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Nach historischen Verlusten: Unions-Fraktionsmanagerin stärkt Merz den Rücken

Nach den CDU-Niederlagen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fordert Catarina Dos Santos-Wintz bessere Kommunikation – hält aber am Reformkurs fest.

Fakten im Überblick

Catarina Dos Santos-Wintz fordert nach den CDU-Wahlverlusten eine bessere Kommunikation der Bundesregierung.

Die Unions-Fraktionsmanagerin hält trotz der Ergebnisse am Reformkurs bei den sozialen Sicherungssystemen fest.

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach Dos Santos-Wintz ausdrücklich das Vertrauen aus.

Nach den schweren Verlusten der CDU bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fordert die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Catarina Dos Santos-Wintz, Konsequenzen bei der politischen Kommunikation. Sie „verstehe den Frust sehr, sehr gut, der in der Bevölkerung herrscht“, sagte die CDU-Politikerin am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Was in Berlin beschlossen werde, sei für viele Menschen belastend. „Wenn man aber nicht genau weiß, wozu das Ganze, dann ist es ziemlich schwierig, dafür Akzeptanz zu finden.“ Ihr Schluss daraus: „Da müssen wir besser werden.“ Die Aussagen bestätigte sie im ARD-Interview am Morgen nach den beiden Wahlen.

Einen Abschied von den geplanten Reformen fordert Dos Santos-Wintz allerdings nicht. Im Gegenteil: „Unsere sozialen Sicherungssystem sind quasi am Ende“, sagte sie. Sie wolle „sehr, sehr gerne, dass wir diese Sicherungssysteme wieder auf Vordermann bringen“. Im Interview machte sie deutlich, dass aus ihrer Sicht Reformen notwendig bleiben, zugleich aber verständlicher vermittelt werden müssten. Nach Angaben von ZDFheute sagte sie zudem, es gehe nicht um eine „Rettung der Kanzlerschaft“, sondern um die Lage des Landes.

Damit verbindet Dos Santos-Wintz zwei Botschaften: Die CDU soll nach den Wahlverlusten stärker auf die Wahrnehmung und Sorgen in der Bevölkerung reagieren, zugleich aber nicht von ihrem Reformkurs abrücken. Ihre Aussagen fügen sich in eine breitere Debatte innerhalb der schwarz-roten Koalition ein. Auch andere Vertreter von CDU und SPD diskutieren nach den Wahlen darüber, wie Veränderungen bei Rente, Gesundheit und sozialen Sicherungssystemen ausgestaltet und gegenüber der Bevölkerung erklärt werden sollen. Während innerhalb der Union weiter auf Reformbedarf verwiesen wird, betonen Sozialdemokraten stärker soziale Ausgewogenheit und sichtbare Verbesserungen.

Der politische Druck auf die CDU ist nach den Ergebnissen vom Sonntag erheblich. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte sie nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis lediglich 4,9 Prozent und scheiterte damit an der Fünfprozenthürde. Es ist das erste Mal seit 1949, dass die CDU bei einer Landes-, Bundes- oder Europawahl an dieser Hürde gescheitert ist. Im neuen Schweriner Landtag sitzen AfD, SPD, Linke und Grüne, während CDU und FDP nicht mehr vertreten sind. In Berlin wurde die CDU bei der Abgeordnetenhauswahl von der Linken überholt.

Dos Santos-Wintz stellte sich trotz dieser Ergebnisse ausdrücklich hinter Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. „Friedrich Merz hat unser Vertrauen“, sagte sie. Auf die Frage, ob Merz ein „Kanzler auf Abruf“ sei, antwortete sie mit Nein. In einer weiteren Passage des Interviews erklärte sie, Merz führe Deutschland in „absolut außergewöhnlichen und absolut schwierigen Zeiten“. Damit widersprach die Fraktionsmanagerin Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden Führungswechsel innerhalb der Union. Auch andere Berichte vom Tag nach den Wahlen verzeichneten bislang keine offene innerparteiliche Herausforderung gegen Merz.

Am Montag beraten die Führungsgremien der CDU in Berlin über die Ergebnisse und mögliche Konsequenzen. Dabei geht es nicht nur um die Ursachen der Verluste in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, sondern auch um den bundespolitischen Kurs. Merz hat bereits deutlich gemacht, dass er an Reformen festhalten will. Innerhalb der Koalition wird zugleich darüber diskutiert, welche Veränderungen politisch durchsetzbar sind und wie Belastungen, Übergangsregelungen und mögliche Verbesserungen vermittelt werden können.

Dos Santos-Wintz setzt in dieser Diskussion vor allem beim Vertrauen an. Ihre Argumentation lautet nicht, dass die Reformziele aufgegeben werden sollten. Sie fordert vielmehr, stärker zu erklären, warum Veränderungen notwendig seien und welches Ziel sie verfolgen. Damit rückt neben den politischen Inhalten die Frage in den Mittelpunkt, wie die Bundesregierung ihre Entscheidungen kommuniziert – und wie sie bei tiefgreifenden Veränderungen gesellschaftliche Akzeptanz gewinnen kann.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Zwischen Reformbedarf und Akzeptanz

Die Aussagen von Catarina Dos Santos-Wintz machen eine zentrale Spannung innerhalb der aktuellen Regierungsdebatte sichtbar. Einerseits hält sie Veränderungen bei den sozialen Sicherungssystemen für notwendig. Andererseits räumt sie ein, dass Belastungen schwer vermittelbar sind, wenn deren Ziel für Bürgerinnen und Bürger nicht nachvollziehbar wird.

