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Alarmstufe Rot in der Pflege: Milliardenloch bedroht Millionen Versicherte

Der Pflegeversicherung droht laut GKV schon im Oktober das Geld auszugehen. Milliarden fehlen – jetzt wächst der Druck auf die Bundesregierung.

Fakten im Überblick

Der GKV-Spitzenverband warnt vor einem Finanzloch von 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2026.

Bereits im Oktober könnten die laufenden Einnahmen die Pflegeleistungen nicht mehr vollständig decken.

Gesundheitsminister Carsten Linnemann will noch im September eine umfassende Pflegereform vorlegen.


Die finanzielle Lage der gesetzlichen Pflegeversicherung spitzt sich dramatisch zu. Der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (GKV) schlägt Alarm und warnt davor, dass bereits im Oktober die laufenden Einnahmen nicht mehr ausreichen könnten, um sämtliche Pflegeleistungen vollständig zu finanzieren.

GKV-Vorstandsvorsitzender Oliver Blatt sprach von einer "Alarmstufe Rot". Die Ausgaben der Pflegeversicherung stiegen inzwischen nahezu dreimal so stark wie die Einnahmen. Bis zum Jahresende werde ein zusätzliches Finanzloch von rund 500 Millionen Euro erwartet. Einschließlich des bereits bestehenden Defizits summiert sich der Fehlbetrag 2026 auf rund 4,4 Milliarden Euro. Der Bund hat die Pflegeversicherung in diesem Jahr bereits mit 3,2 Milliarden Euro gestützt.

Noch dramatischer fällt der Blick in die Zukunft aus. Für das Jahr 2027 rechnet der GKV-Spitzenverband mit einem ungedeckten Finanzbedarf von rund zehn Milliarden Euro.

Trotz der ernsten Lage beruhigte Blatt Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Die Pflegeversicherung werde nicht zusammenbrechen. Sollte die Liquidität nicht mehr ausreichen, müsse im Ernstfall das Bundesamt für Soziale Sicherung einspringen und den Ausgleichsfonds stützen.

Als Hauptursache nennt der GKV-Spitzenverband die stark steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen. Allein in diesem Jahr kamen rund 370.000 neue Pflegebedürftige hinzu. Damit hat sich ihre Gesamtzahl seit der Reform im Jahr 2017 von rund drei auf inzwischen fast sechs Millionen Menschen nahezu verdoppelt. Zusätzlich treiben höhere Tariflöhne in der Pflege sowie steigende Kosten für Kurzzeit- und Verhinderungspflege die Ausgaben weiter nach oben.

Um kurzfristig für Entlastung zu sorgen, fordert der GKV-Spitzenverband die Rückzahlung der Corona-Schulden durch den Bund in Höhe von 5,2 Milliarden Euro. Außerdem solle der Staat künftig die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige übernehmen. Beide Maßnahmen zusammen würden die Pflegeversicherung jährlich um rund 5,3 Milliarden Euro entlasten.

Auch die Bundesländer stehen nach Ansicht der Krankenkassen in der Pflicht. Sie müssten die Investitionskosten der Pflegeheime wieder stärker übernehmen. Derzeit zahlen Pflegebedürftige im ersten Jahr eines Heimaufenthalts durchschnittlich deutlich mehr als 3.000 Euro Eigenanteil pro Monat.

Unterstützung erhält der GKV-Spitzenverband unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund sowie von Grünen und Linken. Der DGB fordert eine grundlegende Pflegevollversicherung, in die künftig alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen. Die Linke spricht sich ebenfalls für eine breitere Finanzierung aus, an der auch Gutverdienende und Privatversicherte beteiligt werden sollen.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will seinen Gesetzentwurf für die Pflegereform noch im September ins Bundeskabinett einbringen. Nach bisherigen Planungen soll die Reform zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Neben kurzfristigen Finanzhilfen fordert der GKV-Spitzenverband tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Dazu zählen eine stärkere Prävention, der konsequente Ausbau digitaler Lösungen sowie eine Überprüfung der seit 2017 deutlich erweiterten Zugangsvoraussetzungen zur Pflegeversicherung. Blatt machte deutlich, dass dabei "unbequeme Entscheidungen" kaum zu vermeiden seien.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Pflegekrise ist kein Zukunftsproblem mehr

Die Warnung der Krankenkassen kommt nicht überraschend, sondern viel zu spät. Seit Jahren wächst die Zahl der Pflegebedürftigen schneller als das Finanzierungssystem mithalten kann. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie- und Betriebskosten kontinuierlich an. Die Politik steht nun vor einer unangenehmen Wahrheit: Ohne tiefgreifende Reformen werden entweder Beiträge deutlich steigen oder Leistungen eingeschränkt werden müssen. Die Pflegeversicherung braucht endlich ein nachhaltiges Finanzierungsmodell statt kurzfristiger Milliardenhilfen.

Historischer Hintergrund

Die soziale Pflegeversicherung wurde 1995 eingeführt und gilt als fünfte Säule der deutschen Sozialversicherung. Mit der Pflegereform 2017 wurden die Leistungen erheblich ausgeweitet und der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Gleichzeitig sorgt der demografische Wandel dafür, dass immer mehr ältere Menschen pflegebedürftig werden, während die Zahl der Beitragszahler vergleichsweise langsamer wächst.

Zukunftsprognose

Die Finanzierung der Pflege wird zu den größten sozialpolitischen Herausforderungen Deutschlands gehören. Ohne Reformen dürften die Beitragssätze in den kommenden Jahren weiter steigen. Gleichzeitig wird der Fachkräftemangel den Kostendruck zusätzlich erhöhen. Digitalisierung, Prävention und eine breitere Finanzierungsbasis gelten als entscheidende Bausteine für eine langfristige Stabilisierung des Systems.

Erklärungen

Was ist die gesetzliche Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung unterstützt Menschen, die dauerhaft pflegebedürftig sind. Sie übernimmt je nach Pflegegrad einen Teil der Kosten für ambulante oder stationäre Pflege. Finanziert wird sie überwiegend durch Pflichtbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Was ist das Bundesamt für Soziale Sicherung?

Das Bundesamt für Soziale Sicherung überwacht unter anderem die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. In finanziellen Notlagen kann es Maßnahmen zur Stabilisierung der Sozialversicherungen koordinieren und den Ausgleichsfonds verwalten.

OZD-Extras

Seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen nahezu verdoppelt. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass dieser Trend nach Einschätzung von Experten in den kommenden Jahrzehnten weiter anhält.

An den Finanzmärkten könnten vor allem Unternehmen aus den Bereichen Pflege, Medizintechnik und Digitalisierung profitieren, wenn die angekündigte Reform verstärkt auf digitale Unterstützungssysteme und effizientere Pflegeprozesse setzt. Gleichzeitig dürfte die Diskussion über steigende Sozialabgaben für Unternehmen und Arbeitnehmer wirtschaftspolitisch weiter an Bedeutung gewinnen.

Gewinnspiel

Wie hoch ist nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes das erwartete Defizit der Pflegeversicherung im Jahr 2026?

A) 2,1 Milliarden Euro

B) 4,4 Milliarden Euro

C) 7,8 Milliarden Euro

D) 10 Milliarden Euro

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.