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Alarm für deutsche Unternehmen: Spur von Cyberangriffen führt immer öfter zu Geheimdiensten

Cyberangriffe, Datendiebstahl und Sabotage bedrohen deutsche Unternehmen stärker denn je. Immer häufiger vermuten Firmen ausländische Geheimdienste hinter den Attacken.

Fakten im Überblick

96 Prozent der Unternehmen waren laut Bitkom von Datendiebstahl, Sabotage oder Industriespionage betroffen oder vermuten dies.

37 Prozent der betroffenen Firmen führen mindestens einen Angriff auf ausländische Nachrichtendienste zurück.

China und Russland werden am häufigsten als mutmaßliche Ursprungsstaaten genannt.


Die Bedrohung für die deutsche Wirtschaft durch Cyberangriffe, Datendiebstahl und Sabotage wächst weiter. Besonders auffällig ist nach dem neuen Wirtschaftsschutzbericht des Digitalverbands Bitkom die zunehmende Rolle ausländischer Nachrichtendienste. Immer mehr Unternehmen sehen staatliche Akteure hinter Angriffen auf ihre Daten, Geschäftsgeheimnisse und digitale Infrastruktur.

Nach Angaben des Verbands konnten 37 Prozent der betroffenen Unternehmen mindestens einen Angriff in den vergangenen zwölf Monaten einem fremden Nachrichtendienst zuordnen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 28 Prozent, zwei Jahre zuvor sogar erst bei sieben Prozent.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sprach bei der Vorstellung des Berichts in Berlin von einer "dramatischen Erhöhung". Zwar bleibe die organisierte Kriminalität insgesamt weiterhin die wichtigste Tätergruppe. Gleichzeitig nehme jedoch die Aktivität staatlicher Akteure deutlich zu.

Für die Studie wurden zwischen Mitte April und Anfang Juni 1003 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in Deutschland befragt. Das Ergebnis zeigt das enorme Ausmaß der Bedrohung: 96 Prozent der Unternehmen waren nach eigenen Angaben von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen oder vermuten entsprechende Angriffe. Damit bleibt das Niveau gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.

Auffällig ist jedoch, dass immer weniger Unternehmen Angriffe eindeutig nachweisen können. Während vor einem Jahr noch 87 Prozent der Firmen einen Angriff sicher bestätigten, sind es nun lediglich 67 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unternehmen, die Angriffe lediglich vermuten, von zehn auf 29 Prozent.

Diese Unsicherheit erschwert auch die Berechnung des wirtschaftlichen Schadens. Statt einer konkreten Summe nennt Bitkom erstmals einen Schadenskorridor zwischen 211 und 270,8 Milliarden Euro. Berücksichtigt werden dabei sowohl direkte Kosten durch Erpressung oder Produktionsausfälle als auch langfristige Schäden durch Produktpiraterie oder den Verlust technologischer Wettbewerbsvorteile.

"Das Dunkelfeld bei Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage wird größer", erklärte Wintergerst. Nachrichtendienste arbeiteten professioneller und verdeckter als klassische Cyberkriminelle. Gleichzeitig verschaffe der Einsatz Künstlicher Intelligenz auch weniger erfahrenen Angreifern neue Möglichkeiten.

Als häufigste Herkunftsländer identifizierten die betroffenen Unternehmen erneut China und Russland. 52 Prozent der Firmen, die Angriffe zurückverfolgen konnten, nannten China als mutmaßlichen Ursprung. Russland folgt mit 49 Prozent. Neu gewinnt nach Angaben des Digitalverbands auch der Iran an Bedeutung. Neun Prozent der Unternehmen ordneten Angriffe dortigen Akteuren zu – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Auch der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, warnte vor einer zunehmenden Professionalisierung staatlicher Cyberoperationen. Ausländische Nachrichtendienste intensivierten ihre hybriden Aktivitäten und griffen dabei verstärkt auf cyberkriminelle Gruppen oder sogenannte Low-Level-Agenten zurück.

