Fakten im Überblick
Iran meldet Angriffe auf insgesamt 20 US-Schiffe und Tanker in der Straße von Hormus.
Jordanien fing nach eigenen Angaben 18 iranische Raketen ab.
Die Ölpreise steigen erneut und nähern sich der Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Der Krieg zwischen dem Iran und den USA erreicht eine neue Eskalationsstufe. Nach erneuten US-Angriffen auf iranische Öltanker verstärkte Teheran seine Vergeltungsangriffe auf US-Ziele und Schiffe in der Golfregion deutlich. Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden seien insgesamt "zwei US-Schiffe, acht Öltanker und zehn Schiffe" angegriffen worden, die versucht hätten, die strategisch bedeutende Straße von Hormus zu passieren. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, die Schiffe hätten sich "nicht an die Vorschriften" gehalten und wollten "die gesperrte und unsichere Zone der Straße von Hormus" durchqueren.
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Energierouten der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Gasexports wird über die Meerenge zwischen Iran und Oman transportiert. Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen kontrolliert Teheran den Schiffsverkehr dort weitgehend und erhöht damit den Druck auf die internationale Energieversorgung.
Parallel verschärften die Vereinigten Staaten ihren wirtschaftlichen Druck auf den Iran. Das US-Finanzministerium verhängte neue Sanktionen gegen insgesamt 36 iranische Fluggesellschaften sowie Unternehmen der Luftfahrtbranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei, Malaysia und Kasachstan.
Die Revolutionsgarden hatten bereits zuvor angekündigt, als Reaktion auf US-Angriffe iranische Öltanker vor Kuwait und Bahrain anzugreifen. Die Besatzungen wurden aufgefordert, die Schiffe zu verlassen. Zugleich meldete die iranische Nachrichtenagentur Irna massive Raketenangriffe auf den von den USA genutzten Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak in Jordanien als "Strafe" für die Angriffe auf iranische Tanker.
Jordanien erklärte später, seine Luftverteidigung habe insgesamt 20 ballistische Raketen abgefangen. 18 davon seien erfolgreich zerstört worden, zwei seien in unbewohnten Gebieten eingeschlagen.
Die US-Armee hatte zuvor mitgeteilt, bei einem Vergeltungsschlag fünf iranische Öltanker zerstört zu haben. Das zuständige Regionalkommando Centcom erklärte, die Besatzungen seien vor den Angriffen aufgefordert worden, ihre Schiffe zu verlassen. Die Militäraktion sei eine Reaktion auf iranische Raketenangriffe gegen ein US-Kriegsschiff gewesen.
Auch auf iranischem Staatsgebiet nahm die militärische Aktivität weiter zu. Auf der Insel Charg im Persischen Golf sowie in der Hafenstadt Dschask wurden mehrere Explosionen gemeldet. Nach Angaben iranischer Medien wurde zudem ein kleiner iranischer Tanker durch eine US-Rakete beschädigt. Opfer habe es dabei nicht gegeben.
Zusätzlich erklärten die Revolutionsgarden, eine moderne US-Unterwasserdrohne in der Straße von Hormus beschlagnahmt zu haben. Das System sei unter anderem zur Unterwasseraufklärung, Minensuche sowie zur Überwachung von Unterseekabeln und Pipelines eingesetzt worden.
Die wachsende Unsicherheit belastet inzwischen die internationalen Energiemärkte erheblich. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl stieg auf 99,46 US-Dollar, während die US-Sorte WTI mit 94,45 Dollar den höchsten Stand seit Monaten erreichte. Händler befürchten weitere Preissteigerungen, sollte die Straße von Hormus dauerhaft beeinträchtigt werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Welt steuert auf einen gefährlichen Wendepunkt zu
Die aktuelle Eskalation zeigt, wie schnell regionale Konflikte globale Auswirkungen entfalten können. Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr des weltweiten Energiemarktes. Jeder Angriff auf Tanker oder Militärstützpunkte erhöht das Risiko eines unkontrollierbaren Flächenbrandes im Nahen Osten. Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass weitere Staaten direkt in den Konflikt hineingezogen werden. Diplomatische Lösungen werden mit jeder neuen Rakete schwieriger. Die wirtschaftlichen Folgen treffen längst nicht mehr nur die Region, sondern Verbraucher und Unternehmen weltweit.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Seit Jahrzehnten zählt sie zu den sensibelsten geopolitischen Brennpunkten der Welt. Immer wieder kam es dort zu Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Bereits während des sogenannten Tankerkriegs in den 1980er Jahren wurden Handelsschiffe angegriffen. Seit Beginn des aktuellen Konflikts haben sich die militärischen Zwischenfälle rund um den Persischen Golf, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait und Oman deutlich verschärft.
Zukunftsprognose
Sollte der Iran seine Angriffe auf Schiffe und US-Stützpunkte fortsetzen und Washington militärisch reagieren, droht eine weitere Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Golfregion. Besonders betroffen wären die internationalen Energie- und Rohstoffmärkte. Die Ölpreise könnten dauerhaft über die Marke von 100 US-Dollar steigen und weltweit Inflation sowie Transportkosten weiter antreiben. Auch die Börsen dürften angesichts wachsender geopolitischer Risiken mit erhöhter Volatilität reagieren. Besonders Energieunternehmen könnten kurzfristig profitieren, während Industrie, Fluggesellschaften und Logistikunternehmen unter steigenden Kosten leiden.
Erklärungen
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und zählt zu den wichtigsten Handelsrouten für Erdöl und Erdgas weltweit. Ein erheblicher Teil der globalen Energieversorgung wird über diese Wasserstraße transportiert.
Wer sind die Iranischen Revolutionsgarden?
Die Revolutionsgarden sind eine Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte. Sie verfügen über eigene Land-, Luft- und Seestreitkräfte und spielen eine zentrale Rolle bei der Außen- und Sicherheitspolitik des Iran. Sie kontrollieren zudem große wirtschaftliche Bereiche des Landes.
OZD-Extras
Sollte der Ölpreis dauerhaft über 100 US-Dollar steigen, könnten Energie-, Öl- und Rüstungskonzerne an den Börsen profitieren. Gleichzeitig würden Fluggesellschaften, Chemieunternehmen sowie viele Industriebetriebe unter steigenden Energie- und Transportkosten leiden. Auch für Verbraucher könnten Kraftstoffe und Heizkosten weltweit deutlich teurer werden.
Gewinnspiel
Welche Meerenge gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für Erdöl weltweit?
A) Bosporus
B) Straße von Hormus
C) Straße von Gibraltar
D) Suezkanal
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.