Fakten im Überblick
Die Deutsche Bahn plant künftig nur noch zwei bis drei Korridorsanierungen pro Jahr statt bisher vier.
Das gesamte Sanierungsprogramm wird sich dadurch deutlich verlängern.
Eine schnelle Verbesserung der Pünktlichkeit im Fernverkehr erwartet die Bahn selbst nicht.
Die Deutsche Bahn stellt ihr milliardenschweres Sanierungsprogramm neu auf und sorgt damit für gemischte Reaktionen. Um die Belastungen für Fahrgäste und Unternehmen zu reduzieren, sollen künftig weniger sogenannte Korridorsanierungen gleichzeitig durchgeführt werden. Statt bisher vier Großprojekte pro Jahr plant der Konzern künftig nur noch zwei bis drei umfassende Streckensanierungen. Für Reisende bedeutet das jedoch keineswegs eine schnelle Rückkehr zu einem zuverlässigeren Bahnverkehr.
DB-Chefin Evelyn Palla machte in Berlin deutlich, dass die bisherigen Erfahrungen eine Kurskorrektur erforderlich machten. "dass vier Korridorsanierungen pro Jahr (...) zu viel ist", erklärte sie. Neben der Belastung für den Betrieb spiele vor allem die Finanzierung eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium werde derzeit geprüft, wie viele Projekte mit den verfügbaren Mitteln aus den Sondervermögen überhaupt realistisch umgesetzt werden können.
Grundsätzlich hält die Deutsche Bahn jedoch an ihrer Strategie fest, besonders stark belastete Hauptstrecken über mehrere Monate vollständig zu sperren und umfassend zu modernisieren. Dieses Konzept war unter dem früheren Bahnchef Richard Lutz und dem damaligen Bundesverkehrsminister Volker Wissing eingeführt worden. Ursprünglich sollten mehr als 40 zentrale Schienenkorridore bis zum Jahr 2030 erneuert werden. Dieser Zeitplan dürfte sich nun noch weiter nach hinten verschieben.
Die Bahn räumt inzwischen auch Planungsfehler bei früheren Großprojekten ein. Künftig sollen Ausweichstrecken besser vorbereitet werden, bevor zentrale Hauptverbindungen vollständig gesperrt werden. Zuletzt hatte insbesondere die Sanierung der Strecke Hannover–Berlin für Kritik gesorgt, weil Ausweichrouten nicht rechtzeitig leistungsfähig waren und zusätzliche Einschränkungen verursachten.
Besonders ernüchternd für Millionen Pendler und Fernreisende ist jedoch die Einschätzung der Konzernspitze zur Pünktlichkeit. Palla machte deutlich, dass kurzfristig keine deutliche Verbesserung zu erwarten sei. Das deutsche Schienennetz sei vielerorts überaltert, störanfällig und dauerhaft überlastet. Gleichzeitig führe die Vielzahl der Bauarbeiten zwangsläufig zu weiteren Einschränkungen im Betrieb.
Die aktuellen Zahlen unterstreichen die Probleme. Im Fernverkehr erreichten zuletzt lediglich 54,2 Prozent der Züge ihr Ziel pünktlich. Zwar verbesserte sich die Quote gegenüber dem Vormonat leicht, dennoch bleibt fast jeder zweite ICE oder IC verspätet. Positiver fällt das Bild im Regionalverkehr aus, wo die Pünktlichkeit nach Angaben der Bahn regelmäßig nahe der 90-Prozent-Marke liegt.
Für Fahrgäste bedeutet dies vor allem eines: Die Modernisierung des deutschen Schienennetzes wird noch viele Jahre dauern – und Geduld bleibt weiterhin die wichtigste Reisebegleitung.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Deutschlands Schiene steckt im Dauerstau
Die Deutsche Bahn spricht inzwischen ungewöhnlich offen aus, was Millionen Fahrgäste längst täglich erleben: Eine schnelle Trendwende ist nicht in Sicht. Weniger Baustellen gleichzeitig klingen zunächst vernünftig, verlängern aber den Sanierungsprozess erheblich. Jahrzehntelang wurde zu wenig investiert – nun muss Deutschland die Folgen teuer und unter laufendem Betrieb aufholen. Ohne langfristig gesicherte Finanzierung, schnellere Genehmigungen und eine bessere Baustellenkoordination droht der Sanierungsstau zum Dauerzustand zu werden. Für Europas größte Volkswirtschaft ist das ein ernstes Standortproblem.
Historischer Hintergrund
Das deutsche Schienennetz zählt mit rund 33.000 Kilometern zu den größten Europas. Viele zentrale Strecken stammen jedoch in ihrer Grundstruktur aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Jahrzehntelang wurden notwendige Erneuerungen verschoben. Erst mit dem Korridorsanierungsprogramm begann die Deutsche Bahn, besonders belastete Hauptachsen wie Frankfurt–Mannheim, Hamburg–Berlin oder Hannover–Berlin vollständig zu modernisieren. Ziel ist eine höhere Zuverlässigkeit und mehr Kapazität für Personen- und Güterverkehr.
Zukunftsprognose
Die kommenden Jahre werden von umfangreichen Bauarbeiten geprägt bleiben. Kurzfristig dürften Verspätungen und Umleitungen weiter zum Alltag gehören. Langfristig könnten modernisierte Strecken allerdings die Grundlage für einen stabileren Deutschlandtakt sowie mehr Kapazitäten im europäischen Güterverkehr schaffen. Börsenseitig profitieren vor allem Unternehmen aus den Bereichen Bahntechnik, Signaltechnik, Infrastruktur, Bauwirtschaft sowie Hersteller digitaler Leit- und Sicherungssysteme.
Erklärungen
Was sind Korridorsanierungen?
Korridorsanierungen sind umfassende Modernisierungen stark genutzter Bahnstrecken. Dabei werden Gleise, Weichen, Oberleitungen, Brücken sowie Signal- und Stellwerkstechnik während einer mehrmonatigen Vollsperrung komplett erneuert.
Wer ist Evelyn Palla?
Evelyn Palla ist Vorstandsvorsitzende der DB Fernverkehr AG und gehört zum Führungsteam der Deutschen Bahn. Sie verantwortet unter anderem den Fernverkehr sowie die strategische Weiterentwicklung des Bahnangebots.
OZD-Extras
Deutschland investiert derzeit so viel wie nie zuvor in seine Schieneninfrastruktur. Allein die Digitalisierung der Stellwerke und der Ausbau moderner Leit- und Sicherungstechnik gelten als Milliardenmarkt. Davon profitieren langfristig zahlreiche europäische Infrastruktur- und Technologieunternehmen sowie Baukonzerne.
Gewinnspiel
Wie viele Korridorsanierungen pro Jahr plant die Deutsche Bahn künftig?
A) Eine
B) Zwei bis drei
C) Vier bis fünf
D) Sechs
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.