Fakten im Überblick
Volkswagen verkauft das Werk Osnabrück an das Land Niedersachsen und den Investor Aurelius Capital aus Tel Aviv.
Künftig sollen dort Systeme und Komponenten für Luftverteidigungstechnologie des israelischen Konzerns Rafael gefertigt werden.
Für 1.200 der derzeit rund 1.800 Beschäftigten wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 vereinbart.
Volkswagen beendet die Fahrzeugproduktion im Werk Osnabrück und schlägt ein völlig neues Kapitel auf. Das Land Niedersachsen, der VW-Konzern, die Investmentgesellschaft Aurelius Capital aus Tel Aviv sowie der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defence Systems unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung. Ziel ist es, den traditionsreichen Automobilstandort in ein Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungstechnologie umzuwandeln.
Die niedersächsische Landesregierung erklärte, die Vereinbarung solle den Standort langfristig sichern und gleichzeitig auf die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa reagieren. Ministerpräsident Olaf Lies sprach von einer "Verantwortung" ebenso wie von einer wirtschaftlichen Chance für Niedersachsen und Deutschland.
Im ersten Schritt sollen in Osnabrück Systeme und Komponenten für deutsche und europäische Luftverteidigungssysteme produziert werden. Rafael-Chef Yoav Tourgeman erklärte: "Unsere bewährte Kampftechnologie entwickelt sich ständig weiter, um den Bedrohungen voraus zu sein - damit hochzuverlässige Verteidigung immer gewährleistet ist." Der israelische Technologiekonzern ist weltweit insbesondere für das Raketenabwehrsystem Iron Dome bekannt.
Volkswagen hatte bereits 2024 beschlossen, die Fahrzeugfertigung in Osnabrück Mitte 2027 auslaufen zu lassen. Seitdem wurde über verschiedene Zukunftsmodelle für das Werk diskutiert. Nun soll der Standort vollständig in neue Hände übergehen. Nach Angaben des Konzerns übernehmen das Land Niedersachsen und Aurelius Capital die Volkswagen Osnabrück GmbH. Das Unternehmen aus Tel Aviv investiert nach eigenen Angaben gezielt in Verteidigungstechnologie, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und kritische Infrastruktur.
Welche konkreten Produkte künftig in Osnabrück gefertigt werden, wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Medienberichten zufolge könnten unter anderem Militärfahrzeuge oder Komponenten für Raketenabwehrsysteme entstehen.
Volkswagen-Chef Oliver Blume betonte: "Volkswagen steht zu seiner Verantwortung für Osnabrück. Mit der heutigen Vereinbarung gehen wir einen wichtigen Schritt, um dem Standort eine neue industrielle Zukunft zu eröffnen."
Auch der Gesamtbetriebsrat begrüßte die Einigung als wichtigen Schritt für die Beschäftigten. Demnach konnten tarifliche Regelungen, Betriebsvereinbarungen und Mitbestimmungsrechte gesichert werden. Für 1.200 Beschäftigte besteht eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2029. Der notwendige Personalabbau soll überwiegend über Altersteilzeit und Renteneintritte erfolgen.
Betriebsratsvorsitzender Jürgen Placke sprach von einem "ersten großen Erfolg". Nun gelte es, weitere Projekte nach Osnabrück zu holen, um möglichst allen Beschäftigten langfristige Perspektiven bieten zu können.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Deutschlands Industrie erlebt einen historischen Wandel
Der Verkauf des VW-Werks markiert mehr als einen Eigentümerwechsel. Er steht symbolisch für den tiefgreifenden Strukturwandel der deutschen Industrie. Während die Automobilbranche unter hohem Wettbewerbsdruck steht, wächst die Verteidigungsindustrie angesichts der geopolitischen Lage rasant. Für Osnabrück bedeutet das neue Chancen, aber auch einen tiefen Einschnitt in die industrielle Identität der Region. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Wandel Arbeitsplätze dauerhaft sichern kann.
Historischer Hintergrund
Das Volkswagen-Werk in Osnabrück zählt seit Jahrzehnten zu den traditionsreichen Automobilstandorten Deutschlands. Nach der Entscheidung von Volkswagen, die Fahrzeugproduktion bis 2027 auslaufen zu lassen, wurde intensiv nach einer industriellen Nachfolgelösung gesucht. Gleichzeitig investieren zahlreiche europäische Staaten seit dem russischen Angriff auf die Ukraine massiv in den Ausbau ihrer Verteidigungsfähigkeit und Luftabwehrsysteme.
Zukunftsprognose
Der Standort Osnabrück könnte sich zu einem wichtigen Zentrum der europäischen Verteidigungsindustrie entwickeln. Die Nachfrage nach moderner Luftverteidigung dürfte in Deutschland, Europa und innerhalb der NATO weiter steigen. Wirtschaftlich stärkt der Einstieg internationaler Investoren den Industriestandort Niedersachsen. Auch an den Börsen könnte die Entwicklung positive Impulse für Unternehmen der europäischen Rüstungs- und Sicherheitstechnologie auslösen, während der Umbau den tiefgreifenden Wandel der Automobilbranche weiter unterstreicht.
Erklärungen
Was ist Rafael Advanced Defence Systems?
Rafael Advanced Defence Systems ist ein israelischer Rüstungstechnologiekonzern mit Sitz in Israel. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Luftverteidigungssysteme, Lenkwaffen, Sensoren sowie moderne Sicherheitstechnologien und ist international vor allem für das Raketenabwehrsystem Iron Dome bekannt.
Was ist Aurelius Capital?
Aurelius Capital ist eine Investmentgesellschaft aus Tel Aviv, die sich auf Beteiligungen an Technologieunternehmen in den Bereichen Verteidigung, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und kritische Infrastruktur spezialisiert hat.
OZD-Extras
Mit dem Umbau des VW-Werks entsteht erstmals an einem ehemaligen großen deutschen Automobilstandort ein Industriezentrum mit Schwerpunkt auf Luftverteidigungstechnologie. Der Schritt gilt als eines der deutlichsten Beispiele für den Wandel der deutschen Industrie infolge der veränderten Sicherheitslage in Europa.
Gewinnspiel
Welcher Konzern soll künftig Luftverteidigungssysteme am Standort Osnabrück fertigen?
A) Rafael Advanced Defence Systems
B) Rheinmetall
C) Airbus Defence
D) Lockheed Martin
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.