Fakten im Überblick
Diesel kostete am 16. September 2026 bundesweit durchschnittlich 2,453 Euro je Liter und war damit so teuer wie nie zuvor.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche schlägt vor, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vorübergehend von 19 auf sieben Prozent zu senken.
Der Güterverkehr warnt vor enormen Zusatzkosten und fordert statt einer Mehrwertsteuersenkung unter anderem einen günstigeren Gewerbediesel.
Tanken in Deutschland ist so teuer wie nie zuvor. Nach Super E10 hat nun auch Diesel einen neuen historischen Höchststand erreicht. Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Diesel am Mittwoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,453 Euro.
Damit wurde der bisherige Rekord vom 7. April 2026 übertroffen.
Auch Benzin bleibt auf Rekordniveau. Für einen Liter Super E10 mussten Autofahrerinnen und Autofahrer am Mittwoch im bundesweiten Durchschnitt 2,314 Euro bezahlen.
Die Entwicklung verschärft den politischen Streit darüber, wie private Haushalte und Unternehmen von den außergewöhnlich hohen Kraftstoffkosten entlastet werden könnten.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU brachte dazu einen deutlichen Steuerschritt ins Gespräch.
"Ein sinnvoller Ansatz" zur Entlastung von Autofahrerinnen und Autofahrern "wäre aus meiner Sicht eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer für Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent", sagte Reiche am Rande eines Treffens der G20-Staatengruppe im texanischen Houston.
Zuvor hatte bereits Unionsfraktionschef Thorsten Frei eine Mehrwertsteuersenkung vorgeschlagen.
Eine Reduzierung von 19 auf sieben Prozent könnte bei vollständiger Weitergabe der Steuerentlastung die Preise an den Zapfsäulen spürbar reduzieren.
Bei einem Dieselpreis von 2,453 Euro würde der Preis rein rechnerisch auf rund 2,206 Euro sinken, wenn ausschließlich der Mehrwertsteuersatz von 19 auf sieben Prozent reduziert würde und alle anderen Preisbestandteile unverändert blieben.
Das entspräche einer theoretischen Entlastung von knapp 25 Cent je Liter.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären das rund 12,35 Euro.
Bei Super E10 mit einem Ausgangspreis von 2,314 Euro läge die theoretische Entlastung bei rund 23 Cent je Liter.
Ob eine Steuersenkung tatsächlich vollständig an die Verbraucher weitergegeben würde, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Zudem hat das Modell einen entscheidenden Haken: Für viele Unternehmen funktioniert es anders als für private Autofahrer.
Unternehmen, die zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, können die beim Kraftstoffkauf gezahlte Umsatzsteuer grundsätzlich verrechnen. Eine niedrigere Mehrwertsteuer würde ihre tatsächliche Nettobelastung deshalb kaum verändern.
Auch Reiche räumte dieses Problem ein.
"Deshalb prüfen wir Wege, wie wir das mittelständische Transportgewerbe ebenfalls gezielt entlasten können."
Gerade dort wächst der Druck.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen der hohen Dieselpreise.
Nach Berechnungen des Verbands ist Diesel für das Transportgewerbe in den vergangenen Monaten infolge des Iran-Krieges netto um etwa 60 Cent pro Liter teurer geworden.
Bei einer Fahrzeugflotte von 50 Lastwagen könnten dadurch innerhalb eines Jahres zusätzliche Kraftstoffkosten von mehr als einer Million Euro entstehen.
Für mittelständische Speditionen mit geringen Margen kann eine solche Kostensteigerung erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
Der BGL warnt deshalb vor Belastungen für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Transportunternehmen und mittelbar auch für die gesamte Wirtschaft.
Eine Senkung der Mehrwertsteuer hält der Verband für die Branche allerdings nicht für das geeignete Instrument.
"Diese stellt für die Wirtschaft einen durchlaufenden Posten dar. Sie ist zwar für den Staat mit hohen Kosten verbunden, entfaltet für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen jedoch kaum eine unmittelbare Entlastungswirkung."
