Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Hitze, Trockenheit, Ernteausfälle: Deutschlands Landwirtschaft kämpft ums Überleben

Die Folgen von Dürre und extremer Hitze treffen Deutschlands Landwirtschaft mit voller Wucht. Bundesagrarminister Alois Rainer spricht von einer „massiven Krise von nationaler Tragweite“ und kündigt finanzielle Hilfen an.

Fakten im Überblick

Agrarminister Alois Rainer spricht von einer „massiven Krise von nationaler Tragweite“.

Besonders Mais, Zuckerrüben, Spargel und Hopfen verzeichnen deutliche Ernteeinbußen.

Die Bundesregierung plant zusätzliche Liquiditätshilfen und weitere Unterstützungsprogramme.


Für viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland fällt die Ernte 2026 deutlich schlechter aus als erhofft. Bei der Vorstellung des Ernteberichts seines Ministeriums erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), die diesjährige Ernte sei für zahlreiche Landwirtschaftsfamilien eine „herbe Enttäuschung“. Die Auswirkungen von Hitze und anhaltender Trockenheit hätten eine „massive Krise von nationaler Tragweite“ ausgelöst. Den betroffenen Betrieben stellte der Minister finanzielle Unterstützung in Aussicht.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wird die Getreideernte in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich 37,4 Millionen Tonnen erreichen. Das entspricht einem Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Zwar steigt der Ertrag pro Hektar leicht auf 69,1 Dezitonnen, doch regional fallen die Unterschiede erheblich aus.

Besonders dramatisch ist die Situation beim Mais. Die erwartete Erntemenge liegt rund 16 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt, während der Ertrag pro Hektar sogar um 24,2 Prozent einbricht. Auch Zuckerrüben sind stark betroffen. Die Anbaufläche schrumpfte um 16 Prozent, gleichzeitig sinken die Erträge je Hektar um rund sieben Prozent.

Beim Obst zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Apfelernte fällt voraussichtlich fünf Prozent geringer aus als im langjährigen Durchschnitt. Dagegen entwickeln sich die Erträge bei Kirschen und Pflaumen deutlich besser. Rückgänge verzeichnen hingegen auch Spargel und Hopfen.

Rainer betonte, dass es nicht allein um Erntemengen gehe. „Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie viel wurde geerntet? Die entscheidende Frage lautet: In welchem Zustand sind unsere Betriebe heute?“ Neben den Wetterextremen belasteten hohe Betriebskosten – insbesondere durch gestiegene Dieselpreise – die wirtschaftliche Lage vieler Höfe zusätzlich. Ziel sei es nun, einen dauerhaften Strukturbruch in der Landwirtschaft zu verhindern.

Besonders angespannt sei zudem die Versorgung mit Tierfutter. Vor allem in Süd- und Südwestdeutschland wuchs auf vielen Wiesen nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nach. Zahlreiche Betriebe mussten deshalb bereits im Sommer auf ihre Winterfutterreserven zurückgreifen.

Zur Unterstützung kündigte der Minister eine Aufstockung des Liquiditätshilfeprogramms der Landwirtschaftlichen Rentenbank um 300 Millionen Euro auf insgesamt 500 Millionen Euro Darlehensvolumen an. Parallel laufen Gespräche mit dem Bundesfinanzministerium über weitere Hilfen. „Es geht um nichts weniger als die Ernährungssicherung in Deutschland“, sagte Rainer.

Darüber hinaus soll die steuerliche Gewinnglättung über das Jahr 2028 hinaus verlängert werden. Außerdem stellt das Ministerium der Fischerei bis zu 4,5 Millionen Euro als Dieselbeihilfe bereit. Zusätzlich sollen in den kommenden drei Jahren bis zu drei Millionen Euro in eine sogenannte Referenzflotte fließen, deren Fischer wissenschaftliche Daten im Auftrag des Bundes erheben.

Auch der Deutsche Bauernverband hatte bereits vor wenigen Wochen eine unterdurchschnittliche Ernte prognostiziert und wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage ein Sofortprogramm gefordert. Die Linke im Bundestag hält die angekündigten Maßnahmen dagegen für unzureichend und verlangt einen umfassenden Krisenfonds für betroffene landwirtschaftliche Betriebe.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Ernährungssicherheit steht auf dem Spiel

Die diesjährige Erntebilanz ist weit mehr als eine schlechte Nachricht für Landwirte. Sie zeigt, wie verwundbar Deutschlands Lebensmittelversorgung durch den Klimawandel und steigende Produktionskosten geworden ist. Wenn immer mehr Betriebe wirtschaftlich unter Druck geraten oder aufgeben müssen, drohen langfristig höhere Lebensmittelpreise und eine wachsende Abhängigkeit von Importen. Finanzhilfen können kurzfristig helfen – sie ersetzen jedoch keine nachhaltige Strategie für klimaresistente Landwirtschaft, Wassermanagement und faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Historischer Hintergrund

Deutschland zählt zu den wichtigsten Agrarstandorten Europas. Besonders die Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt prägen die landwirtschaftliche Produktion. In den vergangenen Jahren haben sich Dürreperioden und Hitzewellen deutlich gehäuft. Bereits die Sommer 2018, 2022 und 2025 führten regional zu erheblichen Ernteverlusten und milliardenschweren Belastungen für Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft.

Zukunftsprognose

Experten erwarten, dass extreme Wetterereignisse in Deutschland und Europa künftig häufiger auftreten. Landwirtschaftliche Betriebe werden verstärkt in Bewässerungssysteme, trockenheitsresistente Sorten und moderne Anbaumethoden investieren müssen. Gleichzeitig könnten sinkende Erntemengen die Preise für Getreide, Futtermittel und Lebensmittel weiter steigen lassen. Auch die Versorgungssicherheit innerhalb Europas dürfte dadurch stärker in den Fokus der Politik rücken.

Erklärungen

Was ist der Erntebericht?

Der Erntebericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums fasst jährlich die wichtigsten Daten zur landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland zusammen. Er bewertet Erträge, Wetterbedingungen und die wirtschaftliche Lage der Betriebe.

Wer ist Alois Rainer?

Alois Rainer ist Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat. Der CSU-Politiker verantwortet die Agrarpolitik der Bundesregierung und ist unter anderem für Ernährungssicherheit, Landwirtschaft sowie ländliche Entwicklung zuständig.

OZD-Extras

Die schwächeren Ernten könnten sich auch auf die Börsen auswirken. Unternehmen aus den Bereichen Agrarhandel, Düngemittel, Lebensmittelproduktion und Logistik beobachten die Entwicklung genau. Gleichzeitig könnten steigende Agrarrohstoffpreise internationale Märkte und Verbraucherpreise weiter beeinflussen.

Gewinnspiel

Welche Kulturpflanze ist laut Erntebericht 2026 besonders stark von der Trockenheit betroffen?

A) Mais

B) Weintrauben

C) Raps

D) Kartoffeln

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.