Fakten im Überblick
Die ARD-Prognose von 18.00 Uhr sah die AfD bei 37,0 Prozent und die SPD bei 35,5 Prozent.
Die CDU lag in der ersten ARD-Prognose bei 5,5 Prozent und damit unmittelbar an der Fünfprozenthürde.
Die Wahlbeteiligung lag nach der im Ausgangstext genannten ZDF-Prognose bei 75,5 Prozent und damit über den 70,8 Prozent von 2021.
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein grundlegender Wandel der politischen Kräfteverhältnisse ab. Die ersten Prognosen von ARD und ZDF sahen am Sonntagabend die AfD knapp vor der bislang regierenden SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. In der ARD-Prognose von 18.00 Uhr erreichte die AfD 37,0 Prozent, die SPD folgte mit 35,5 Prozent. Die ersten Zahlen waren noch keine endgültigen Wahlergebnisse, zeigten aber einen deutlichen Zugewinn der AfD gegenüber der Landtagswahl 2021. Damals hatte sie 16,7 Prozent erreicht.
Für die SPD bedeutet der Wahlabend nach den Prognosen ebenfalls einen Einschnitt. Seit Jahrzehnten prägt sie die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern und stellte seit 1998 durchgehend die Ministerpräsidenten. 2021 hatte die Partei unter Schwesig noch 39,6 Prozent erreicht. In den letzten Tagen vor der aktuellen Wahl hatte sich allerdings bereits ein sehr enges Rennen abgezeichnet: Das ZDF-Politbarometer vom 18. September sah die SPD bei 37 und die AfD bei 36 Prozent und wies ausdrücklich auf die Unsicherheit der Projektionswerte hin.
Besonders angespannt war die Lage für die CDU. Sie kam in der ersten ARD-Prognose nur noch auf 5,5 Prozent und bewegte sich damit unmittelbar an der Fünfprozenthürde. Die Linke wurde zunächst bei 7,5 Prozent gesehen, die Grünen ebenfalls bei 5,5 Prozent. Das BSW lag bei genau fünf Prozent, während die FDP mit rund einem Prozent deutlich unter der Hürde blieb. Damit hing die Zusammensetzung des neuen Schweriner Landtags am frühen Wahlabend auch davon ab, welche der kleineren Parteien tatsächlich die Fünfprozentmarke überspringen würden.
Diese Unsicherheit hatte unmittelbare Auswirkungen auf die möglichen Mehrheiten. Das bisherige Bündnis aus SPD und Linken erreichte nach den ersten Zahlen keine Mehrheit mehr. Ob andere Konstellationen rechnerisch möglich werden, hängt wesentlich vom endgültigen Einzug von CDU, Grünen und BSW sowie von der späteren Sitzverteilung ab. Mehrere Parteien hatten bereits vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Deshalb ließ sich aus dem Abschneiden der stärksten Parteien allein noch nicht ableiten, welche Regierung Mecklenburg-Vorpommern künftig führen wird.
Auffällig war zudem die hohe Mobilisierung. Nach der von AFP wiedergegebenen ZDF-Prognose lag die Wahlbeteiligung bei 75,5 Prozent. Bei der Landtagswahl 2021 hatten 70,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bereits am Nachmittag hatte sich eine höhere Beteiligung abgezeichnet. Die Entwicklung unterstreicht die große Aufmerksamkeit für die Abstimmung im Nordosten Deutschlands.
Die Wahl besitzt auch bundespolitische Bedeutung. Besonders das schwache Abschneiden der CDU dürfte innerhalb der Partei intensiv analysiert werden. Gleichzeitig werden SPD und AfD die Entwicklung ihrer Ergebnisse gegenüber 2021 auswerten. Belastbare Aussagen über die Regierungsbildung können jedoch erst getroffen werden, wenn die Stimmenauszählung weiter fortgeschritten und geklärt ist, welche Parteien tatsächlich in den Landtag einziehen. Die ersten Prognosen markieren damit den Beginn eines Wahlabends, dessen entscheidende Frage über den ersten Platz hinausgeht: Welche parlamentarische Mehrheit lässt sich in Schwerin am Ende bilden?
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Ein Wahlabend mit vielen offenen Rechnungen
Die ersten Prognosen zeigen erhebliche Verschiebungen im Parteiensystem Mecklenburg-Vorpommerns. Besonders deutlich ist der Zugewinn der AfD gegenüber 2021, während die CDU nach den ersten Zahlen um ihre parlamentarische Vertretung kämpfen musste. Die SPD lag zwar hinter der AfD, erreichte aber einen deutlich höheren Wert, als manche Umfragen im Verlauf des zurückliegenden Jahres erwarten ließen.
Für die Regierungsbildung ist der erste Platz allein nicht entscheidend. Maßgeblich sind die Sitzverteilung und die Frage, welche Parteien miteinander Koalitionen eingehen wollen. Gerade weil mehrere kleinere Parteien nahe der Fünfprozenthürde lagen, konnten geringe Veränderungen bei der Auszählung die rechnerischen Mehrheiten erheblich verändern.
