Fakten im Überblick
Die Länder erwägen ein zusätzliches Expertentreffen zur Drohnenabwehr.
Auslöser ist unter anderem der Fund einer mutmaßlich mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig.
Innenminister fordern eine engere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Sicherheitsbehörden.
Nach dem mutmaßlichen Drohnenangriff am Flughafen Leipzig wollen die Bundesländer ihre Zusammenarbeit bei der Drohnenabwehr weiter ausbauen. Nach Angaben des Präsidenten der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), wird derzeit über ein zusätzliches Arbeitstreffen von Expertinnen und Experten aus Bund und Ländern beraten.
"Derzeit gibt es Überlegungen für ein Arbeitstreffen, das sich thematisch mit Fragen der Drohnenabwehr beschäftigen soll", sagte Grote der "Bild"-Zeitung. Dabei handele es sich ausdrücklich nicht um eine Sonder-Innenministerkonferenz. Ein konkreter Termin steht zwar noch nicht fest, nach Informationen der Zeitung könnte das Treffen jedoch bereits im September in Hamburg stattfinden.
Hintergrund der neuen Beratungen ist ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall Anfang August. Am 4. August wurde am Flughafen Leipzig eine mutmaßlich mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt. In unmittelbarer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als wichtiger Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine im Krieg gegen Russland. Medienberichten zufolge sollen dort mehrere Drohnen eingesetzt worden sein.
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte in einem RTL-Interview an, dass die Bundesregierung die Verantwortlichen für den Vorfall in Kürze benennen werde. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte bislang lediglich von "fremden Mächten" gesprochen. Sicherheitsbehörden prüfen den Verdacht, dass Russland hinter dem Vorfall stehen könnte. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.
Für die Innenminister der Länder ist der Fall Leipzig ein deutliches Signal, den Schutz kritischer Infrastruktur weiter auszubauen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Joachim Schwickert sprach von einem "deutliches Warnsignal". Drohnen seien längst Teil hybrider Bedrohungen. Rheinland-Pfalz investiere deshalb verstärkt in moderne Abwehrtechnik.
Gleichzeitig machte Schwickert deutlich, dass eine wirksame Drohnenabwehr nur gemeinsam gelingen könne. Er forderte eine enge Zusammenarbeit zwischen Landespolizeien, Bundespolizei, Bundeswehr, US-Streitkräften, Betreibern kritischer Infrastruktur sowie dem Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum.
Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul warnte vor einer Unterschätzung der Gefahr. Der Vorfall in Leipzig sei "ein Weckruf: Drohnen sind längst kein Spielzeug mehr, sie können zu Bomben werden". Zugleich verlangte er klare gesetzliche Zuständigkeiten für den Einsatz von Sicherheitskräften im Ernstfall. "Wer greift wann ein? Wer darf was? Und wer trägt Verantwortung?"
Die Diskussion zeigt, dass Drohnenabwehr inzwischen zu den zentralen sicherheitspolitischen Herausforderungen in Deutschland und Europa zählt. Insbesondere kritische Infrastruktur wie Flughäfen, Energieanlagen oder militärische Einrichtungen rückt dabei zunehmend in den Fokus.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Bedrohung fliegt längst über unseren Köpfen
Der Vorfall von Leipzig macht deutlich, wie stark sich das Sicherheitsumfeld verändert hat. Kleine Drohnen können heute große Schäden anrichten und kritische Infrastruktur gefährden. Die Diskussion darf deshalb nicht bei zusätzlichen Treffen stehen bleiben. Deutschland braucht klare Zuständigkeiten, moderne Technik und ein eng verzahntes Sicherheitskonzept zwischen Bund, Ländern und europäischen Partnern. Geschwindigkeit wird dabei zum entscheidenden Faktor.
Historischer Hintergrund
Drohnen spielen weltweit sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eine immer größere Rolle. Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben unbemannte Fluggeräte ihre Bedeutung für Aufklärung, Sabotage und Angriffe eindrucksvoll gezeigt. Auch in Europa wächst die Sorge vor hybriden Bedrohungen gegen kritische Infrastruktur, Flughäfen und Energieversorgung. Zahlreiche Staaten investieren deshalb massiv in neue Systeme zur Drohnenerkennung und -abwehr.
Zukunftsprognose
Deutschland dürfte seine Fähigkeiten zur Drohnenabwehr in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Neben technischen Investitionen werden vermutlich gesetzliche Regelungen für Zuständigkeiten und Eingriffsbefugnisse angepasst. Unternehmen aus den Bereichen Sicherheits-, Radar-, Sensor- und Drohnenabwehrtechnik könnten wirtschaftlich profitieren. Gleichzeitig dürfte die europäische Zusammenarbeit beim Schutz kritischer Infrastruktur weiter intensiviert werden.
Erklärungen
Was ist Drohnenabwehr?
Drohnenabwehr umfasst alle Maßnahmen zur Erkennung, Identifizierung und Abwehr unbemannter Fluggeräte. Dazu gehören Radarsysteme, Funkstörsender, optische Sensoren und spezielle Abfangsysteme, um gefährliche Drohnen unschädlich zu machen.
Was ist hybride Bedrohung?
Hybride Bedrohungen verbinden militärische und nichtmilitärische Mittel wie Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation oder Drohneneinsätze. Ziel ist es, Staaten und ihre Infrastruktur zu destabilisieren, ohne einen klassischen militärischen Angriff zu führen.
OZD-Extras
Der Markt für Drohnenabwehrtechnik wächst weltweit rasant. Experten erwarten in den kommenden Jahren milliardenschwere Investitionen in Sensorik, künstliche Intelligenz und automatisierte Abwehrsysteme. An den Börsen könnten insbesondere Unternehmen aus der Sicherheits-, Verteidigungs- und Hochtechnologiebranche von dieser Entwicklung profitieren.
Gewinnspiel
Wo wurde Anfang August eine mutmaßlich mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt?
A) Flughafen Frankfurt
B) Flughafen München
C) Flughafen Leipzig/Halle
D) Flughafen Hamburg
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.