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Neue Energie-Offensive im Mittelmeerraum: Wadephul sucht starke Partner für Deutschlands Zukunft

Außenminister Johann Wadephul treibt in Tunesien eine neue Energiepartnerschaft voran. Im Fokus stehen grüner Wasserstoff, Migration und Sicherheit.

Fakten im Überblick

Außenminister Johann Wadephul besucht Tunesien und anschließend Algerien.

Deutschland will die Zusammenarbeit bei klimafreundlicher Energie und grünem Wasserstoff deutlich ausbauen.

Migration, Sicherheit im Sahel und der Konflikt um die Straße von Hormus gehören ebenfalls zu den Gesprächsthemen.


Deutschland richtet seinen Blick verstärkt auf Nordafrika. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat bei seinem Besuch in der tunesischen Hauptstadt Tunis für einen Ausbau der Energiepartnerschaft mit Tunesien geworben. Gemeinsam mit Staatspräsident Kais Saied und Außenminister Mohammed Ali Nafti sprach er über eine engere Zusammenarbeit bei klimafreundlicher Energie, wirtschaftlicher Entwicklung und regionaler Sicherheit.

Deutschland wolle künftig die "gegenseitigen Potenziale" noch intensiver nutzen, insbesondere bei der "Versorgung mit klimafreundlicher Energie", erklärte Wadephul auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Gleichzeitig gratulierte er Tunesien zum 70. Jahrestag der Staatsgründung und betonte die Bedeutung der bilateralen Beziehungen.

Ein weiteres zentrales Thema war die angespannte Lage im Nahen Osten. Mit Blick auf den Iran-Konflikt und die weiterhin de facto eingeschränkte Schifffahrt in der Straße von Hormus forderte Wadephul eine schnelle diplomatische Lösung. Die Konfliktparteien müssten "zügig zu einer Einigung kommen", damit die freie Schifffahrt wieder gewährleistet sei. Blockaden träfen "die Versorgung vieler Menschen weltweit ins Mark".

Auch die Migration stand auf der Agenda. Gegenüber der ARD erklärte Wadephul, dass Terrorismus und Islamismus in der Sahelzone wesentliche Ursachen für Fluchtbewegungen seien. Deutschland wolle gemeinsam mit den nordafrikanischen Staaten an mehr Stabilität arbeiten. "Wenn die Menschen nicht fliehen müssen, dann werden sie nicht fliehen", sagte der Außenminister. Gleichzeitig forderte er eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung irregulärer Migration und sprach sich dafür aus, dass nordafrikanische Staaten Menschen nicht mehr unkontrolliert Richtung Europa weiterreisen lassen.

Nach seinem Aufenthalt in Tunesien reist Wadephul nach Algerien weiter. Dort trifft er Außenminister Ahmed Attaf sowie Präsident Abdelmadjid Tebboune. Begleitet wird der Außenminister von einer Wirtschaftsdelegation, die neue Projekte im Energie- und Investitionsbereich vorbereiten soll.

Vor Reisebeginn hatte Wadephul Algerien als "strategischen Partner in der Energie- und auch in der Sicherheitspolitik" bezeichnet. Das Land zählt bereits heute zu den wichtigsten Gaslieferanten der Europäischen Union. Künftig soll insbesondere die Produktion von grünem Wasserstoff die Zusammenarbeit weiter vertiefen und einen wichtigen Beitrag zur europäischen Energieversorgung leisten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Deutschlands Energiezukunft entscheidet sich zunehmend in Nordafrika

Die Reise von Johann Wadephul zeigt einen strategischen Kurswechsel. Deutschland sucht seine Energieversorgung künftig breiter aufzustellen und reduziert damit langfristig geopolitische Abhängigkeiten. Nordafrika entwickelt sich dabei zu einer Schlüsselregion für Gas, Wasserstoff und erneuerbare Energien. Gleichzeitig wird deutlich: Energiepolitik, Migration und Sicherheit lassen sich nicht mehr getrennt betrachten. Wer stabile Energiepartnerschaften will, muss auch in Stabilität, Infrastruktur und Sicherheit investieren. Genau darin liegt die größte Herausforderung der kommenden Jahre.

Historischer Hintergrund

Deutschland und Tunesien pflegen seit Jahrzehnten enge wirtschaftliche und politische Beziehungen. Nach der Jasminrevolution 2011 intensivierte Berlin die Zusammenarbeit insbesondere bei Demokratieprojekten, Wirtschaftsförderung und Migration. Algerien gewann seit dem russischen Angriff auf die Ukraine erheblich an Bedeutung als alternativer Gaslieferant für Europa. Mit seinen enormen Flächen für Solarenergie gilt Nordafrika zudem als einer der weltweit aussichtsreichsten Standorte für die Produktion von grünem Wasserstoff.

Zukunftsprognose

Die Bedeutung Tunesiens und Algeriens für Deutschlands Energieversorgung dürfte in den kommenden Jahren weiter wachsen. Investitionen in Wasserstoffprojekte, Stromnetze und Hafeninfrastruktur könnten Nordafrika zu einem zentralen Energielieferanten Europas machen. Gleichzeitig bleibt die politische Stabilität der Region entscheidend für den Erfolg dieser Strategie. Fortschritte bei Sicherheit und wirtschaftlicher Entwicklung könnten zudem den Migrationsdruck langfristig verringern.

Erklärungen

Was ist grüner Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien wie Sonne oder Wind hergestellt. Er gilt als wichtiger Energieträger für Industrie, Schwerlastverkehr und klimaneutrale Energieversorgung und spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende.

Was ist die Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Über diese Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssiggases transportiert. Störungen der Schifffahrt wirken sich unmittelbar auf Energiepreise und Lieferketten weltweit aus.

OZD-Extras

Tunesien und Algerien verfügen über hervorragende Bedingungen für Solar- und Windenergie. Internationale Energieunternehmen investieren bereits Milliarden in Projekte für grünen Wasserstoff, der künftig auch nach Europa exportiert werden soll.

Die Reise dürfte an den Finanzmärkten positiv bewertet werden. Unternehmen aus den Bereichen Wasserstoff, Energietechnik und Infrastruktur könnten von einer vertieften Zusammenarbeit profitieren. Gleichzeitig bleiben die Entwicklungen im Nahen Osten und an der Straße von Hormus ein wichtiger Einflussfaktor für die internationalen Öl- und Gaspreise.

Gewinnspiel

Welches Land besucht Bundesaußenminister Johann Wadephul nach seinem Aufenthalt in Tunesien?

A) Marokko

B) Ägypten

C) Algerien

D) Libyen

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.