Fakten im Überblick
China lehnt neue US-Sanktionen gegen den Iran als völkerrechtswidrig ab.
Über 80 Prozent der iranischen Ölexporte gingen vor dem Krieg nach China.
Die USA erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf Teheran und dessen Handelspartner.
Als wichtigster Handelspartner des Iran hat China den von den USA angekündigten "Wirtschaftskrieg" gegen Teheran entschieden zurückgewiesen. Außenamtssprecher Lin Jian erklärte am Freitag in Peking, dass "Sanktionen und Druck" nicht dazu beitragen würden, die Krise zu lösen. Stattdessen rufe China alle beteiligten Staaten dazu auf, den Konflikt auf politischem und diplomatischem Weg zu entschärfen.
Besonders deutlich kritisierte Peking die von Washington geplanten Strafmaßnahmen. Die chinesische Regierung lehne "illegale einseitige Sanktionen ab, die keinerlei Grundlage im Völkerrecht haben und nicht vom UN-Sicherheitsrat autorisiert wurden", erklärte Lin Jian.
China zählt gemeinsam mit Russland zu den engsten wirtschaftlichen und strategischen Partnern des Iran. Trotz jahrzehntelanger Sanktionen exportiert Teheran weiterhin große Mengen Erdöl. Nach Angaben der Analysefirma Kpler gingen vor Beginn des aktuellen Krieges mehr als 80 Prozent der iranischen Ölausfuhren nach China. Auch Russland und die Türkei gehören zu den bedeutenden Handelspartnern des Landes.
Die Spannungen verschärften sich weiter, nachdem US-Finanzminister Scott Bessent angekündigt hatte, Washington werde sowohl Verbündete als auch Rivalen unter Druck setzen. "Entweder ihr seid auf unserer Seite oder gegen uns", sagte er im US-Sender CNBC. Dabei richtete sich seine Botschaft ausdrücklich auch an China. Peking müsse sich beteiligen, wenn es eine Wiederöffnung der Straße von Hormus und sinkende Energiepreise erreichen wolle.
Die strategisch bedeutende Meerenge zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Der Iran hatte sie zu Beginn des Krieges de facto gesperrt, während die USA eine Blockade iranischer Häfen verhängten. Die Folge waren erhebliche Belastungen für den internationalen Energiemarkt und anhaltend hohe Ölpreise.
US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Mittwoch eine weitere Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks auf die Islamische Republik angekündigt und zugleich den Handelspartnern Teherans mit Konsequenzen gedroht. Das iranische Außenministerium sprach daraufhin von "Wirtschaftsterrorismus" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".
Irans Präsident Massud Peseschkian zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt. "Die ganze Welt erkennt unseren Sieg an", sagte er bei einem Treffen mit Ärzten. "Es ist besser, jetzt den Krieg zu beenden, da wir uns in einer Position der Stärke und Würde befinden." Zugleich warf er den USA vor, Schulen, Krankenhäuser und zivile Infrastruktur angegriffen zu haben und erklärte, Washington sei "in der ganzen Welt verhasst".
Der Krieg begann Ende Februar nach US-israelischen Angriffen auf Ziele im Iran und der Tötung des langjährigen Obersten Führers Ali Chamenei. Während die USA ihr Vorgehen mit dem iranischen Atomprogramm begründen, erklärte US-Vizepräsident JD Vance zuletzt, ein niedriger Ölpreis sei inzwischen eines der wichtigsten Ziele der amerikanischen Strategie. Eine diplomatische Lösung des Konflikts ist derzeit nicht in Sicht.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der globale Wirtschaftskrieg hat längst begonnen
Der Konflikt zwischen den USA, China und dem Iran entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Machtkampf mit weltweiten Folgen. Während Washington wirtschaftlichen Druck als zentrales Instrument nutzt, positioniert sich China immer offensiver als Gegengewicht zur amerikanischen Dominanz. Der Streit betrifft längst nicht mehr nur den Iran, sondern die Stabilität der internationalen Energieversorgung, die Rolle des US-Dollars und die zukünftige Weltordnung. Je länger beide Seiten auf Konfrontation setzen, desto größer werden die Risiken für Weltwirtschaft, Handel und Versorgungssicherheit.
Der historische Hintergrund
Seit der Islamischen Revolution 1979 stehen die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran unter massiven Spannungen. Internationale Sanktionen prägen die Wirtschaftsbeziehungen seit Jahrzehnten. Mit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen während der ersten Amtszeit Donald Trumps verschärfte sich die Lage erheblich. China entwickelte sich in dieser Zeit zum wichtigsten Abnehmer iranischen Erdöls und festigte seine strategische Partnerschaft mit Teheran. Die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman bleibt dabei einer der wichtigsten geopolitischen Engpässe der Welt, da dort ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Flüssiggastransports verläuft.
Die Zukunftsprognose der OZD
Sollte Washington seine Sanktionen gegen chinesische oder andere internationale Unternehmen ausweiten, drohen neue Handelskonflikte zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt. Gleichzeitig könnten dauerhaft hohe Energiepreise Europa und viele Schwellenländer zusätzlich belasten. Eine diplomatische Annäherung erscheint kurzfristig unwahrscheinlich. Stattdessen dürfte sich der wirtschaftliche und geopolitische Wettbewerb zwischen den USA, China und ihren jeweiligen Partnern weiter verschärfen.
Die Erklärungen zum Text
Wer ist Massud Peseschkian?
Massud Peseschkian ist Präsident des Iran. Er vertritt die Islamische Republik international und spielt eine zentrale Rolle bei den politischen Entscheidungen während des aktuellen Konflikts mit den USA und Israel.
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine schmale Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Ein bedeutender Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels passiert diese Route.
Gibt es eine Interpretation?
Die öffentlichen Aussagen Chinas zeigen, dass Peking den amerikanischen Sanktionskurs nicht mitträgt und seine wirtschaftlichen Interessen im Nahen Osten verteidigen will. Gleichzeitig nutzt China den Konflikt, um seine Rolle als globaler Gegenspieler der USA weiter auszubauen. Der Streit entwickelt sich damit zunehmend zu einem geopolitischen Wettbewerb zwischen den Großmächten.
Unser Gewinnspiel
Frage: Welches Land ist der wichtigste Abnehmer iranischer Ölexporte?
A) Indien
B) Russland
C) China
D) Japan
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.