliche Risiken am Arbeitsplatz reduzieren.

Was bedeutet "Kokushobi"?

"Kokushobi" ist ein neuer japanischer Begriff für extrem heiße Tage mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Damit sollen Bürger sensibilisiert werden, solche Wetterlagen ähnlich ernst zu nehmen wie Naturkatastrophen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

OZD-Extras

Japan gehört zu den Vorreitern bei innovativen Technologien gegen Hitzestress. Neben Kühlkabinen werden dort bereits klimatisierte Arbeitskleidung, tragbare Ventilatoren, Kühlwesten und intelligente Sensoren eingesetzt, die frühzeitig vor gesundheitlich gefährlicher Überhitzung warnen.

Gewinnspiel

Wie kalt ist die Luft in der "Do Hiemon Box" laut Hersteller?

A) 25 Grad Celsius
B) 20 Grad Celsius
C) 15 Grad Celsius
D) 5 Grad Celsius

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.