Fakten im Überblick
Der Brent-Ölpreis ist erstmals seit Juli wieder über 100 US-Dollar gestiegen.
Super E10 verteuerte sich binnen einer Woche um 7,6 Cent, Diesel um fast neun Cent.
Ursache sind die Eskalation des Iran-Kriegs und die angespannte Lage in der Straße von Hormus.
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran sorgt erneut für Turbulenzen auf den internationalen Energiemärkten. Am Mittwoch stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent erstmals seit Juli wieder über die Marke von 100 US-Dollar und erreichte zeitweise 100,89 Dollar. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte gleichzeitig bei 95,57 Dollar.
Die erneute Preisrally folgt auf eine deutliche Verschärfung der militärischen Lage in der Golfregion. Nachdem die USA mehrere iranische Öltanker angegriffen hatten, intensivierte der Iran seine Angriffe auf US-Ziele. Gleichzeitig wächst an den Finanzmärkten die Sorge, dass die für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport strategisch bedeutende Straße von Hormus über längere Zeit nur eingeschränkt oder gar nicht passierbar sein könnte.
Die Folgen treffen Verbraucher in Deutschland bereits unmittelbar. Nach Angaben des ADAC kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt inzwischen 2,259 Euro und damit 7,6 Cent mehr als noch vor einer Woche. Diesel verteuerte sich sogar um fast neun Cent auf durchschnittlich 2,321 Euro pro Liter.
Im Bundeswirtschaftsministerium beobachtet die Bundesregierung die Entwicklung aufmerksam. Eine Sprecherin erklärte, die Preise auf den Rohölmärkten seien derzeit "volatil". Neben Anstiegen gebe es auch immer wieder Rückgänge.
Einen von der SPD geforderten Preisdeckel für Kraftstoffe bewertet das Wirtschaftsministerium jedoch kritisch. Die Einführung einer Preisobergrenze sei "hochgradig komplex" und mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden. Eine zu hoch angesetzte Obergrenze wäre wirkungslos, eine zu niedrige könnte dagegen Tankstellen wirtschaftlich unter Druck setzen und regionale Versorgungsengpässe verursachen.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hatte angesichts der steigenden Kraftstoffpreise erneut einen Preisdeckel sowie eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne gefordert.
Bereits im Frühjahr hatte der Ölpreis infolge des Nahostkriegs zeitweise bei rund 117 Dollar je Barrel gelegen. Nach einer Entspannung in den Sommermonaten kehrt die Unsicherheit nun mit voller Wucht auf die Rohstoffmärkte zurück.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der Krieg erreicht jetzt den Geldbeutel
Geopolitische Krisen treffen Verbraucher oft schneller als jede politische Entscheidung. Während an den Börsen über Risiken spekuliert wird, zahlen Autofahrer bereits wenige Tage später deutlich höhere Preise an den Zapfsäulen. Die Debatte über Preisdeckel oder Übergewinnsteuern zeigt vor allem eines: Dauerhafte Lösungen gibt es nicht, solange der Konflikt im Nahen Osten die Energieversorgung der Welt bedroht. Europa bleibt bei Ölimporten weiterhin anfällig für internationale Krisen.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtswegen der Welt. Ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssiggases passiert diese Meerenge. Bereits in früheren Krisen führte jede Bedrohung des Seewegs zu sprunghaft steigenden Ölpreisen und höheren Kraftstoffkosten in Europa, Asien und Nordamerika.
Zukunftsprognose
Sollte die militärische Eskalation in der Golfregion anhalten oder sich die Lage in der Straße von Hormus weiter verschärfen, könnten die Ölpreise erneut in Richtung der Höchststände vom Frühjahr steigen. Das würde nicht nur Benzin und Diesel verteuern, sondern auch Heizöl, Transportkosten und zahlreiche Verbraucherpreise beeinflussen. An den Börsen profitieren traditionell Energieunternehmen und Ölkonzerne von steigenden Rohölpreisen, während Industrie-, Transport- und Airline-Aktien unter höheren Energiekosten leiden könnten.
Erklärungen
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie gilt als wichtigste Engstelle des weltweiten Ölhandels. Ein großer Teil der globalen Energieexporte aus den Golfstaaten wird über diese Meerenge transportiert.
Was ist Brent-Öl?
Brent ist die wichtigste europäische Rohölsorte und dient weltweit als Preismaßstab für Erdöl. Die Entwicklung des Brent-Preises beeinflusst unmittelbar die Kraftstoffpreise in Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten.
OZD-Extras
Steigende Ölpreise wirken sich häufig zeitversetzt auf nahezu alle Wirtschaftsbereiche aus. Höhere Transport- und Energiekosten können die Inflation erneut anheizen und den Druck auf Verbraucher sowie Unternehmen erhöhen.
Gewinnspiel
Welche Marke überschritt der Preis für ein Barrel Brent-Öl am Mittwoch erstmals seit Juli wieder?
A) 80 US-Dollar
B) 90 US-Dollar
C) 100 US-Dollar
D) 120 US-Dollar
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.