Die realistische Prognose für den weiteren Abend lautet deshalb: Erst Hochrechnungen und das vorläufige Endergebnis werden zeigen, welche Parteien im neuen Landtag vertreten sind und welche Koalitionen rechnerisch möglich werden. Aus den 18-Uhr-Prognosen allein lässt sich die künftige Landesregierung nicht bestimmen.
Historischer Hintergrund
Mecklenburg-Vorpommern wurde nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 als Bundesland neu gebildet. Seit 1998 wird die Landesregierung durchgehend von der SPD geführt. Manuela Schwesig übernahm 2017 das Amt der Ministerpräsidentin.
Bei der Landtagswahl 2021 erzielte die SPD 39,6 Prozent. Die AfD erreichte damals 16,7 Prozent, die CDU 13,3 Prozent, die Linke 9,9 Prozent und die Grünen 6,3 Prozent. Anschließend bildeten SPD und Linke eine gemeinsame Landesregierung.
Die Wahl 2026 findet in einer deutlich veränderten politischen Landschaft statt. Noch zwei Tage vor der Abstimmung lagen SPD und AfD im ZDF-Politbarometer mit 37 beziehungsweise 36 Prozent praktisch gleichauf. Die ersten Prognosen am Wahlabend drehten diese Reihenfolge um.
Zukunftsprognose
Die nächsten Stunden entscheiden zunächst darüber, welche Parteien tatsächlich in den Schweriner Landtag einziehen. Besonders bei CDU, Grünen und BSW können Veränderungen rund um die Fünfprozentmarke erhebliche Auswirkungen auf die Sitzverteilung haben.
Danach beginnt die Frage der Regierungsbildung. Weil das bisherige Bündnis aus SPD und Linken nach den ersten Prognosen keine eigene Mehrheit mehr erreicht, wären für eine Fortsetzung einer SPD-geführten Regierung zusätzliche Partner erforderlich. Welche Kombinationen tatsächlich möglich sind, hängt vom endgültigen Ergebnis ab.
Bundespolitisch dürften vor allem die starken Veränderungen bei AfD und CDU sowie das Abschneiden der SPD diskutiert werden. Direkte Auswirkungen auf Aktien, Rohstoffe oder Währungen sind von einer einzelnen Landtagswahl nicht zu erwarten. Für Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern können spätere Entscheidungen einer neuen Landesregierung zu Energie, Infrastruktur, Tourismus, Häfen und Wirtschaftsförderung jedoch relevant werden.
Wer ist Leif-Erik Holm?
Leif-Erik Holm ist ein Politiker der AfD und trat im Wahlkampf als Ministerpräsidentenkandidat seiner Partei auf. Die ersten Prognosen sahen die AfD am Wahlabend knapp vor der SPD.
Wer ist Manuela Schwesig?
Manuela Schwesig ist seit 2017 Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und gehört der SPD an. Ihre Partei regierte seit 2021 gemeinsam mit der Linken und erreichte damals 39,6 Prozent der Stimmen.
Was ist eine Wahlprognose?
Die 18-Uhr-Prognose ist noch kein ausgezähltes Wahlergebnis. Sie basiert unter anderem auf Befragungen von Wählerinnen und Wählern nach der Stimmabgabe. Im weiteren Verlauf des Abends folgen Hochrechnungen, in die zunehmend tatsächlich ausgezählte Wahlbezirke einfließen.
Warum ist die Fünfprozenthürde so wichtig?
Parteien unterhalb der gesetzlichen Sperrklausel werden grundsätzlich nicht über ihre Landesliste bei der Sitzverteilung berücksichtigt. Liegen mehrere Parteien unmittelbar um fünf Prozent, kann sich deshalb schon durch kleine Veränderungen die Zusammensetzung des Parlaments und damit die Zahl möglicher Mehrheiten verändern.
OZD-Extra – Die CDU erlebt einen historischen Zitterabend
Besondere Aufmerksamkeit richtete sich nach 18.00 Uhr auf die CDU. In der ersten ARD-Prognose erreichte sie lediglich 5,5 Prozent. Zum Vergleich: 2021 waren es noch 13,3 Prozent gewesen.
Damit stand am frühen Abend sogar die Frage im Raum, ob die Partei weiterhin im Schweriner Landtag vertreten sein würde. Für die CDU besitzt das Ergebnis deshalb nicht nur landespolitische Bedeutung, sondern dürfte auch innerhalb der Bundespartei ausführlich analysiert werden.
Ebenso entscheidend war die Lage bei Grünen und BSW. Solange nicht feststand, welche Parteien die Fünfprozenthürde überwinden, blieb auch die genaue parlamentarische Mehrheitslage offen.
Gewinnspiel
Welche beiden Parteien lagen in den ersten Prognosen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf den ersten beiden Plätzen?
A: CDU und Grüne
B: AfD und SPD
C: Linke und BSW
D: SPD und CDU
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.