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Reanimation im Notfall: Viele wollen Leben retten – doch es fehlt an Handlungssicherheit

Viele Menschen in Deutschland sind zur Reanimation bereit, fürchten aber Fehler. Eine Studie zeigt, wie Leitstellen, Kurse und Ersthelfer-Apps helfen könnten.

Fakten im Überblick

64 Prozent der Befragten würden bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand direkt mit der Reanimation beginnen.

Mit telefonischer Anleitung durch die Rettungsleitstelle steigt die Bereitschaft laut ADAC Stiftung auf 83 Prozent.

82 Prozent befürworten Wiederbelebung als festen Bestandteil des Schulunterrichts ab Klasse 7.

In einem medizinischen Notfall können wenige Minuten darüber entscheiden, ob ein Mensch überlebt und welche Folgeschäden zurückbleiben. Viele Menschen in Deutschland wären grundsätzlich bereit, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand einzugreifen. Doch zwischen dem Wunsch zu helfen und der Sicherheit, tatsächlich sofort mit einer Reanimation zu beginnen, besteht weiterhin eine Lücke. Das zeigt der aktuelle „Monitor Reanimation“ der ADAC Stiftung. Die Ergebnisse erscheinen anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“, die vom 21. bis 27. September bereits zum 15. Mal seit 2012 stattfindet.

Rund 130.000 Menschen erleiden nach Angaben der ADAC Stiftung in Deutschland jedes Jahr außerhalb einer Klinik einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. In diesen entscheidenden ersten Minuten sind es häufig Ehepartner, Angehörige, Freunde, Kollegen oder Nachbarn, die zuerst vor Ort sind. Bis professionelle Rettungskräfte eintreffen, können Wiederbelebungsmaßnahmen helfen, die Sauerstoffversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten. Bereits nach drei bis fünf Minuten ohne ausreichende Sauerstoffversorgung können bleibende Schäden entstehen. Umso wichtiger ist es, dass Anwesende einen Herzstillstand erkennen, den Notruf wählen und mit der Wiederbelebung beginnen.

Genau dabei zeigt die Befragung ein Problem: Zwar würden 64 Prozent nach eigenen Angaben direkt mit einer Reanimation beginnen, viele Menschen haben jedoch Angst, mit falschen Maßnahmen zusätzlichen Schaden anzurichten. Eine telefonische Begleitung durch die Rettungsleitstelle könnte diese Unsicherheit deutlich reduzieren. Wird den Befragten eine solche Anleitung in Aussicht gestellt, steigt die Bereitschaft zur Wiederbelebung von 64 auf 83 Prozent. Nach Angaben der Stiftung steht diese Unterstützung aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen bislang allerdings nicht flächendeckend in Deutschland zur Verfügung.

Christina Tillmann, Vorständin der ADAC Stiftung, sieht in den Ergebnissen dennoch ein ermutigendes Signal: „Die Ergebnisse machen Mut. Immer mehr Menschen in Deutschland trauen sich zu, im Notfall zu reanimieren. Immer mehr wollen ihre Kenntnisse auffrischen. Wir setzen uns dafür ein, möglichst viele Menschen handlungssicher zu machen, damit Überleben nicht vom Zufall abhängt.“ Tatsächlich wächst das Interesse an einer Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. 44 Prozent der Befragten möchten erneut einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen, drei Viertel davon spätestens im kommenden Jahr. Der Anteil der Menschen, die dazu „sehr gerne“ bereit sind, stieg gegenüber dem Vorjahr von 20 auf 27 Prozent.

Große Zustimmung gibt es auch für eine frühere und regelmäßige Ausbildung in Schulen. 82 Prozent der Befragten befürworten Reanimation als festen Bestandteil des Unterrichts ab Klasse 7. Nach Angaben der Stiftung haben bislang Hessen, das Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Nordrhein-Westfalen Wiederbelebung verpflichtend in die Lehrpläne der Sekundarstufe I aufgenommen. Gerade regelmäßiges Training könnte dazu beitragen, dass lebensrettende Handgriffe nicht nur theoretisch bekannt sind, sondern in einer Stresssituation tatsächlich abgerufen werden können.

