Fakten im Überblick
46 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme.
69 Prozent fühlen sich regelmäßig erschöpft und ausgelaugt.
Nur noch 57 Prozent blicken positiv in ihre eigene Zukunft.
Der Gesundheitszustand vieler Kinder und Jugendlicher in Deutschland verschlechtert sich spürbar. Eine aktuelle Befragung der DAK-Gesundheit zeigt, dass inzwischen fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn unter Schlafproblemen leidet. Mit 46 Prozent liegt der Anteil deutlich höher als noch im Schuljahr 2019/2020, als lediglich 36 Prozent über regelmäßige Schlafprobleme berichteten. Die Entwicklung bereitet Medizinern und Gesundheitsexperten große Sorgen.
Besonders alarmierend ist der starke Anstieg bei Erschöpfungserscheinungen. Mittlerweile fühlen sich 69 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen mindestens einmal pro Woche ausgelaugt und müde. Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei 52 Prozent. Die Folgen reichen weit über Müdigkeit hinaus und betreffen Konzentration, Leistungsfähigkeit und die psychische Gesundheit.
Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte und -ärztinnen, Michael Hubmann, sieht vor allem die intensive Nutzung sozialer Medien als einen wesentlichen Auslöser. "Kinder und Jugendliche, die bis spät in den Abend soziale Medien nutzen oder, algorithmisch getriggert, aufwühlende Videos konsumieren, werden vom gesunden Schlaf abgehalten", erklärte er.
Auch DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnt vor den langfristigen Folgen. "Wer schon in jungen Jahren erschöpft ist oder sogar unter Schlafstörungen leidet und nicht weiß, wie er mit solchen Belastungen umgehen kann, hat schlechtere Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen", erklärte Storm.
Die Studie zeigt zudem, dass das allgemeine Wohlbefinden vieler Kinder sinkt. 49 Prozent berichten von einem verminderten Wohlbefinden. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation gehören dazu Faktoren wie Lebensfreude, Entspannung, Aktivität und das Interesse am Alltag. Vor drei Jahren lag dieser Anteil noch bei 41 Prozent.
Besonders nachdenklich stimmt auch der Blick in die Zukunft. Nur noch 57 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler sehen ihre persönliche Zukunft positiv. Im Vorjahr waren es noch 62 Prozent. Die Ergebnisse stammen aus einer bundesweiten Untersuchung des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, das im Auftrag der DAK-Gesundheit mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche an 141 weiterführenden Schulen in 15 Bundesländern befragte.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Wenn Kinder schon erschöpft ins Leben starten
Die Ergebnisse sind weit mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigen, dass Schlafmangel, digitaler Dauerstress und psychische Belastungen längst zu einer gesellschaftlichen Herausforderung geworden sind. Wenn fast jedes zweite Schulkind schlecht schläft und zwei Drittel regelmäßig erschöpft sind, reicht es nicht mehr aus, allein auf Eigenverantwortung der Familien zu setzen. Schulen, Eltern, Politik und Plattformbetreiber müssen gemeinsam handeln. Wer den gesunden Schlaf einer ganzen Generation verliert, gefährdet langfristig Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Historischer Hintergrund
Seit der Corona-Pandemie beobachten Gesundheitsforscher in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig nahm die tägliche Bildschirmzeit durch Smartphones, Streamingdienste und soziale Netzwerke erheblich zu. Studien aus Deutschland, Skandinavien und Nordamerika zeigen übereinstimmend, dass spätes Medienverhalten den Schlafrhythmus nachhaltig beeinträchtigen kann.
Zukunftsprognose
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte der Bedarf an psychologischer Betreuung, Schlafmedizin und Präventionsprogrammen weiter steigen. Schulen werden künftig verstärkt Programme zur Medienkompetenz und Gesundheitsförderung integrieren müssen. Gleichzeitig wächst der politische Druck auf soziale Netzwerke, Kinder und Jugendliche besser vor dauerhaftem Medienkonsum und algorithmisch verstärkenden Inhalten zu schützen.
Erklärungen
Was ist Schlafmangel?
Schlafmangel beschreibt einen Zustand, bei dem der Körper dauerhaft weniger oder schlechter schläft, als für eine gesunde Entwicklung notwendig ist. Bei Kindern und Jugendlichen kann dies Konzentrationsprobleme, Lernschwierigkeiten, emotionale Belastungen und körperliche Erkrankungen begünstigen.
Was bedeutet Wohlbefinden nach der WHO?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter Wohlbefinden nicht nur das Fehlen von Krankheiten. Dazu gehören auch Lebensfreude, psychische Stabilität, soziale Teilhabe, körperliche Aktivität sowie die Fähigkeit, den Alltag positiv zu erleben und Herausforderungen zu bewältigen.
OZD-Extras
Kinder und Jugendliche benötigen je nach Alter zwischen acht und zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Bereits eine Stunde weniger kann nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Konzentrationsfähigkeit und das Erinnerungsvermögen deutlich verschlechtern.
Direkte Auswirkungen auf die Börsen ergeben sich aus der Studie nicht. Langfristig könnten jedoch Unternehmen aus den Bereichen digitale Gesundheitsversorgung, Schlafmedizin, Prävention und Medizintechnik von einer steigenden Nachfrage profitieren.
Gewinnspiel
Wie hoch ist laut der aktuellen DAK-Studie der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit regelmäßigen Schlafproblemen?
A) 28 Prozent
B) 36 Prozent
C) 46 Prozent
D) 69 Prozent
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.