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410 Millionen Dollar für Abschiebungen: Recherchen enthüllen weltweites Netzwerk der Trump-Regierung

Mehr als 25.000 Menschen sollen seit Trumps Amtsantritt in Drittländer abgeschoben worden sein. Ein internationales Rechercheprojekt legt das System dahinter offen.

Fakten im Überblick

Mindestens 25.447 Menschen wurden laut Forbidden Stories bis Ende August 2026 aus den USA in Drittländer abgeschoben.

Für Abkommen, Zahlungen und Programme rund um diese Abschiebepolitik wurden nach den Recherchen mindestens 410 Millionen Dollar eingeplant.

Rund 20.000 der Betroffenen wurden nach Mexiko gebracht, weitere Abschiebungen führten unter anderem nach Afrika, Lateinamerika und in den Pazifikraum.

Die USA haben unter Präsident Donald Trump ein weit verzweigtes System für Abschiebungen in sogenannte Drittstaaten aufgebaut. Nach einer internationalen Recherche unter Führung des Journalistennetzwerks Forbidden Stories wurden seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 mindestens 25.447 Menschen in Staaten gebracht, die nicht ihre Herkunftsländer sind und zu denen viele der Betroffenen zuvor keine persönliche Verbindung hatten. Die Recherche entstand unter Beteiligung von Dutzenden Journalisten aus zahlreichen internationalen Medienorganisationen. Dokumentiert wurden Vereinbarungen mit insgesamt 35 Staaten.

Eine zentrale Rolle spielt den Recherchen zufolge eine wenig bekannte Einheit des US-Außenministeriums: das „Office of Remigration“. Die Abteilung wurde demnach im Mai 2025 geschaffen und ist an Verhandlungen über die Aufnahme abgeschobener Menschen beteiligt. Geleitet wird sie laut Forbidden Stories von dem Diplomaten Christian Jové Ehrhardt. Für die entsprechenden Vereinbarungen und Programme wurden nach internen Regierungsunterlagen mindestens 410 Millionen Dollar vorgesehen. Die Gelder sollen teilweise direkt an aufnehmende Regierungen und teilweise an internationale Organisationen fließen.

Den größten Teil der dokumentierten Abschiebungen nahm Mexiko auf. Rund 20.000 Menschen wurden nach den Recherchen seit Januar 2025 dorthin gebracht. Weitere Betroffene gelangten in Staaten Lateinamerikas, Afrikas und des Pazifikraums. Forbidden Stories berichtet, dass 49 der 54 afrikanischen Staaten von Washington wegen einer möglichen Aufnahme von Menschen aus Drittstaaten angesprochen worden seien. Die einzelnen Vereinbarungen unterscheiden sich erheblich: Sie legen unter anderem fest, welche Nationalitäten aufgenommen werden können und unter welchen Bedingungen Transfers erfolgen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Kamerun. Nach der Recherche reiste Ehrhardt in das zentralafrikanische Land, das anschließend im Dezember 2025 eine Absichtserklärung zur Aufnahme abgeschobener Menschen mit Washington schloss. Kurz darauf wurde ein fünfjähriges Gesundheitsprogramm im Umfang von rund 400 Millionen Dollar vereinbart. Einen Monat später kündigte das US-Außenministerium weitere 30 Millionen Dollar für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Kamerun an, um unter anderem die freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen zu unterstützen und irreguläre Migration zu bekämpfen. Das erste Flugzeug mit aus den USA abgeschobenen Menschen landete laut Recherche am 14. Januar 2026 in Kamerun. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den verschiedenen Finanzierungsentscheidungen und der Aufnahmevereinbarung ist Gegenstand der journalistischen Recherche; die zeitliche Abfolge allein beweist eine solche Verknüpfung nicht.

In anderen Staaten sind direkte Zahlungen Teil der dokumentierten Vereinbarungen. Der pazifische Inselstaat Palau mit weniger als 18.000 Einwohnern vereinbarte demnach die mögliche Aufnahme von bis zu 75 Menschen aus Drittstaaten gegen 7,5 Millionen Dollar. Bislang wurden laut Recherche drei Menschen dorthin gebracht. Das südafrikanische Königreich Eswatini hat seit Juli 2025 insgesamt 32 Menschen aufgenommen. Eine Vereinbarung sieht dort die Aufnahme von bis zu 160 Personen vor und hat ein Volumen von mehr als fünf Millionen Dollar. Dokumentierte Transfers nach Eswatini betrafen Menschen aus zahlreichen Herkunftsstaaten, darunter Vietnam, Kuba, Jamaika, Somalia und Sudan.