Besonderen Handlungsbedarf sieht die Untersuchung bei älteren Menschen. Personen über 60 Jahre gehören statistisch zu den stärker gefährdeten Altersgruppen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Gleichzeitig erleben sie entsprechende Notfälle häufiger im eigenen Umfeld und können dadurch selbst zu Ersthelfenden werden. Dennoch haben nur 27 Prozent der über 60-Jährigen innerhalb der vergangenen zehn Jahre ein Reanimationstraining absolviert. In den vergangenen zwei Jahren waren es weniger als zehn Prozent. Lediglich 23 Prozent dieser Altersgruppe geben an zu wissen, wann eine Reanimation notwendig ist.

Zusätzliche Zeit könnten app-basierte Ersthelfer-Netzwerke gewinnen. Geht bei einer teilnehmenden Leitstelle ein entsprechender Notruf ein, wird neben dem Rettungsdienst gleichzeitig eine registrierte und qualifizierte Person alarmiert, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Nach Angaben der Betreiber solcher Systeme gelingt es im Durchschnitt, innerhalb von etwa vier Minuten einen Ersthelfenden zum Einsatzort zu bringen. Professionelle Rettungskräfte beginnen nach den Angaben der Stiftung durchschnittlich nach etwa sieben Minuten mit der Reanimation, in ländlichen Regionen kann es länger dauern. Noch kennt allerdings nicht einmal jeder fünfte Befragte das Konzept der Ersthelfer-Netzwerke. Nach einer Erklärung der Funktionsweise geben 23 Prozent an, dass sie sich wahrscheinlich registrieren lassen würden. Bundesweit sind bislang rund 185.000 Menschen in solchen Netzwerken registriert.

Für den „Monitor Reanimation“ befragte das Institut Norstat im Auftrag der ADAC Stiftung zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026 insgesamt 2.066 Menschen ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Deutschland online. Die Stichprobe ist nach Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentativ. Die Untersuchung zeigt vor allem eines: Die grundsätzliche Hilfsbereitschaft ist groß. Entscheidend ist, daraus Handlungssicherheit zu machen – damit Menschen im Ernstfall nicht aus Angst vor Fehlern wertvolle Minuten verstreichen lassen.

OZD/ADAC Stiftung

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Die Zahlen zeigen keinen Mangel an Hilfsbereitschaft. Sie zeigen vielmehr eine Unsicherheit, die nachvollziehbar ist: Wer plötzlich neben einem bewusstlosen Menschen steht, muss innerhalb weniger Augenblicke handeln und trägt gefühlt eine enorme Verantwortung.

Genau deshalb ist regelmäßiges Training so wichtig. Ein Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein, der möglicherweise Jahrzehnte zurückliegt, kann kaum die gleiche Handlungssicherheit schaffen wie wiederholte Übungen. Besonders bemerkenswert ist daher die breite Zustimmung zur Wiederbelebung im Schulunterricht. Wer schon als Jugendlicher lernt, wie eine Reanimation funktioniert, kann diese Fähigkeit über viele Jahre immer wieder auffrischen.

Auch die telefonische Reanimationsanleitung zeigt erhebliches Potenzial. Wenn die Bereitschaft unter dieser Voraussetzung von 64 auf 83 Prozent steigt, wird deutlich, welchen Unterschied professionelle Begleitung in einer Extremsituation machen kann. Die realistische Entwicklung dürfte deshalb in Richtung einer Kombination aus regelmäßiger Ausbildung, Leitstellenunterstützung und digitalen Ersthelfer-Netzwerken gehen.

Historischer Hintergrund

Die „Woche der Wiederbelebung“ findet 2026 zum 15. Mal seit 2012 statt. Fachorganisationen der Notfallmedizin wollen mit der bundesweiten Aktionswoche Hemmschwellen abbauen und Menschen dazu bewegen, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand einzugreifen.

Hintergrund ist die besondere Zeitkritik eines solchen Notfalls. Ohne ausreichende Sauerstoffversorgung können bereits nach wenigen Minuten bleibende Schäden im Gehirn entstehen. Deshalb beginnt die sogenannte Rettungskette nicht erst mit dem Eintreffen des Rettungsdienstes, sondern bereits bei den Menschen, die den Notfall beobachten.