Nach den Wahlergebnissen wird innerhalb von CDU und SPD deshalb nicht nur über einzelne Reformmaßnahmen gesprochen, sondern auch über deren Kommunikation und soziale Ausgestaltung. Aus der Union kommen Forderungen, den Reformkurs fortzusetzen. Aus der SPD wird stärker darauf gedrängt, neben möglichen Einschnitten auch konkrete Verbesserungen sichtbar zu machen.

Dos Santos-Wintz stellt sich dabei eindeutig hinter Merz. Ob und wie sich die politischen Inhalte der Bundesregierung nach den Wahlergebnissen verändern, ist damit allerdings nicht entschieden. Realistisch ist zunächst mit intensiveren Verhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD über die konkrete Ausgestaltung der Reformvorhaben zu rechnen.

Historischer Hintergrund

Die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme gehört seit Jahrzehnten zu den zentralen politischen Streitfragen in Deutschland. Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung stehen regelmäßig im Spannungsfeld zwischen Leistungsansprüchen, Beiträgen, Bundeszuschüssen, demografischer Entwicklung und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit.

Die aktuelle Diskussion erhält durch die Ergebnisse der Wahlen vom 20. September zusätzliche Bedeutung. Besonders einschneidend ist das Resultat in Mecklenburg-Vorpommern: Die CDU erreichte 4,9 Prozent und ist im neuen Landtag nicht mehr vertreten. Das Landesparlament in Schwerin umfasst 71 Abgeordnete; 32 Mandate gehen an die AfD, 29 an die SPD sowie jeweils fünf an Linke und Grüne.

Auch in Berlin verlor die CDU deutlich und wurde von der Linken als stärkste Kraft abgelöst. Damit stehen sowohl die Landesverbände als auch die Bundesführung vor der Aufgabe, die Ursachen der Ergebnisse politisch auszuwerten.

Zukunftsprognose

Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob die Bundesregierung vor allem ihre Kommunikation verändert oder auch einzelne Reformvorhaben inhaltlich anpasst. Aussagen aus CDU und SPD lassen erkennen, dass die Notwendigkeit von Veränderungen grundsätzlich weiter vertreten wird, über deren konkrete Gestaltung jedoch unterschiedliche Vorstellungen bestehen.

Wirtschaftlich können Reformen der Sozialversicherung erhebliche Folgen haben. Beitragssätze beeinflussen sowohl die verfügbaren Einkommen der Beschäftigten als auch die Arbeitskosten der Unternehmen. Veränderungen bei Rente, Kranken- oder Pflegeversicherung können zudem den Bundeshaushalt und langfristige private Vorsorgeentscheidungen berühren.

Aus den Aussagen von Dos Santos-Wintz allein lassen sich keine belastbaren Folgen für DAX, Euro, Staatsanleihen oder Rohstoffe ableiten. Für Finanzmärkte wären konkrete Gesetzentwürfe, Finanzierungsmodelle und deren mögliche Auswirkungen auf Wachstum, Arbeitskosten und Staatsfinanzen wesentlich entscheidender.

Wer ist Catarina Dos Santos-Wintz?

Catarina Dos Santos-Wintz ist CDU-Politikerin und Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In dieser Funktion gehört sie zur Führung der Unionsfraktion und ist an der Organisation der parlamentarischen Arbeit beteiligt. Ihre Teilnahme am ARD-„Morgenmagazin“ am Tag nach den Wahlen wurde von der ARD dokumentiert.

Was kritisiert Dos Santos-Wintz?

Sie kritisiert vor allem die Vermittlung politischer Entscheidungen. Belastende Reformen seien schwer akzeptierbar, wenn für die Bevölkerung nicht ausreichend erkennbar sei, welchem Ziel sie dienen.

Will Dos Santos-Wintz den Reformkurs stoppen?

Nein. Sie spricht sich ausdrücklich dafür aus, die sozialen Sicherungssysteme zu reformieren und nach ihrer Formulierung wieder „auf Vordermann“ zu bringen.

Steht Dos Santos-Wintz weiter hinter Friedrich Merz?

Ja. „Friedrich Merz hat unser Vertrauen“, sagte sie ausdrücklich. Die Frage, ob Merz ein „Kanzler auf Abruf“ sei, verneinte sie.

OZD-Extra – Kommunikation wird selbst zum politischen Thema

Bemerkenswert ist, dass die Debatte nach den Wahlen nicht allein um einzelne Reformgesetze kreist. Mehrere Politiker aus den Regierungsparteien beschäftigen sich zugleich mit der Frage, wie Veränderungen erklärt und gesellschaftlich vermittelt werden. Dos Santos-Wintz stellt dabei einen direkten Zusammenhang zwischen Belastungen, nachvollziehbaren Zielen und Akzeptanz her.

Für Unternehmen können die anstehenden Reformen insbesondere dann relevant werden, wenn Sozialversicherungsbeiträge oder andere arbeitsbezogene Kosten verändert werden. Für Beschäftigte stehen dagegen Nettolöhne, Rentenansprüche und soziale Absicherung im Mittelpunkt.

Welche konkreten wirtschaftlichen Folgen entstehen, hängt deshalb nicht von der aktuellen Kommunikationsdebatte ab, sondern von den später beschlossenen Gesetzen. Erst dann wären belastbare Aussagen über mögliche Auswirkungen auf Unternehmen, Aktien, Staatsfinanzen oder den Euro möglich.

Gewinnspiel

Mit welchen Worten stellte sich Catarina Dos Santos-Wintz hinter Bundeskanzler Friedrich Merz?

A: „Friedrich Merz hat unser Vertrauen.“
B: „Die Kanzlerfrage ist völlig offen.“
C: „Die Partei braucht eine neue Führung.“
D: „Wir entscheiden darüber erst im kommenden Jahr.“

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.