Nach internen Unterlagen, auf die sich das Rechercheprojekt beruft, sind von den mindestens 410 Millionen Dollar rund 81 Millionen Dollar für Vereinbarungen mit Regierungen vorgesehen. Mehr als 178 Millionen Dollar sollen an die Internationale Organisation für Migration, IOM, gehen und 123 Millionen Dollar an das UNHCR. Die Beteiligung der UN-Organisationen hat Kritik ausgelöst. Das UNHCR erklärte gegenüber Forbidden Stories, nicht an den bilateralen Vereinbarungen beteiligt zu sein und die US-Mittel entsprechend seinem Mandat zur Stärkung von Asylsystemen einzusetzen. Die IOM verteidigte ihre Beteiligung mit der Begründung, entscheidend sei, ob ihr Engagement die Situation der betroffenen Migranten verbessere.

Die Politik beschäftigt inzwischen auch US-Gerichte. Der First U.S. Circuit Court of Appeals bestätigte am 18. September 2026 weitgehend eine Entscheidung, wonach Migranten vor einer Abschiebung in einen Drittstaat eine echte Möglichkeit erhalten müssen, Sicherheitsbedenken geltend zu machen. Hintergrund sind Fälle von Menschen, die Schutz davor erhalten hatten, in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt zu werden, anschließend aber in andere Staaten abgeschoben werden sollten. Die US-Regierung verteidigt ihre Drittstaatenpolitik und der Rechtsstreit könnte weitergehen.

Auch die politische Sprache hinter dem Programm sorgt international für Aufmerksamkeit. US-Außenminister Marco Rubio erklärte bereits 2025 „Remigration“ zu einem Begriff der amerikanischen Migrationspolitik. In Europa wird derselbe Ausdruck insbesondere von rechtsgerichteten und rechtsextremen politischen Akteuren verwendet, wobei Bedeutung und konkrete politische Forderungen unterschiedlich ausfallen können. Die US-Politik der Drittstaatenabschiebungen ist deshalb nicht nur eine innenpolitische Frage. Sie verbindet Migrationspolitik, Außenpolitik, Entwicklungshilfe, internationale Organisationen und die Beziehungen Washingtons zu Staaten in Afrika, Lateinamerika und dem Pazifikraum.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Wenn Abschiebepolitik zur internationalen Außenpolitik wird

Die Recherchen von Forbidden Stories zeigen vor allem die internationale Dimension der amerikanischen Abschiebepolitik. Entscheidungen, die in Washington getroffen werden, enden nicht an der US-Grenze. Sie betreffen Mexiko ebenso wie Kamerun, Eswatini oder Palau und werfen Fragen darüber auf, welche Verantwortung ein aufnehmender Staat gegenüber Menschen übernimmt, die keinerlei persönliche Verbindung zu ihm besitzen.

Besonders wichtig ist dabei die Trennung zwischen politischer Zielsetzung und rechtlichen Grenzen. Die Trump-Regierung verfolgt eine deutlich verschärfte Abschiebepolitik. US-Gerichte beschäftigen sich zugleich mit der Frage, welche Verfahrensrechte Betroffene besitzen, bevor sie in Drittstaaten gebracht werden. Das jüngste Berufungsurteil unterstreicht, dass insbesondere mögliche Gefahren im Zielland berücksichtigt werden müssen.

Die internationalen Vereinbarungen dürften deshalb weiter unter juristischer und politischer Beobachtung stehen. Entscheidend wird sein, wie transparent die Abkommen künftig gestaltet werden, welche Rechte die Betroffenen tatsächlich wahrnehmen können und wie internationale Organisationen ihre Rolle gegenüber Regierungen und Öffentlichkeit erklären.

Historischer Hintergrund

Donald Trump machte eine drastische Begrenzung irregulärer Migration bereits während seiner ersten Präsidentschaft von 2017 bis 2021 zu einem zentralen politischen Thema. Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 weitete seine Regierung die Abschiebepolitik aus und begann verstärkt, Vereinbarungen mit Staaten über die Aufnahme von Menschen anderer Nationalitäten zu schließen.

Drittstaatenregelungen sind international nicht grundsätzlich neu. Auch andere Staaten versuchen, Migration durch Vereinbarungen mit Transit- oder Partnerländern zu steuern. Politisch und juristisch umstritten wird das insbesondere dann, wenn Betroffene keine Verbindung zum Aufnahmeland besitzen, dort möglicherweise keinen ausreichenden Schutz erhalten oder ihre individuellen Einwände gegen eine Überstellung nicht angemessen geprüft werden.