Besonders besorgt zeigte sich Selen über den Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Bedrohungslage. KI wirke als "Booster hinsichtlich der Bedrohungslage". Cyberangriffe nähmen nicht nur zahlenmäßig zu, sondern würden zugleich technisch immer ausgefeilter und schwerer zu erkennen.

Trotz dieser Entwicklung investieren viele Unternehmen nach Ansicht von Bitkom weiterhin zu wenig in ihre IT-Sicherheit. Der Anteil der Sicherheitsausgaben am gesamten IT-Budget stagniert bei 18 Prozent. Bitkom und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfehlen dagegen mindestens 20 Prozent.

Cyberangriffe verursachen inzwischen 76 Prozent aller wirtschaftlichen Schäden durch Wirtschaftskriminalität. Vor fünf Jahren lag dieser Anteil noch bei lediglich 59 Prozent. Die Digitalisierung macht Unternehmen damit leistungsfähiger – gleichzeitig aber auch verwundbarer.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Cybersicherheit wird zur wirtschaftlichen Überlebensfrage

Die Zahlen verdeutlichen, dass Cyberangriffe längst keine Randerscheinung mehr sind. Für Unternehmen entwickeln sich Datensicherheit und digitale Resilienz zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Besonders die wachsende Rolle staatlicher Akteure zeigt, dass Wirtschaftsschutz heute nicht nur Aufgabe einzelner Firmen, sondern auch Teil der nationalen Sicherheitsstrategie ist. Wer bei IT-Sicherheit spart, riskiert im Ernstfall weit höhere wirtschaftliche Schäden.

Historischer Hintergrund

Deutschland zählt aufgrund seiner starken Industrie, seiner Forschungseinrichtungen und seiner technologischen Unternehmen seit Jahren zu den bevorzugten Zielen von Cyberangriffen und Industriespionage. Sicherheitsbehörden warnen regelmäßig vor staatlich unterstützten Hackergruppen, die wirtschaftliche, technologische und geopolitische Interessen verfolgen. Mit der zunehmenden Digitalisierung haben Umfang und Komplexität solcher Angriffe weltweit erheblich zugenommen.

Zukunftsprognose

Experten erwarten, dass Cyberangriffe durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz weiter zunehmen und technisch anspruchsvoller werden. Unternehmen werden ihre Investitionen in Cybersicherheit deutlich ausbauen müssen. Gleichzeitig dürften staatliche Behörden ihre Zusammenarbeit mit der Wirtschaft intensivieren, um kritische Infrastruktur und Schlüsselindustrien besser vor hybriden Bedrohungen zu schützen.

Erklärungen

Was ist Industriespionage?

Industriespionage bezeichnet das gezielte Ausspähen von Geschäftsgeheimnissen, Technologien oder Forschungsdaten durch Unternehmen, kriminelle Gruppen oder staatliche Akteure, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen.

Was sind hybride Angriffe?

Hybride Angriffe verbinden verschiedene Mittel wie Cyberattacken, Desinformation, Sabotage oder Spionage. Ziel ist es, Staaten, Unternehmen oder kritische Infrastrukturen wirtschaftlich oder politisch zu schwächen.

OZD-Extras

Immer häufiger kombinieren Angreifer klassische Hackerangriffe mit Künstlicher Intelligenz. Dadurch entstehen täuschend echte Phishing-Mails, automatisierte Schadsoftware und deutlich präzisere Cyberattacken.

Wie wirkt sich das auf die Börsen aus?

Cyberrisiken gewinnen für Investoren zunehmend an Bedeutung. Unternehmen mit hohen Sicherheitsstandards gelten als widerstandsfähiger. Gleichzeitig profitieren Anbieter von Cybersecurity-Lösungen häufig von steigenden Investitionen in IT-Sicherheit. Sicherheitsvorfälle können dagegen erhebliche Kursverluste und Reputationsschäden auslösen.

Gewinnspiel

Welches Land wurde laut Bitkom von den meisten betroffenen Unternehmen als mutmaßlicher Ursprung von Cyberangriffen genannt?

A) Iran
B) Russland
C) China
D) Nordkorea

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.