Die ADAC Stiftung wurde 2016 gegründet und arbeitet schwerpunktmäßig in den Bereichen Mobilität und Lebensrettung. Seit Anfang 2017 ist sie alleinige Gesellschafterin der gemeinnützigen ADAC Luftrettung und unterstützt Projekte im Rettungswesen.

Zukunftsprognose

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass digitale und organisatorische Unterstützung künftig eine größere Rolle bei der Wiederbelebung spielen könnte. Ersthelfer-Apps können qualifizierte Helfer in unmittelbarer Umgebung alarmieren, während telefonische Anleitungen durch Rettungsleitstellen Menschen unterstützen können, die bislang keine oder nur wenig Erfahrung mit Reanimation besitzen.

Gesellschaftlich dürfte zugleich der Druck wachsen, Wiederbelebung stärker in Schulen zu verankern. Eine flächendeckende und regelmäßig wiederholte Ausbildung könnte langfristig dazu führen, dass Reanimation für größere Teile der Bevölkerung zu einer selbstverständlichen Grundkompetenz wird.

Wirtschaftliche Auswirkungen auf Börsen, Aktien, Rohstoffe oder Währungen sind durch die Untersuchung nicht zu erwarten. Für das Gesundheits- und Rettungswesen können bessere Ersthelferstrukturen jedoch langfristig relevant sein, weil eine frühzeitige Reanimation Überlebenschancen verbessern und schwere Folgeschäden begrenzen kann.

Was ist eine Reanimation?

Eine Reanimation oder Wiederbelebung wird notwendig, wenn ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet und nicht normal atmet. Ziel ist es, den Blutkreislauf künstlich aufrechtzuerhalten, bis professionelle medizinische Hilfe eintrifft.

Warum sind die ersten Minuten so wichtig?

Das Gehirn benötigt ständig Sauerstoff. Bleibt die Versorgung aus, können bereits nach drei bis fünf Minuten bleibende Schäden entstehen. Deshalb ist schnelles Handeln entscheidend.

Was sind app-basierte Ersthelfer-Netzwerke?

Dabei registrieren sich entsprechend qualifizierte Helfer in einem digitalen System. Meldet eine Rettungsleitstelle einen Herz-Kreislauf-Stillstand, können Helfer in unmittelbarer Nähe über eine Smartphone-App alarmiert und zum Einsatzort geschickt werden.

Was ist der „Monitor Reanimation“?

Der „Monitor Reanimation“ der ADAC Stiftung untersucht die Voraussetzungen für Wiederbelebungsmaßnahmen vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes. Die Ausgabe 2026 konzentriert sich besonders auf Einstellungen, Kenntnisse und Wünsche der Bevölkerung in Deutschland.

OZD-Extra – Vier statt sieben Minuten können entscheidend sein

Das Potenzial digitaler Ersthelfer-Netzwerke zeigt sich besonders beim Faktor Zeit. Nach Angaben der Betreiber kann im Durchschnitt bereits nach etwa vier Minuten ein alarmierter Ersthelfender am Einsatzort sein. Auf eine Reanimation durch professionelle Rettungskräfte warten Patienten laut ADAC Stiftung durchschnittlich rund sieben Minuten – in ländlichen Regionen teilweise deutlich länger.

Damit könnten solche Netzwerke einen Teil der besonders kritischen Zeit unmittelbar nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand überbrücken. Gleichzeitig zeigt die Umfrage ein erhebliches ungenutztes Potenzial: Weniger als jeder fünfte Befragte kennt das Konzept bislang, nach einer Erklärung kann sich jedoch fast jeder Vierte eine Registrierung vorstellen.

Die derzeit rund 185.000 registrierten Ersthelfenden könnten deshalb erst der Anfang einer deutlich größeren Infrastruktur sein – vorausgesetzt, die Systeme werden bekannter und regional weiter ausgebaut.

Gewinnspiel

Wie stark steigt laut „Monitor Reanimation“ die Bereitschaft zur Wiederbelebung, wenn eine telefonische Anleitung durch die Rettungsleitstelle angeboten wird?

A: Von 44 auf 55 Prozent
B: Von 50 auf 64 Prozent
C: Von 64 auf 83 Prozent
D: Von 82 auf 95 Prozent

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild CANVA.