Die aktuelle US-Politik hat eine besonders große geografische Reichweite. Nach den Recherchen wurden Vereinbarungen mit 35 Staaten geschlossen. Die dokumentierten Zielländer reichen von Mexiko und Costa Rica über afrikanische Staaten wie Kamerun, Eswatini und Liberia bis zum pazifischen Inselstaat Palau.

Zukunftsprognose

Die Drittstaatenabschiebungen dürften in den USA zunächst Gegenstand weiterer Gerichtsverfahren bleiben. Das jüngste Urteil des Bundesberufungsgerichts stärkt Verfahrensrechte von Migranten, beendet die juristische Auseinandersetzung jedoch nicht zwingend. Eine weitere Befassung höherer Gerichte ist möglich.

International könnten die Vereinbarungen die Beziehungen der USA zu afrikanischen, lateinamerikanischen und pazifischen Staaten stärker mit der Migrationspolitik verknüpfen. Wenn Aufnahmeabkommen, Entwicklungshilfe, Visapolitik und andere außenpolitische Instrumente gleichzeitig verhandelt werden, können daraus neue diplomatische Konflikte über Transparenz und politische Abhängigkeiten entstehen.

Direkte Auswirkungen auf Börsen, Aktien, Rohstoffe oder den Dollar sind aus den bislang bekannten Vereinbarungen nicht belastbar abzuleiten. Finanzielle Bedeutung haben die Programme dagegen für den US-Haushalt sowie für aufnehmende Staaten und internationale Organisationen. Allein das von den Recherchen dokumentierte Finanzierungsvolumen beträgt mindestens 410 Millionen Dollar.

Was sind Drittstaatenabschiebungen?

Dabei wird eine Person nicht in ihr Herkunftsland, sondern in einen anderen Staat abgeschoben. Besonders umstritten sind Fälle, in denen die Betroffenen keine Staatsangehörigkeit, familiäre Verbindung oder frühere persönliche Beziehung zu diesem Drittstaat besitzen.

Was ist das „Office of Remigration“?

Nach den Recherchen von Forbidden Stories handelt es sich um eine 2025 geschaffene Einheit innerhalb des US-Außenministeriums, die bei den internationalen Verhandlungen über Drittstaatenabschiebungen eine zentrale Rolle spielt.

Was ist Forbidden Stories?

Forbidden Stories ist ein internationales journalistisches Netzwerk mit Sitz in Paris. Das aktuelle „Deportation Project“ wurde gemeinsam mit zahlreichen Medienorganisationen aus 15 Ländern recherchiert. Dabei wurden Regierungsdokumente, Interviews und Daten zu Drittstaatenabschiebungen ausgewertet.

Welche Rolle spielen UNHCR und IOM?

Nach den ausgewerteten Unterlagen sind erhebliche US-Mittel für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration vorgesehen. Beide Organisationen erklären, ihre Tätigkeit an ihren jeweiligen humanitären Mandaten auszurichten.

OZD-Extra – 7,5 Millionen Dollar für maximal 75 Menschen auf Palau

Eines der auffälligsten Beispiele führt in den westlichen Pazifik. Palau, ein Inselstaat mit weniger als 18.000 Einwohnern, vereinbarte nach den Recherchen mit Washington die mögliche Aufnahme von bis zu 75 Menschen aus Drittstaaten. Dafür sind 7,5 Millionen Dollar vorgesehen. Bislang seien lediglich drei Menschen im Rahmen der Vereinbarung dort angekommen.

Noch deutlicher wird die internationale Dimension beim Blick nach Afrika. In Eswatini wurden bislang 32 Menschen dokumentiert, während Vereinbarungen und Transfers auch Staaten wie Kamerun, Liberia, Ruanda, Sierra Leone und Äquatorialguinea betreffen.

Damit entwickelt sich die amerikanische Abschiebepolitik zu einem außenpolitischen Netzwerk, dessen rechtliche, finanzielle und humanitäre Folgen weit über die Vereinigten Staaten hinausreichen.

Gewinnspiel

Wie viele Menschen wurden laut der internationalen Recherche bis Ende August 2026 mindestens aus den USA in Drittländer abgeschoben?

A: Rund 2.500
B: Rund 10.000
C: Mehr als 25.000
D: Mehr als 100.000

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.