Fakten im Überblick
5,6 Terabyte gestohlene Daten wurden nach einer gescheiterten Erpressung im Darknet veröffentlicht.
Militärische Verteidigungsdaten sind laut Berliner Senat nicht betroffen.
Die Berliner Wahlen sollen nach Angaben des Senats dennoch sicher stattfinden.
Der folgenschwere Hackerangriff auf mehrere Berliner Senatsverwaltungen beschäftigt die Sicherheitsbehörden weiter. Nach Angaben des Berliner Senats wurden zwar keine militärischen Verteidigungsdaten entwendet, dennoch könnten sensible Informationen zur kritischen Infrastruktur sowie personenbezogene Daten zahlreicher Bürgerinnen und Bürger betroffen sein.
Berlins IT-Staatssekretär Florian Hauer erklärte, dass militärische Informationen in den betroffenen Senatsverwaltungen gar nicht gespeichert gewesen seien. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich in den veröffentlichten Datensätzen Unterlagen mit Bezug zur kritischen Infrastruktur befinden. Dazu könnten beispielsweise Notfall- und Krisenpläne zählen.
Besonders brisant ist die Möglichkeit, dass auch persönliche Daten von Bürgerinnen und Bürgern veröffentlicht wurden. Der Senat versucht derzeit, die insgesamt 5,6 Terabyte umfassenden Daten aus dem Darknet herunterzuladen und in einer gesicherten Umgebung auszuwerten. Erst danach könne festgestellt werden, welche Personen konkret betroffen seien. Die Information der Betroffenen werde nach Angaben Hauers voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) versuchte gleichzeitig, Sorgen um die anstehenden Wahlen zu zerstreuen. Die sogenannte Wahlumgebung sei von der Cyberattacke nicht betroffen. "Daher sind die Wahlen Stand heute sicher", erklärte Wegner mit Blick auf die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen am kommenden Sonntag.
Bekannt geworden war der Angriff Mitte August. Ziel der Hacker waren die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Die Täter forderten zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin. Nachdem der Berliner Senat die Zahlung verweigerte, veröffentlichten die Angreifer die gestohlenen Daten im Darknet.
Nach Medienberichten befinden sich darunter unter anderem private Handynummern, Geburtsurkunden, Personalakten, Führungszeugnisse sowie Unterlagen zum Gefahrenschutz und Dokumente im Zusammenhang mit der Erweiterung des Bundeskanzleramts.
Die Folgen des Angriffs waren erheblich. Mehrere Behörden mussten für rund eine Woche vollständig vom Landesnetz getrennt werden. Zeitweise konnten wichtige Verwaltungsleistungen wie die Beantragung oder Auszahlung von Wohngeld nicht durchgeführt werden.
Nach Angaben des Senats gebe es inzwischen keine Hinweise mehr auf eine aktive Infiltration der betroffenen Systeme. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun darauf, den genauen Umfang des Datenabflusses sowie die Vorgehensweise der Täter zu rekonstruieren.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Deutschlands Behörden bleiben ein attraktives Angriffsziel
Der Berliner Hackerangriff zeigt erneut, wie verwundbar staatliche IT-Systeme trotz milliardenschwerer Digitalisierungsprogramme bleiben. Während militärische Daten offenbar geschützt waren, könnten sensible Bürgerinformationen und Dokumente zur kritischen Infrastruktur nun weltweit kursieren. Cyberangriffe entwickeln sich längst zu einer der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas. Der Schutz öffentlicher IT-Systeme darf deshalb nicht länger nur Verwaltungsaufgabe sein, sondern muss als nationale Sicherheitsfrage verstanden werden.
Historischer Hintergrund
Deutschland verzeichnet seit Jahren eine steigende Zahl professioneller Cyberangriffe auf Behörden, Unternehmen und kritische Infrastruktur. Besonders seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben europäische Sicherheitsbehörden vor einer erhöhten Bedrohung durch Cyberkriminalität und mögliche staatlich unterstützte Hackergruppen gewarnt. Berlin als Hauptstadt mit zahlreichen Bundes- und Landesbehörden zählt dabei zu den besonders sensiblen Zielen.
Zukunftsprognose
Die forensische Auswertung der Daten dürfte Wochen oder sogar Monate dauern. Gleichzeitig werden Bund und Länder ihre IT-Sicherheitsstandards weiter verschärfen müssen. Der Angriff dürfte die Debatte über Investitionen in Cybersicherheit, digitale Verwaltung und den Schutz kritischer Infrastruktur zusätzlich beschleunigen. Unmittelbare Auswirkungen auf die Börsen sind nicht zu erwarten, Cybersecurity-Unternehmen könnten jedoch von steigenden Investitionen öffentlicher Auftraggeber profitieren.
Erklärungen
Was ist das Darknet?
Das Darknet ist ein spezieller, nicht frei zugänglicher Bereich des Internets. Dort werden unter anderem anonyme Kommunikationsdienste genutzt. Kriminelle verwenden das Darknet häufig für den Handel mit gestohlenen Daten oder zur Erpressung.
Was ist kritische Infrastruktur?
Zur kritischen Infrastruktur zählen Einrichtungen, deren Ausfall erhebliche Folgen für Staat und Gesellschaft hätte. Dazu gehören unter anderem Energieversorgung, Verkehr, Kommunikation, Gesundheitswesen, Wasser- und IT-Systeme.
OZD-Extras
Mit 5,6 Terabyte veröffentlichten Daten zählt der Angriff zu den größten bekannten Cybervorfällen gegen eine deutsche Landesverwaltung. Ein Datenvolumen dieser Größe entspricht mehreren Millionen Dokumentenseiten oder hunderttausenden hochauflösenden Bildern.
Gewinnspiel
Welche Daten sind laut Berliner Senat nicht von dem Hackerangriff betroffen?
A) Militärische Verteidigungsdaten
B) Bürgerdaten
C) Personalakten
D) Notfallpläne
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.