Stattdessen fordert der Verband unter anderem einen "wettbewerbsfähigen Gewerbediesel".
Das Prinzip existiert bereits in mehreren europäischen Ländern.
Nach Angaben des BGL gibt es entsprechende Modelle unter anderem in Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Slowenien, Spanien und Ungarn.
Dabei wird die Energiesteuer auf gewerblich genutzten Diesel unter bestimmten Voraussetzungen auf das europarechtlich zulässige Mindestniveau reduziert.
Der Verband fordert außerdem, die aus seiner Sicht bestehende doppelte CO2-Belastung des Straßengüterverkehrs durch nationalen Emissionshandel und CO2-Komponente der Lkw-Maut zu verändern.
Die Bundesregierung steht damit vor einem Zielkonflikt.
Eine niedrigere Mehrwertsteuer könnte privaten Autofahrern relativ schnell helfen, wäre für viele Transportunternehmen aber kaum eine direkte Entlastung.
Ein spezieller Gewerbediesel würde dagegen gezielt die Logistikbranche erreichen, nicht jedoch Millionen private Pendler.
Reiche brachte deshalb zusätzlich Direktauszahlungen für Menschen mit niedrigen Einkommen ins Gespräch.
Ein entsprechender Auszahlungsmechanismus könnte nach ihren Angaben allerdings erst Anfang 2027 einsatzbereit sein.
Auch aus der Opposition kommen weitere Vorschläge.
Die Linke fordert staatliche Zahlungen von insgesamt knapp 500 Euro pro Person.
" neben einem jährlichen Klimageld von circa 320 Euro fordern wir, so schnell wie möglich ein Energiekrisengeld in Höhe von 150 Euro an alle Bürgerinnen und Bürger auszuzahlen", heißt es in einem Papier der Bundestagsfraktion, aus dem das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitierte.
Der finanzpolitische Sprecher Christian Görke kritisierte, dass der Staat noch immer nicht für die gesamte Bevölkerung über die notwendigen Kontoverbindungen verfüge.
"Der Finanzminister muss endlich sicherstellen, dass eine Direktauszahlung sofort an alle möglich ist", forderte Görke.
Es sei "beileibe kein Hexenwerk", Steuernummern mit einer IBAN-Kontoverbindung zu verknüpfen.
Das BSW fordert wiederum einen anderen Weg.
Parteichef Fabio De Masi verlangt, den CO2-Preis auf fossile Brennstoffe auszusetzen. Zusätzlich fordert das BSW einen Spritpreisdeckel von 1,50 Euro je Liter sowie eine Übergewinnsteuer.
Auch Umwelt- und Verkehrsverbände beteiligen sich an der Debatte.
Der ökologische Verkehrsclub VCD setzt statt einer allgemeinen Verbilligung fossiler Kraftstoffe auf Maßnahmen, die Mobilitätskosten reduzieren und zugleich den Kraftstoffverbrauch senken sollen.
Dazu gehören nach seinen Vorschlägen ein günstigeres Deutschlandticket, ein Tempolimit auf Autobahnen, mehr Raum für den Radverkehr sowie eine Förderung gebrauchter Elektroautos oder von Ladeguthaben.
Damit geht die politische Auseinandersetzung inzwischen weit über die Frage hinaus, wie der Preis an der Zapfsäule kurzfristig gesenkt werden kann.
Es geht auch darum, wer entlastet werden soll, wie viel eine Maßnahme den Staat kostet und ob die Hilfen private Haushalte, Pendler und Unternehmen tatsächlich erreichen.
Für Millionen Autofahrer bleibt vorerst eine andere Zahl entscheidend: 2,453 Euro.
So viel kostete ein Liter Diesel am 16. September 2026 im bundesweiten Durchschnitt – mehr als jemals zuvor.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Eine Steuer, verschiedene Wirkungen
Die Debatte über die Rekordpreise zeigt, warum eine scheinbar einfache Entlastungsmaßnahme sehr unterschiedliche Folgen haben kann.
Eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent könnte private Autofahrer unmittelbar erreichen, sofern die Entlastung an den Zapfsäulen vollständig weitergegeben wird.
