Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Deutschlands Schüler fallen zurück – Jetzt soll eine gemeinsame Kraftanstrengung die Wende bringen

Nach den schlechtesten Pisa-Ergebnissen aller Zeiten ruft Kanzler Friedrich Merz zu einer gemeinsamen Bildungsoffensive auf. Auch Social Media gerät in den Fokus.

Fakten im Überblick

Friedrich Merz bietet den Bundesländern eine gemeinsame Bildungsoffensive an.

Die Pisa-Studie zeigt die schlechtesten Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler seit Beginn der Erhebungen.

Bildungsministerin Karin Prien fordert eine Altersgrenze für Social Media.


Nach den historisch schlechten Ergebnissen Deutschlands in der aktuellen Pisa-Studie hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Bundesländern eine enge Zusammenarbeit zur Verbesserung des Bildungssystems angeboten. In der Generaldebatte des Bundestages sprach der Kanzler von einer notwendigen gemeinsamen Kraftanstrengung, um die Bildungsqualität in Deutschland nachhaltig zu stärken.

"Ich will den Ländern ausdrücklich anbieten, dass wir noch einmal gemeinsam zu einer großen Kraftanstrengung finden, um die Situation der Bildung in Deutschland zu verbessern", sagte Merz.

Obwohl Bildung in Deutschland überwiegend Sache der Bundesländer ist, könne der Bund unterstützend tätig werden. Die aktuellen Pisa-Ergebnisse bezeichnete Merz als "ernüchternd". Deutsche Schülerinnen und Schüler erzielten in Mathematik und Lesekompetenz die schlechtesten Werte seit Beginn der internationalen Vergleichsstudie.

Gleichzeitig machte der Bundeskanzler deutlich, dass Bildung nicht allein Aufgabe des Staates sei.

"Man kann Bildung und Erziehung nicht an den Staat outsourcen", erklärte Merz. "Auch die Familien, auch die Eltern gehören dazu und haben eine Verantwortung. Wenn wir das gemeinsam wahrnehmen, dann können wir das Problem lösen."

Auch aus der SPD kamen selbstkritische Töne. Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach sich dafür aus, der Bildungspolitik künftig deutlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen, obwohl diese nicht in erster Linie Aufgabe des Bundes sei.

Die Grünen forderten ebenfalls eine engere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Parteichefin Franziska Brantner kritisierte das föderale Nebeneinander und sprach sich dafür aus, erfolgreiche Bildungskonzepte bundesweit schneller zu übernehmen.

Bundesbildungsministerin Karin Prien sieht einen wesentlichen Grund für die schlechten Leistungen im steigenden Medienkonsum junger Menschen. Im Rundfunk Berlin-Brandenburg erklärte sie, dass Konzentrationsprobleme, fehlende Ausdauer und sinkende Lesekompetenz eng mit Social Media und übermäßiger Bildschirmzeit zusammenhingen.

"Dass die Kinder sich nicht mehr konzentrieren können, dass sie keine Ausdauer mehr haben, dass sie auch nicht mehr in der Lage sind, sinnentnehmend zu lesen, hat etwas mit Social Media und Bildschirmzeit zu tun."

Prien kündigte deshalb an, in den kommenden Wochen Vorschläge für eine Altersgrenze bei sozialen Netzwerken vorzulegen. Sie favorisiert eine Nutzung erst ab 13 oder 14 Jahren und setzt dabei langfristig auf eine europaweit einheitliche Regelung.

Die Pisa-Studie verdeutlicht zudem erneut den starken Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte deshalb sofortige Maßnahmen gegen Kinderarmut. Hauptgeschäftsführer Joachim Rock warnte davor, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien bereits früh im Bildungssystem zurückfielen.

Kritik an Merz kam unterdessen von der Linken. Bildungspolitikerin Nicole Gohlke bezeichnete dessen Aussage zur Verantwortung der Eltern als "zynisch". Eltern könnten weder fehlende Lehrkräfte ersetzen noch marode Schulen sanieren oder Schulsozialarbeit finanzieren. Dafür trage die Politik die Verantwortung.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Deutschlands Bildung steht am Scheideweg

Die neuen Pisa-Ergebnisse sind weit mehr als ein Warnsignal – sie dokumentieren eine strukturelle Krise des deutschen Bildungssystems. Seit Jahren wird über Lehrermangel, marode Schulen, Digitalisierung und Bildungsungleichheit diskutiert. Passiert ist zu wenig. Dass Bund und Länder nun enger zusammenarbeiten wollen, ist überfällig. Gleichzeitig greift es zu kurz, allein Social Media verantwortlich zu machen. Bildungserfolg hängt ebenso von Personal, Ausstattung, frühkindlicher Förderung und sozialer Chancengleichheit ab. Ohne grundlegende Reformen droht Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen.

Historischer Hintergrund

Die Pisa-Studie der OECD vergleicht seit dem Jahr 2000 regelmäßig die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Deutschland sorgte 2001 mit dem sogenannten "Pisa-Schock" erstmals für intensive Bildungsdebatten. Nach zwischenzeitlichen Verbesserungen zeigen die Ergebnisse inzwischen erneut einen deutlichen Abwärtstrend. Besonders auffällig bleibt der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.

Zukunftsprognose

Die Bundesregierung dürfte den Druck auf die Länder erhöhen, gemeinsame Bildungsstandards und Reformen umzusetzen. Gleichzeitig gewinnt die Debatte über den Einfluss von Smartphones, sozialen Netzwerken und Künstlicher Intelligenz auf das Lernverhalten weiter an Bedeutung. Langfristig entscheidet die Qualität des Bildungssystems wesentlich über Fachkräftesicherung, Innovationskraft und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Positive Reformen könnten das Vertrauen der Wirtschaft stärken, während anhaltende Bildungsdefizite den Fachkräftemangel verschärfen und das Wachstum bremsen könnten.

Erklärungen

Was ist die Pisa-Studie?

Die Pisa-Studie (Programme for International Student Assessment) ist ein internationaler Leistungsvergleich der OECD. Alle drei Jahre werden die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften untersucht.

Wer ist Karin Prien?

Karin Prien (CDU) ist Bundesbildungsministerin. Zuvor war sie Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und setzt sich für Bildungsreformen, frühkindliche Förderung sowie einen stärkeren Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum ein.

OZD-Extras

Bildungsökonomen gehen davon aus, dass schlechtere Bildungsleistungen langfristig das Wirtschaftswachstum bremsen können. Sinkende Kompetenzen erschweren die Fachkräftesicherung und wirken sich auf Innovationsfähigkeit, Produktivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Unternehmen beobachten deshalb die Entwicklung der Bildungspolitik zunehmend aufmerksam.

Gewinnspiel

Welche Maßnahme kündigte Bundesbildungsministerin Karin Prien nach den schlechten Pisa-Ergebnissen an?

A) Abschaffung der Schulpflicht

B) Einführung einer Altersgrenze für Social Media

C) Verlängerung der Sommerferien

D) Abschaffung der Pisa-Studie

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.