Für vorsteuerabzugsberechtigte Speditionen ist die Rechnung anders. Für sie zählt vor allem der Nettopreis des Diesels. Genau deshalb fordert der BGL andere Instrumente.
Die verschiedenen Vorschläge sollten deshalb nicht nur danach beurteilt werden, wie stark sie rechnerisch den Literpreis verändern. Entscheidend sind auch Zielgruppe, Kosten für den Staat, Dauer der Maßnahme und tatsächliche Weitergabe der Entlastung.
Hinzu kommt die Frage nach der sozialen Zielgenauigkeit. Eine allgemeine Steuersenkung hilft jedem, der Kraftstoff kauft – unabhängig vom Einkommen. Direkte Zahlungen könnten stärker nach finanzieller Belastung differenzieren, benötigen aber eine funktionierende technische Infrastruktur.
Die realistische Prognose: Der politische Druck für eine kurzfristige Entlastungsentscheidung wird bei anhaltenden Rekordpreisen hoch bleiben. Welche Kombination aus Steuerentlastung, direkten Zahlungen oder branchenspezifischen Maßnahmen umgesetzt wird, ist derzeit offen.
Historischer Hintergrund
Deutschland hat bereits Erfahrungen mit kurzfristigen staatlichen Eingriffen bei stark steigenden Kraftstoffpreisen.
Im Jahr 2022 senkte die Bundesregierung vorübergehend die Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Der sogenannte Tankrabatt sollte Verbraucher während der damaligen Energiepreiskrise entlasten.
Die aktuelle Debatte unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt.
Diesmal steht neben der Energiesteuer vor allem die Mehrwertsteuer im Mittelpunkt.
Sie beträgt regulär 19 Prozent und wird auf den gesamten Kraftstoffpreis einschließlich anderer Steuern und Abgaben erhoben.
Für private Verbraucher ist sie deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Endpreises.
Unternehmen können die Umsatzsteuer dagegen häufig als Vorsteuer geltend machen. Deshalb profitieren sie von einer Mehrwertsteuersenkung wirtschaftlich nicht in gleicher Weise.
Die Diskussion über einen speziellen Gewerbediesel hat wiederum eine europäische Dimension.
Mehrere EU-Staaten entlasten den gewerblichen Straßengüterverkehr über niedrigere Energiesteuern oder Erstattungsmodelle. Deutsche Spediteure sehen darin einen Wettbewerbsnachteil, wenn sie diese Entlastung nicht erhalten.
Zukunftsprognose
Politisch dürfte die Debatte über Kraftstoffpreise kurzfristig an Intensität gewinnen, solange Diesel und Benzin auf Rekordniveau bleiben.
Wirtschaftlich ist insbesondere der Güterverkehr relevant.
Steigen Transportkosten dauerhaft, können Unternehmen versuchen, diese über höhere Frachtraten an ihre Kunden weiterzugeben. Dadurch können sich höhere Dieselpreise indirekt auf zahlreiche Waren auswirken.
Das betrifft Lebensmittel ebenso wie Baustoffe, Industrieprodukte und Konsumgüter.
Gesellschaftlich treffen hohe Kraftstoffpreise Regionen unterschiedlich. Menschen in ländlichen Gebieten sind häufig stärker auf das Auto angewiesen als Bewohner großer Städte mit dichtem öffentlichem Nahverkehr.
International bleibt die Entwicklung des Ölpreises entscheidend.
Deutschland importiert einen erheblichen Teil seiner fossilen Energieträger. Konflikte und Lieferprobleme auf internationalen Energiemärkten können sich deshalb schnell auf deutsche Tankstellenpreise übertragen.
Für die Inflation sind Kraftstoffpreise ebenfalls relevant. Bleiben sie lange hoch, erhöhen sie direkt die Mobilitätskosten und können indirekt über Transport- und Produktionskosten auf andere Preise wirken.
Was würde eine Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent bringen?
Bei vollständiger Weitergabe wäre die rechnerische Wirkung erheblich.
Bei 2,453 Euro pro Liter Diesel beträgt der Nettopreis ohne 19 Prozent Mehrwertsteuer rund 2,061 Euro.
Mit sieben Prozent Umsatzsteuer ergäbe sich daraus ein Preis von etwa 2,206 Euro.
Die theoretische Differenz beträgt damit knapp 25 Cent je Liter.
Bei Super E10 zu 2,314 Euro wären es rund 23 Cent.
Die tatsächliche Preisentwicklung würde jedoch weiterhin von Ölpreis, Wechselkursen, Raffineriekosten, Wettbewerb und weiteren Preisbestandteilen beeinflusst.
Warum profitieren Speditionen kaum von einer niedrigeren Mehrwertsteuer?
Viele Unternehmen sind vorsteuerabzugsberechtigt.
Die Umsatzsteuer, die sie beim Tanken zahlen, kann steuerlich verrechnet werden. Für ihre tatsächlichen Kosten ist deshalb vor allem der Nettopreis entscheidend.
Aus diesem Grund fordert der BGL andere Entlastungsinstrumente.
Was ist Gewerbediesel?
Mit Gewerbediesel sind steuerliche Sonderregelungen für Diesel gemeint, der im gewerblichen Straßengüterverkehr verwendet wird.
Mehrere europäische Staaten reduzieren für berechtigte Unternehmen die Energiesteuer beziehungsweise erstatten einen Teil davon.
Der BGL fordert ein vergleichbares Modell für Deutschland.
Warum sind Diesel und Benzin derzeit so teuer?
Ein wichtiger Faktor sind die gestiegenen internationalen Ölpreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und den Risiken für die Energieversorgung.
Der ADAC weist allerdings darauf hin, dass Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs das aktuelle Preisniveau an deutschen Tankstellen nur teilweise erklären.
Was ist der CO2-Preis?
Beim Verkauf fossiler Kraftstoffe entsteht zusätzlich eine CO2-Bepreisung. Sie soll einen wirtschaftlichen Anreiz schaffen, den Verbrauch fossiler Energieträger und damit Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
Wie stark einzelne Verbraucher dadurch belastet werden, hängt unter anderem von Kraftstoffverbrauch und Fahrleistung ab.
OZD-Extra – So teuer ist eine Tankfüllung jetzt
Bei einem Dieselpreis von 2,453 Euro kostet eine Tankfüllung mit 50 Litern rund 122,65 Euro.
Bei 60 Litern sind es rund 147,18 Euro.
Wer einen Transporter mit 80 Litern betankt, bezahlt rechnerisch rund 196,24 Euro.
Beim aktuellen Super-E10-Preis von 2,314 Euro kostet eine 50-Liter-Tankfüllung etwa 115,70 Euro.
Eine Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent würde bei vollständiger Weitergabe den Dieselpreis rechnerisch um knapp 25 Cent je Liter und den E10-Preis um rund 23 Cent reduzieren.
Für eine 50-Liter-Dieseltankfüllung läge die theoretische Ersparnis damit bei rund 12,35 Euro.
Für die Börse sind die hohen Energiepreise vor allem über ihre indirekten Folgen relevant.
Logistikunternehmen, Fluggesellschaften, Chemiekonzerne und andere energieintensive Unternehmen können unter steigenden Kosten leiden. Mineralöl- und Energiekonzerne können dagegen je nach Entwicklung der Rohölpreise und ihrer Margen andere Effekte erleben.
Für den Euro sind nicht einzelne Tankstellenpreise entscheidend, sondern mögliche Auswirkungen auf Inflation, Konjunktur und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.
Beim Rohöl bleibt der Iran-Krieg ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Weitere Angebotsrisiken könnten die Preise hoch halten, während eine Entspannung an den Energiemärkten den Preisdruck reduzieren könnte.
Gewinnspiel
Wie hoch lag der bundesweite durchschnittliche Dieselpreis am 16. September 2026?
A: 1,953 Euro
B: 2,153 Euro
C: 2,453 Euro
D: 2,753 Euro
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.